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Kurioses Online-Fundbüro: Koffer zum Anklicken

Falls Sie mal Ihren Koffer verlieren, schauen Sie auf die Website von Luna Laboo. Die Designerin sammelt verlorene Gepäckstücke und zeigt den Inhalt im Internet.

Sie will mit ihrem neuen Projekt beim Wiederfinden helfen.

Wieso um alles in der Welt sammeln Sie Koffer fremder Leute?

Luna Laboo: Eines Abends sah ich in den Nachrichten eine Sendung über den neuen Terminal 5 am Londoner Flughafen Heathrow; dort waren zum Start unzählige Koffer verloren gegangen. Ich fragte mich, was mit ihnen passiert. Als ich von jenen Auktionen hörte, auf denen man verloren gegangene Reisekoffer ersteigern kann, bin ich aus reiner Neugierde hin. Eigentlich wollte ich nur zuschauen - aber dann bin ich doch mit einem Koffer nach Hause.

Was war es für ein Koffer?

Ein blauer Ziehkoffer. Alles, was ich wusste, war, dass er einst einer Frau gehörte. Mehr als 30 Pfund wollte ich bei der Auktion nicht ausgeben und bekam eben ihn. Andere bieten viel mehr, etwa, wenn sie einen teuren Samsonite-Koffer sehen, weil sie darin wertvolle Dinge wie Schmuck oder Designerklamotten vermuten.

Was war es für ein Gefühl, als Sie den Koffer aufmachten?

Zuerst wollte ich mir Gummihandschuhe anziehen..., man weiß ja nie, was drinnen ist. Aber dann war ich doch zu ungeduldig. Und ich war vorgewarnt: Auf der Auktion sagte jemand, ich sollte mich darauf vorbereiten, dass es unangenehm riechen könnte.

Erzählen Sie doch mal von den Koffern, die Sie bisher gekauft haben. Was war drin?

In einem Koffer habe ich eine Krankenschwesteruniform gefunden - nicht eine, die im Krankenhaus eingesetzt wird. Die Besitzerin musste auf dem Weg in einen romantischen Urlaub gewesen sein. In einem anderen lagen viele Souvenirs, der Besitzer muss den Tüchern und Teppichen nach in einem afrikanischen Land gewesen sein.

Ein Koffer verrät sehr viel?

Ja, denn wenn man in Urlaub fährt, nimmt man oft seine Lieblingssachen mit. Insofern ist der Inhalt eines Koffers wie der Mikrokosmos eines Kleiderschranks; er sagt viel über den Besitzer aus.

Und?

Es hat gerochen, aber es war eher so ein staubiger, trockener Geruch. Ich habe aber auch von Leuten gehört, die einen Koffer ersteigert haben, in den sich der Besitzer offenbar übergeben hatte. Bisher hatte ich in der Hinsicht Glück: Das Schlimmste, was ich bisher erlebt habe, waren einige Unterhosen, die am Schritt etwas verschmutzt waren. Und natürlich auch eine Menge getragener Socken.

Ich vermute, dass Sie alles als Erstes in die Waschmaschine stecken.

Wenn ich die Sachen in den Koffern fotografiert habe, packe ich sie genau so wieder ein, wie ich sie gefunden habe. Es ist merkwürdig: Mit der Versteigerung gehören die Koffer legal eigentlich mir. Für mich gehören sie aber immer noch den Menschen, die sie gepackt haben. Mein Ziel ist es ja, die Besitzer von diesen Koffern zu finden.

Ist Ihnen das bereits geglückt?

Leider nicht. Ich schaue schon immer genau in die Hosen- und Jackentaschen, in der Hoffnung, dort vielleicht eine Hotelrechnung oder eine Postkarte zu finden, aber hatte noch kein Glück.

Bekommen Sie denn viele Anfragen?

In den wenigen Wochen, in denen die Website online ist, habe ich schon eine Menge E-Mails bekommen. Derzeit sind es täglich um die 20. Interessanterweise kommen die meisten aus den USA, Kanada, Australien und Spanien. Sie fragen mich, ob ich noch mehr Koffer hätte und wann ich sie ausstellen würde; einige beschreiben mir akribisch die Koffer, die sie verloren haben. Andere wiederum berichten einfach von ihren jeweiligen Koffergeschichten. Eine Frau erzählte mir von einer wertvollen Brosche, die einst ihrer Großmutter gehörte und mit ihrem Koffer nach einem Flug verschwand.

Ihr Tipp, was man tun soll, damit ein Koffer nicht verloren geht?

ch lege inzwischen immer einen Zettel mit meinem Namen und meiner Anschrift in meine Koffer, damit man mich notfalls kontaktieren kann. So ein Zettel geht nicht so schnell verloren wie die Anhänger außen.

Interview: Louise Brown

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