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Neuer Hauptstadtflughafen BER-Airport hängt noch für fünf Jahre am finanziellen Tropf

 Ein Passagierflugzeug von Easyjet steht an einem Gate am Terminal 1 vom Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt
 Ein Passagierflugzeug von Easyjet steht an einem Gate am Terminal 1 vom Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt
© Patrick Pleul / DPA
Eine Kritik am BER hat sich lange gehalten: dass er zu klein geraten sei. Doch heute begegnet man im Terminal nur wenigen Passagieren. Die Betreiber fürchten: Schnell wird sich das nicht ändern.

Der neue Hauptstadtflughafen BER wird aus Sicht der Betreiber noch mehrere Jahre nicht ausgelastet sein. Ein Ende der Reisebeschränkungen sei erst zu erwarten, wenn ein Impfstoff gegen das Coronavirus global und flächendeckend zur Verfügung stehe, teilte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup mit.

"Die Flughafengesellschaft rechnet deshalb erst im Jahr 2025 mit einer Erholung des Flugverkehrs auf Vorkrisenniveau." Bis dahin werde der Staatsbetrieb weiter Geld von seinen Eigentümern benötigen, den Ländern Berlin und Brandenburg und dem Bund.

"Wir als Unternehmen werden alle Anstrengungen unternehmen, bis dahin so kostengünstig wie möglich zu arbeiten", sicherte Lütke Daldrup nach einer Aufsichtsratssitzung zu. Er hatte dem Kontrollgremium die Aussichten für die nächsten Jahre dargelegt. Demnach könnte das Vorkrisen-Niveau von knapp 36 Millionen Fluggästen pro Jahr im besten Fall 2023 erreicht werden, im schlechtesten Fall 2027.

Nur 7500 Passagiere pro Tag

Flughafen Tempelhof im Sommer

Knapp drei Monate nach der Eröffnung des BER nutzen täglich rund 7500 Passagiere den neuen Flughafen. Vor einem Jahr waren es an den alten Flughäfen Tegel und Schönefeld noch zehnmal so viele. Nach 9,1 Millionen Fluggästen 2020 rechnet das Unternehmen in diesem Jahr mit 10,7 Millionen. Die Planungsunsicherheit sei jedoch groß.

Für dieses Jahr hatte das Unternehmen schon im Herbst einen Bedarf von rund 660 Millionen Euro bei seinen Gesellschaftern angemeldet. Im Gegenzug spart die Flughafengesellschaft im Betrieb und beim Personal. Der Plan zum Bau eines weiteren Terminals liegt auf Eis.

Nach Informationen des "Tagesspiegels" könnten auch Bezüge der Geschäftsführung gekürzt werden. Beschlüsse wurden in der Strategiesitzung am Montag nicht getroffen. Konkreter dürfte es bei der nächsten regulären Sitzung des Kontrollgremiums Mitte März werden.

Schon vor der Corona-Krise gab es in der Finanzplanung des Unternehmens für 2021 eine Lücke von 375 Millionen Euro, vor allem weil noch Rechnungen für den neuen Flughafen zu bezahlen sind. Er war Ende Oktober nach jahrelangen Verzögerungen eröffnet worden. Der Einbruch der Passagierzahlen hat die Finanznot vergrößert. 

tib/DPA

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