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Airbus A320 in Keflavík: Island beschlagnahmt Air-Berlin-Flugzeug - Fluglinie kritisiert "rechtswidriges Verhalten"

Neue Entwicklungen im Fall des auf Island konfiszierten Flugzeuges von Air Berlin: Die insolvente Airline wehrt sich gegen das Verhalten des Flughafens Keflavík. Sie sagt, die Rechnungen seien bezahlt. Doch es gibt weiterhin Außenstände.

Es mutet wie ein absurdes Theaterstück an: Ein kleines Land, das vor neun Jahren de facto pleite war, kämpft gegen eine fast am Boden liegende Fluggesellschaft. Leidtragende sind nicht nur die Airline, die in genau einer Woche ihren Flugbetrieb einstellen wird, sondern auch die Flugpassagiere, die Umwege in Kauf nehmen müssen. Was war geschehen?

Zwei Jets der landeten wie geplant am Abend des 19. Oktober auf dem internationalen Flughafen der isländischen Hauptstadt Reykjavík. Der Airbus A320 mit der Flugnummer AB3928 kam um 22.45 Uhr aus Düsseldorf, ein anderer mit dem Kürzel AB3546 landete mit leichter Verspätung kurz nach Mitternacht. Beide Maschinen sollten nach kurzem Aufenthalt mit Island-Urlaubern zurück nach Deutschland fliegen. Laut Flugplan waren die Abflüge für 0.40 Uhr nach Berlin und für 0.45 Uhr nach Düsseldorf vorgesehen.

Isavia fertigt einen Air-Berlin-Jet nicht ab

Doch es kam anders: Wie Isavia, die für die Bodendienste am Flughafen verantwortliche Firma, auf ihrer Website noch am späten Donnerstagabend vermeldete, wurde der zuerst eintreffende Jet aus Düsseldorf nach der Landung "gegrounded" - mit anderen Worten: beschlagnahmt.

Auf Isländisch liest sich die radikale Maßnahme wie folgt: "Isavia kyrrsetti í kvöld flugvél Air Berlin á Keflavíkurflugvelli vegna notendagjalda sem eru í vanskilum sem eru tilkomin vegna greiðslustöðvunar Air Berlin." Auf Deutsch lautet der Inhalt der bitteren Nachricht für die abfliegenden Gäste: "Der Flughafenbetreiber Isavia hat heute am Flughafen Reykjavík ein Air-Berlin-Flugzeug aufgrund unbezahlter Flughafengebühren festgehalten."

"Rechnungen wurden pünktlich bezahlt"

Ralf Kunkel, Vice President Communications and Marketing von Air Berlin, bezeichnet die Vorgehensweise des Flughafens Keflavík als "rechtswidriges Handeln". Air Berlin habe "sämtliche seit der Insolvenzanmeldung am 15. August 2017 anfallenden Rechnungen pünktlich bezahlt", schreibt er in einer Stellungnahme dem stern.

Er bestätigt jedoch, dass es für den Zeitraum davor unbeglichene Außenstände gibt. "Wir haben dem Flughafen Keflavík mehrfach mitgeteilt, dass er eventuell bestehende Forderungen von vor dem 15. August 2017 aufgrund des geltenden Insolvenzrechts zur Insolvenztabelle anmelden muss." Für Air Berlin sei das Verhalten "nicht akzeptabel und geht zu Lasten der Passagiere."

Keine gestrandeten Passagiere

Damit verhält es sich für den Flughafen ähnlich wie für die Air-Berlin-Kunden, die ein Ticket vor dem 15. August für einen nach dem 27. Oktober erworben haben. "Betroffene Passagiere können Ihre Forderung nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens zur Insolvenztabelle anmelden", heißt es dazu auf der Homepage von Air Berlin. "Wenn die Buchung vor 15. August 2017 getätigt wurde, ist keine Erstattung möglich."

Da beide Flugzeuge, die über jeweils 180 Sitzplätze verfügen, in der Nacht zu Freitag nicht ausgelastet waren, konnten die Düsseldorf-Passagiere des gestrichenen Fluges auf die Maschine nach -Tegel umgebucht werden. Dieser Flug mit der Bezeichnung AB3547 startete nicht wie geplant um 0.40 Uhr, sondern erst um 1:31 Uhr in der Nacht und landete am frühen Morgen in der deutschen Hauptstadt.

Noch steht der weiß lackierte Airbus, der zurück nach fliegen sollte, in Keflavík. Zum Glück entwickelte sich die Episode für die Fluggäste nicht zu einem Drama. Dennoch bleibt die Episode auf Island mit ihrem noch offenen Ausgang ein kurioser Akt in dem seit Monaten stattfindenden Trauerspiel: Der Niedergang Deutschlands zweitgrößter Airline.

Am 27. Oktober fällt der letzte Vorhang. Dann soll gegen 22.45 Uhr der letzte Jet aus München kommend in Tegel landen. Air Berlin stellt an jenem Tag den Flugbetrieb endgültig ein.

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