Hindufest im Gewerbepark Wallfahrt nach Westfalen


Mitten im Industriepark verkünden Trommelschläger und Tempelbläser die Ankunft der Heiligen. 20.000 Tamilen und Touristen erlebten, wie "die Göttin mit den liebevollen Augen" die Stadt Hamm und ihre Bewohner segnete.

Mitten im Industriepark von Hamm-Uentrop verkünden Trommelschläger und Tempelbläser die Ankunft der Heiligen. Feierlich schreitet der Hindu-Priester vor dem Prozessionswagen her, alle Augen sind auf Kamadchi Ampal gerichtet: Im schillernden Gewand thront die "Göttin mit den liebevollen Augen" auf ihrem mobilen Podest, die Statue ist von hölzernen Löwen, Schlangen und Kühen umringt. Ein halb nackter Hindu rollt sich über den Asphalt, am Schlachthof vorbei, immer hinter dem heiligen Karren her. Andere Gläubige haben ihr Gesicht mit Spießen durchbohrt. Am Straßenrand drängeln sich Pilger und neugierige Anwohner, um einen Blick auf die Heilige zu erhaschen.

Alle Straßen im Gewerbepark sind zugeparkt, die Autokennzeichen deuten auf Besucher aus Dänemark, Frankreich und den Niederlanden hin. Männer tragen Sarongs, Frauen sind in Saris gehüllt - die Wallfahrer haben sich herausgeputzt, denn neben Kohlekraftwerk und Westfleisch-Fabrik steht Europas größter tamilischer Hindutempel. Jedes Jahr im Juni versammeln sich Pilger aus ganz Europa neben dem stillgelegten Atommeiler, um inbrünstig Kokosnüsse zu zerschmettern und in Trance den Tempel zu umrunden. 20.000 Tamilen und Touristen erlebten, wie "die Göttin mit den liebevollen Augen" die Stadt Hamm und ihre Bewohner segnete.

Rainer Mersmann

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