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Bahnhof in Oslo: Polizei gibt Entwarnung

Schreck in der Morgenstunde: Wegen eines herrenlosen Koffers hatte die norwegische Polizei den Osloer Hauptbahnhof evakuiert. Doch das Gepäckstück erwies sich als harmlos.

Der teilweise geräumte Bahnhof der norwegischen Hauptstadt Oslo ist nach der Durchsuchung eines verdächtigen Koffers wieder freigegeben. Das berichtete die Nachrichtenagentur NTB am Mittwoch unter Berufung auf Polizeiangaben. Im Berufsverkehr am Bahnhof hatte ein Buspassagier einen herrenlosen Koffer entdeckt, worauf der Fahrer die Polizei alarmierte. Der Inhalt erwies sich als harmlos.

Unterdessen soll die Polizei nach einen möglicherweise gewaltbereiten Verehrer des mutmaßlichen Attentäters Anders Behring Breivik fahnden. Der Mann identifiziere sich mit Behring Breivik und gelte als psychisch instabil und gefährlich, berichtete der Fernsehsender NRK am Mittwoch. Die Polizei veröffentlichte ein Foto des 42-Jährigen, der nach einem Angriff auf eine Polizeistation erst am Montag aus dem Gefängnis freigelassen worden war.

Behring Breiviks Sprengstofflager gefunden

In der Nacht zu Mittwoch hatte die Polizei auf einem von dem mutmaßlichen Attentäter Anders Behring Breivik angemieteten Bauernhof rund 160 Kilometer nördlich von Oslo ein Lager mit Sprengstoff gefunden. Wie eine Sprecherin sagte, wurde das Material vor Ort "in einer kontrollierten Explosion" entschärft. Über den Umfang und die Art des Funds machte sie keine Angaben.

Der 32-jährige Behring Breivik, der am Freitag bei zwei Attentaten in der norwegischen Hauptstadt und auf der Insel Utøya mindestens 76 Menschen tötete, hatte den Hof offenbar unter dem Vorwand angemietet, dort Gemüse anbauen zu wollen. Wie norwegische Medien weiter berichteten, nutzte er ihn jedoch als Versteck zum Bau von Bomben. Nach Angaben von Düngemittelvertreibern kaufte der Norweger seit Anfang Mai rund sechs Tonnen Dünger ein.

Kontakt zu "Zellen" mit Gleichgesinnten?

Für die Ermittler in Oslo gehen die Ermittlungen mit Hochdruck weiter. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der Attentäter nicht doch Helfer hatte. Offen ist auch, ob der 32-Jährige zu rechtsextremistischen Gruppen im Ausland welche Verbindungen unterhielt. Polizeiverhören und vor dem Haftrichter behauptete er, dass es zwei weitere "Zellen" mit Gleichgesinnten gebe, mit denen er zusammengewirkt habe.

Für Aussagen über angebliche Mittäter stellt der inhaftierte Massenmörder offenbar Forderungen an die Polizei. "Es waren verschiedene Forderungen. Einige dieser Forderungen konnten wir ganz unmöglich erfüllen", sagte der Sprecher der Osloer Kriminalpolizei, in der Online-Ausgabe der Zeitung "Verdens Gang". Nach unbestätigten Medienangaben soll er etwa Zugang zu einem eigenen Computer mit dem von ihm verfassten, 1500 Seiten umfassenden "Manifest" sowie dem Online-Lexikon Wikipedia verlangt haben.

Weil die Polizei einen Selbstmordversuch befürchtet, steht Breivik im Gefängnis unter permanenter Beobachtung. "Der Inhaftierte wird mit Blick auf einen möglichen Selbstmord kontinuierlich überwacht", sagte der Sprecher im Fernsehsender TV2.

Mitglied im Pistolenclub

Der Osloer Pistolenclub teilte am Mittwochmorgen auf seiner Internetseite mit, dass Behring Breivik von 2005 bis 2007 und erneut ab Juni 2010 Mitglied gewesen sein. Weiter hieß es in der Mitteilung: "Breivik hat als Mitglied an 13 organisierten Trainingseinheiten mit anderen sowie einem Wettbewerb teilgenommen."

Das Massaker auf Utøya hatte Behring Breivik mit zwei legal erworbenen Waffen, einer Pistole und einem Schnellfeuergewehr, angerichtet. Dabei erschoss er die meisten seiner Opfer, ehe die Polizei ihn festnahm.

In der Erklärung des Schützenclubs heißt es, Breivik habe sich "weder politisch bemerkbar gemacht noch in anderer Weise irgendwelche Verhaltensweisen als Vorwarnung für die zutiefst tragischen Ereignisse an den Tag gelegt." Man habe ihn "mit sofortiger Wirkung" ausgeschlossen.

Namen einiger Opfer veröffentlicht

Die norwegische Polizei hatte am Dienstag damit begonnen, die Namen von Opfern der Terroranschläge zu veröffentlichen. Sie will Namen der mindestens 76 Toten nach und nach bekanntgeben, sobald sie identifiziert und die Angehörigen unterrichtet sind.

Breiviks Verteidiger will auf fehlende Zurechnungsfähigkeit seines Mandanten plädieren. "Die ganze Sache deutet darauf hin, dass er geisteskrank ist." Der 32-Jährige glaube, er befinde sich in einem Krieg, schilderte sein Anwalt Geir Lippestad. "Und wenn du in einem Krieg bist, kannst du Dinge wie diese machen", erläuterte er die Sicht seines Mandanten. Der Attentäter habe kein Mitgefühl mit den Opfern.

Breivik hatte die Anschläge gestanden, aber auf nicht schuldig plädiert. Noch in dieser Woche sollen zwei Rechtspsychiater benannt werden, um seine Zurechnungsfähigkeit zu untersuchen.

swd/be/DPA/AFP / DPA