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Gratiseintritt für Bedürftige Herzlose Flüchtlingsgegner boykottieren Miniatur-Wunderland

Miniatur-Wunderland-Macher Frederik und Gerrit Braun
Frederik und Gerrit Braun, Gründer des Miniaturwunderlandes, müssen sich dafür beschimpfen lassen, dass sie Flüchtlinge gratis in die Eisenbahnausstellung gelassen haben.
© Daniel Reinhardt/DPA
Im Januar durften Bedürftige das Hamburger Miniatur-Wunderland gratis besuchen. Auch Flüchtlinge nahmen das Angebot an - worüber sich Besucher empörten. In einem Brief wünschten sie den Machern eine "bombenlose" Zeit. Die reagierten jetzt auf Facebook.

Mit fast 16 Millionen Besuchern ist das Miniatur-Wunderland in Hamburg mittlerweile die beliebteste Touristenattraktion in Deutschland - noch vor Schloss Neuschwanstein. Aus Imagegründen hätten die Macher es also nicht nötig, kostenlose Tickets zu verteilen. Im Januar aber taten sie aber dennoch. Jeder, der sich den Eintritt nicht leisten konnte, durfte die größte Modelleisenbahnanlage der Welt gratis besuchen. 18.000 Menschen machten von dem Angebot Gebrauch, darunter auch viele Flüchtlinge - und darüber empörte sich nun Besucher Heinz-Günter.

Facebook Miniatur-Wunderland
Auf ihrer Facebookseite habe die Macher des Miniatur-Wunderlands den Brief von Besucher Heinz-Günter veröffentlicht
© facebook/miniaturwunderlandhamburg

"Wir waren in der Vergangenheit regelmäßig im Wunderland. Dieses werden wir nicht mehr tun und alle Freunde der Eisenbahn auch nicht." Mit diesem Satz eröffnet er einen Brief an die Betreiber der Ausstellung, die das Schreiben auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht haben. Als Grund nennt er den Umgang der Bundesregierung mit Flüchtlingen: "Wir tragen auf keinen Fall die Politik von Merkel, diese Wirtschaftsflüchtlinge in unser Land zu lassen. Auch müssen wir den Eintritt für diese Wirtschaftsflüchtlinge durch unserer (sic) Arbeit bezahlen. Die Wirtschaftsflüchtlinge werden kostenlos oder mit unseren (sic) Geld eingelassen." Mit einem besonders geschmacklosen Gruß verabschiedet sich der aufgebrachte Gast: "Wir wünschen Ihnen eine Bombenlose (sic) Zeit.

Miniatur-Wunderland-Macher reagieren entsetzt

Die Miniatur-Wunderland-Betreiber wollten diese Botschaft nicht einfach so schlucken. Auf ihrer Facebook-Seite antworteten sie dem Besucher mit den Worten: "Leider bekamen wir neben massenhaft Danksagungen auch einige solcher Schreiben und Mails. Wo steuern wir hin, wenn eine Aktion wie unsere, bei einigen von Angst gesteuerten Menschen dazu führt, virtuell und per Post solche Hassbotschaften zu verbreiten? Es reicht! Bitte mit der Bitte teilen, dass die vielen liebevollen und wunderbaren Menschen in Deutschland, die bisher nur zuschauen, uns helfen nun endlich lauter zu werden." Als Nachtrag weisen die drei Verfasser der Antwort noch daraufhin, dass sie zunächst an einen "Fake" dachten. Doch offenbar haben sie mit Heinz-Günter persönlich gesprochen. In dem "unangenehmen Telefonat habe er sich auf seinen ganzen Modellbahnclub berufen, schreiben sie. 

nik

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