HOME

Stern Logo Wahl

Der Abwasch der Woche: Feiern is nich!

Planen Sie gerade eine Geburtstagsfeier? Dann vergessen Sie das Kanzleramt als Party-Location. Bei Angela Merkel kommt man nur zum beinharten politischen Diskurs rein und nicht zum Feiern. Zeit für den Abwasch.

Von Jan Rosenkranz

Breaking News aus dem Kanzleramt:

1. Es ist zwecklos, die Bundeskanzlerin auf die eigene Geburtstagsparty einzuladen, und darauf zu hoffen, dass man, wenn sie nicht kommt, was ganz sicher der Fall sein wird, im Gegenzug im Kanzleramt standesgemäß nachfeiern darf.

2. Natürlich war es auch bei Deutschbank-Jos Sechzigsten ganz anders. Wie die Kanzlerin im Interview mit Sat.1 beteuerte, sei das Treffen, das im Übrigen über ein Jahr zurückliegt, selbstredend "keine Geburtstagsfeier" gewesen, es habe lediglich "im Umfeld" desselben ein Abendessen mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur stattgefunden, auch wenn der Einladungstext anderes vermuten ließ.

3. Die Kanzlerin ist die Kanzlerin ist die Kanzlerin - und die wird doch nicht alleine zu Abend essen müssen sollen. Eben.

*

Breaking News vom linken Flügel:

Die Kanzlerin ist nicht die Kanzlerin ist nicht die Kanzlerin. Wenn es so wäre, würde sie die Richtlinien der Politik bestimmen, was sie nicht tue, sondern die Finanzindustrie, namentlich Josef Ackermann, erläuterte Linken-Chef Oskar Lafontaine am Donnerstag der versammelten Hauptstadt-Presse. "Er ist gewissermaßen Kanzler der Bundesrepublik", legte Lafontaine dar, weshalb dessen Einladung zur Party ins Kanzleramt, die keine war, siehe oben, folgerichtig kein Zufall gewesen sei. Als "gewissermaßen Kanzler" habe er das Recht dazu. Grundsätzliche Kritik an der Feier als solcher, die keine war, siehe oben, wollte der Cheflinke nicht äußern, was Beobachter darauf zurückführen, dass Lafontaine in seiner Zeit als Ministerpräsident des Saarlandes Gästen selten Trockenbrot servieren ließ.

*

Breaking News aus dem Weißen Haus:

1. Es hat keinen Zweck, den US-Präsidenten auf die eigene Geburtstagsparty einzuladen, und darauf zu hoffen, dass man, wenn er nicht kommt, was ganz sicher der Fall sein wird, im Gegenzug im Weißen Haus standesgemäß nachfeiern darf.

2. Das klappt, siehe oben, nicht mal bei Merkel.

3. Bei Obamas gilt: "No free lunch!" Das Präsidialamt stellt den Verzehr in Rechnung, vor dem Essen sind Kreditkartennummern anzugeben - jedenfalls wenn Wirtschaftsbosse von Coca-Cola, Xerox oder AT&T geladen sind, wie im Juni geschehen.

*

Breaking News aus der Redaktion der FAZ:

FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher outet sich in einem Bekennerschreiben, selbst Gast des "Geburtstagsessen" für Deutsche Bank-Chef Ackermann gewesen zu sein und fordert Amnestie: "Niemand schien betrunken. Es wurde nicht getanzt. Petra Roth erwähnte Goethe."

*

Eilt! An alle Redaktionen, folgende Nachricht bitte nicht mehr verwenden: Breaking News aus dem Gesundheitsministerium:

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt freut sich in Ermangelung politischer Freunde über jegliche Einladungen zu Geburtstagsfeiern, Feten oder Abendessen - sofern der Veranstalter für sichere Parkmöglichkeiten sorgt.

Jan Rosenkranz ist Redakteur im Berliner stern-Büro. Die Kolumne "Der Abwasch der Woche", die verschiedene Autoren schreiben, kommt immer samstags.