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Flughafen Frankfurt: Goldfisch hebt ab

Auch Tiere reisen um die ganze Welt. In der Animal Lounge am Frankfurter Flughafen sind sie in exotischer Gesellschaft.

Von Birgit Knop

Eine bizarre Gruppe von Vielfliegern hat am Frankfurter Flughafen eine eigene Lounge bekommen. Die Räumlichkeiten sind gepflegt und ruhig. Es herrscht ein reges Kommen und Gehen - wie üblich an einem internationalen Airport. Dass es ein wenig muffelt, ist völlig normal in der Animal Lounge, die immerhin schon von Schneeleoparden und Humboldt-Pinguinen frequentiert wurde. Heute ist ein unspektakulärer Tag mit typischen Routings und Transporten.

230 Kilogramm Würmer in Erde sind auf dem Weg von Boston nach Bilbao, 150 Kilogramm von Shanghai nach Rom. Die Katze aus Manchester fliegt gleich weiter nach Philadelphia. Die Bruteier aus Atlanta gehen nach Dschidda.

Millionen von Tieren

180 Tiersendungen kommen täglich am Frankfurter Flughafen an. Kristine Jöst, Veterinärdirektorin der tierärztlichen Grenzkontrollstelle Hessen, spricht von 110 Millionen Tieren im Jahr. Davon sind Würmer und Fische die mit Abstand größte Reisegruppe. Im Vergleich: 2008 wurden rund 53,5 Millionen Menschen in Frankfurt abgefertigt.

Wenn Tiere reisen, ist Tempo angesagt. Stimmt die Logistik nicht, können Zierfische als Erste einpacken. Maximal 60 Stunden halten sie es in ihren Plastikbeuteln aus, danach ist das Wasser verdreckt, der Sauerstoff verbraucht, und die Tiere schwimmen verkehrt herum.

Turnierpferde sind Vielflieger

"Hunde und Katzen sind einfach im Umgang", sagt Axel Heitmann, Leiter der Animal Lounge. "Bruteier sind zwar temperatursensibel, im Prinzip aber auch unkompliziert." Für die meisten Pferde ist die Prozedur nichts Neues mehr. Spring-, Dressur-, Renn- und Polopferde werden weltweit zu wichtigen Turnieren transportiert. "So mancher Hengst hat mehr Kilometer auf dem Buckel als der Besitzer einer Senator Card", sagt Nils Haupt, Pressesprecher von Lufthansa Cargo. Auch Angelwürmer reisen um die ganze Welt. Der Versand und Handel mit Ködern ist ein lukratives Geschäft.

Zu den spektakulären Tiertransporten gehören immer wieder die von Zoo zu Zoo. So reisten zwei Pinselohrschweine von Los Angeles nach Duisburg, zwei Breitmaulnashörner von Johannesburg nach Augsburg, zwei Flusspferde von Tel Aviv nach Saigon, acht Alpakas von Argentinien nach Dubai, drei Warane aus Thailand nach Deutschland. Zwischenstopp in der Lounge machten auch zwölf Wölfe, die zu Dreharbeiten nach Sibirien und anschließend wieder zurück in ihre Heimat Kanada flogen. Gefangene wilde Tiere transportiert Lufthansa Cargo nicht. Ebenso wenig Wale, Delfine und Haie. Bei ihnen wäre die dazu notwendige Wassermenge schlicht zu groß.

Tierheim im Terminal

Die Hallen der Tier-Lounge sehen aus wie eine Mischung aus edlem Reitstall und riesigem Tierheim. Ein Dackel steht auf zittrigen Beinen in einer für ihn viel zu großen Box. Er kam mit einer Passagiermaschine aus Caracas und ist beim Zoll hängen geblieben. Heitmann vermutet, dass seine Papiere nicht in Ordnung sind. Nun hat man dem Hund Blut abgenommen und wartet auf die Ergebnisse der Untersuchung. Eigentlich sind heutzutage fast alle Haustiere gechippt und tragen ihre Daten unter der Haut.

Tiertransporte gibt es schon lange. Nur die Gesetze, die sie regeln, haben sich verschärft. "Hessen wurde durch die Neuerungen überrollt", sagt Veterinärin Jöst, in deren Abteilung inzwischen 32 Veterinäre arbeiten. Wesentliche Aufgabe der tierärztlichen Grenzkontrollstelle ist die Vermeidung der Einschleppung von Tierseuchen und der Schutz der Tiere im Flugtransport.

Wie groß der Stress eines Goldfisches beim Landeanflug ist, weiß Axel Heitmann nicht. Er warnt jedoch grundsätzlich vor dem Gebrauch von Beruhigungsmitteln. "Wer ein Pferd sediert, muss damit rechnen, dass es in der Box zusammensackt und sich verletzt." Haustiere seien den Strapazen einer langen Reise in der Regel nicht schlechter gewachsen als Menschen. Und außerdem wartet am Zielflughafen meist ein liebevoller Besitzer auf sein Kuscheltier. Nur die Würmer - mit ihrem One-Way-Ticket fliegen sie einem elenden Schicksal entgegen.

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