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Fluglinien in der Krise: Lufthansa versichert Sonnenschein

Die Krise lässt die Fluglinien nicht mehr los: Lufthansa und British Airways stehen tief in den roten Zahlen. Plötzlich werden die viel gescholtenen Billigflieger zu Vorbildern und Ideengebern. Die Lufthansa bietet jetzt sogar eine Schönwetter-Versicherung an.

Von Swantje Dake

Den etablierten europäischen Fluggesellschaften geht die Luft aus. Nach Jahren des Steilflugs, dicker Gewinne und satter Zuwächse in den Passagierzahlen sehen sich Lufthansa, British Airways und Air France-KLM in diesem Jahr mit herben Verlusten und Umsatzrückgängen konfrontiert. Der Grund liegt auf der Hand: Wirtschaftskrise. Geschäftsleute steigen von der Business Class in die Holzklasse um oder kommen mit einem Billigflieger zum Meeting. Urlauber wählen schon seit Jahren die günstigeren Varianten und nehmen seit Monaten lieber das Auto für die Ferienreise, wenn denn überhaupt noch verreist wird. Und: Eine Verbesserung des wirtschaftlichen Klimas ist nicht in Sicht.

British Airways geht konventionell und konservativ mit der Krise um: 3.700 der insgesamt 40.000 Stellen streichen, Löhne für mehrere Jahre einfrieren, Mitarbeiter verzichten auf Teile ihres Gehalts, 22 Maschinen werden im Winterflugplan aus dem Verkehr gezogen. Unternehmenschef Willie Walsh spricht von einem "Kampf ums Überleben".

Lufthansa macht Schönwetter

Und wenn es ums Überleben geht, wird man unkonventionell und greift zu Mitteln, die bislang verpönt waren. British Airways (BA) und Lufthansa überlegten bereits laut, dass man am Service sparen werde. Lufthansa will auf Kurzstrecken günstigere Tickets anbieten, bei denen der Fluggast auf das Brötchen und die 0,2 Liter Getränk verzichten muss, während der Sitznachbar genüsslich schlürft und krümelt. Noch vor wenigen Monaten betonte die Fluglinie, dass man sich auf First-Class-Kunden konzentriere, eröffnete eine pompöse Lounge in Frankfurt.

BA streicht bereits ab dieser Woche das Essen, spendiert nur noch Frühstück, Getränke und Snacks. Die Ticketpreise bleiben aber gleich, so dass BA 22 Millionen Pfund sparen kann.

Die Kreativität der größten deutschen Fluglinie hört beim Essen nicht auf. Jetzt soll es Garantien für einen schönen Zielanflug geben. Sollte es am Ferienort regnen, erhalten Käufer des "Sunshine-Tickets" pro Regentag 20 Euro Entschädigung, maximal aber 200 Euro. Die Flüge zu 36 ausgewählten Zielen sind ab 119 Euro zu buchen, normale Flüge innerhalb Europas werden teils ab 99 Euro angeboten. Die Reise muss spätestens am 8. November beendet sein. Bei der Buchung wird automatisch eine Versicherung beim Kooperationspartner WÜBA Versicherungs-AG abgeschlossen. Sollte es im Urlaub regnen, muss der Passagier Reisebeleg, Bordkarten und eine Auflistung der Regentage an die Versicherung schicken. Die überweist dann das Geld, wenn für die betroffenen Tage auf www.wetteronline.de mindestens fünf Millimeter pro Quadratmeter Regen dokumentiert wurde.

Lernen von O'Leary

Das klingt ein wenig nach Ryanair-Chef Michael O'Leary, der im Monatsrhythmus Ideen für Umsatzmaximierung herausposaunt. Mal ist es eine Dickensteuer, mal der Toilettengang, der extra gezahlt werden soll. Für Verpflegung und Gepäckstücke müssen Passagiere bei den meisten Billigfliegern ohnehin zahlen.

Mit der Lufthansa flogen im ersten Halbjahr 4,8 Prozent weniger Passagiere als im gleichen Zeitraum 2008. Die Sitzplätze sind nur noch zu 75,2 Prozent ausgelastet. Die Lufthansa verzeichnet im ersten Halbjahr ein Minus von 216 Millionen Euro. Und eigentlich ist zumindest das zweite Quartal ein Garant für gute Zahlen: Nach den Osterferien kommen durch Feiertage verlängerte Wochenende und der Beginn der Sommerferien, in denen tendenziell mehr Menschen fliegen.

Die Fluggesellschaft British Airways (BA) muss im zweiten Quartal des Jahres einen Verlust von 94 Millionen Pfund verkraften. Vor einem Jahr war es im selben Zeitraum noch ein Gewinn von 35 Millionen. Der Umsatz ging um 12,2 Prozent zurück. Es ist das erste Mal seit der Privatisierung 1987, dass die Airline in diesem Geschäftsquartal operativ rote Zahlen schreibt.

Mit AP/Reuters/DPA / DPA / Reuters

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