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Rastlos - 25-Jähriger lebt in Zügen, weil er keine Wohnung findet

Er träumte von Abwechselung von seinem eintönigen Leben, gab seine Wohnung auf und lebt dank Bahncard 100 in Zügen. Doch ein Jobwechsel machte den Traum von Eric Hoffmann zum Albtraum. 

Für Eric Hoffmann sind Züge wie dieser ICE am Hauptbahnhof München momentan sein Wohnzimmer

Für Eric Hoffmann sind Züge wie dieser ICE am Hauptbahnhof München momentan sein Wohnzimmer

Jede Nacht ist Eric Hoffmann unterwegs. Von München aus geht es über Frankfurt nach Hamburg. An den Wochenenden geht es ans Meer: Sylt, St. Peter-Ording oder Rügen. Was nach Abenteuer und schönem Leben klingt, ist allerdings eine Notlösung. Denn der 25-Jährige findet seit Monaten keine bezahlbare Wohnung oder ein WG-Zimmer in München. Deswegen verbringt er seine Nächte in Zügen, wie er der "Huffington Post" und der Münchener "TZ" erzählt. Am nächsten Morgen muss er allerdings wieder bei seinem Job sein.

"All das war zunächst ein Experiment. Als ich mich dazu entschied, meine Wohnung aufzugeben und mir eine BahnCard 100 zu kaufen, wollte ich nur meinem tristen Alltag entfliehen", sagte Hoffmann der "Huffington Post". Sein Alltag, das bedeutete: Führungskraft in einem Callcenter zu sein mit viel Geld und viel Druck. Im Januar holte er sich eine Bahncard 100, 1. Klasse, für 658 Euro monatlich.

Er duscht in WC-Centern

Nun ist er ständig unterwegs. Er schläft in den Zügen. Er lernt, seine Fahrten so zu planen, dass er nie mehr als 30 Minuten Aufenhalt hat. In größeren Bahnhöfen gibt es DB Lounges, in denen Bahncard100-Kunden wie Hoffmann kostenlos Getränke und Snacks bekommen. Duschen in einem WC-Center an einem großen Bahnhof kostet laut Hoffmann sieben Euro. Alle zwei Wochen fährt er zu seinem Vater nach Saarbrücken und wäscht dort seine Wäsche.

Im Februar habe er einen Job in seinem Traumberuf angeboten bekommen: Redakteur für Computerspiele, wie Hoffmann der "Huffington Post" sagte. Sein Gehalt war allerdings deutlich schlechter als bislang. 1200 Euro netto verdient er nun - und das auch noch in München, einer Stadt mit besonders hohen Lebenshaltungskosten. Mehr als die Hälfte seines Gehaltes geht nun für die Bahncard drauf. Erst nach einer Diskussion, so schildert es Hoffmann der "Huffington Post", akzeptiert die Bahn eine Sonderkündigung.

Zug statt Wohnung

Doch eine Wohnung hat er deswegen noch nicht. Laut "TZ" ist er noch immer auf Wohnungssuche in München, kommt aber oft nicht einmal in die engere Auswahl. Für Hoffmann hat sich der Traum von Reise und Abenteuer zu einem Albtraum entwickelt. Noch ist er nicht daraus erwacht.


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