VG-Wort Pixel

Kurioser Zwischenfall Air-Berlin-Jet fliegt nach Island - und wird dort sofort beschlagnahmt

Neuer Ärger für Air Berlin:
Auf dem internationalen Flughafen von Reykjavik wird ein Airbus der Fluggesellschaft festgehalten.
Der örtliche Abfertiger Isavia wirft Air Berlin vor, offene Rechnungen nicht bezahlt zu haben.
Als Druckmittel hat er den Airbus mit der Kennung D-ABDX als Pfand einbehalten.
Die Airline bestreitet dies und wirft dem Flughafen „rechtswidriges Handeln“ vor.
Die Maschine landete am späten Abend aus Düsseldorf kommend auf Island.
Der Rückflug wurde gestrichen.
Die Passagiere konnten laut Air Berlin auf einen anderen Flug umgebucht werden.
Mehr
In der Nacht zu Freitag wollten 70 Island-Urlauber mit Air Berlin zurück nach Düsseldorf fliegen. Doch gleich nach der Landung der aus Deutschland eintreffenden Maschine in Reykjavík griffen die isländischen Behörden zu einer ungewöhnlichen Maßnahme.

Es ist ein Alptraum für Passagiere: Sie haben eingecheckt und warten im Terminal auf ihren Flug. Sie können zusehen, wie ihre Maschine landet und zum Gate rollt. Doch nach dem Aussteigen der ankommenden Reisenden und der Reinigung des Flugzeuges dürfen sie nicht an Bord. Ihr Flug wird gestrichen.

So geschehen in der Nacht zu Freitag am Flughafen Keflavík, dem internationalen Airport von Island. Die Ursache für den abgesagten Rückflug ist nicht etwa ein technischer Defekt oder ein fehlendes Crew-Mitglied, sondern ein juristischer Akt: Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin hat ausstehende Flughafengebühren in Island nicht bezahlt. Deshalb griffen die Isländer zu der höchst ungewöhnlichen Maßnahme und setzten die Maschine fest.

Der Airbus A320-200 von Air Berlin, der unter der Flugnummer AB3828 am 19. Oktober um 22.35 Uhr gelandet war, sollte die Island-Urlauber kurz nach Mitternacht zurück in ihre Heimat nach Düsseldorf fliegen. Doch statt die Passagiere an Bord zu lassen, kam praktisch der Gerichtsvollzieher und legte das Flugzeug im übertragenen Sinn an die Kette.

Zwangsmaßnahme von Isavia

Die Website "Airlive.net" meldete zuerst, dass der Rückflug nach Düsseldorf aus diesen ungewöhnlichen Gründen abgesagt wurde. Ein Mitarbeiter des Flughafens in Island bestätigte auf Anfrage des stern den Vorfall am Telefon und sagte, dass eine solche Zwangsmaßnahme erst einmal in der Geschichte des Landes ergriffen wurde.

Die Firma Isavia, die am Flughafen von Reykjavík die Air-Berlin-Maschine abfertigt, ist aufgrund des isländischen Luftfahrtgesetzt zu einer solchen Maßnahme berechtigt. "Der Flughafenbetreiber Isavia hat heute am Flughafen Reykjavík ein Air Berlin-Flugzeug aufgrund unbezahlter Flughafengebühren festgehalten", heißt es auch auf deren Website. "Dieser Schritt gilt jedoch als letzte Möglichkeit, um die Bezahlung bereits erbrachter Dienstleistungen sicherzustellen."

Isvia bezieht sich auf nicht bezahlte Rechnungen, die noch aus der Zeit vor der am 15. August stammen. An jenem Tag hatte Air Berlin die Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht in Berlin Charlottenburg beantragt.

Was passiert mit den Passagieren von Air Berlin?

Das kleine Land Island, das in den Jahren 2008 bis 2011 selbst unter massiven Finanz- und Wirtschaftsproblemen unter anderem durch den Zusammenbruch aller drei Großbanken litt, bedauert den Schritt gegenüber den Passagieren der insolventen Airline, die am 27. Oktober ihren Flugbetrieb komplett einstellen wird. "Diese Aktion führt unweigerlich zu Beeinträchtigungen für Fluggäste, die einen Flug mit Air Berlin gebucht haben", entschuldigt sich Isavia in einer Stellungnahme.

Glück im Unglück hatten die Passagiere. "Alle 70 Passagiere sind auf einen anderen Air-Berlin-Flug nach Tegel umgebucht worden", sagte ein Pressesprecher der Fluggesellschaft dem stern. Sie trafen inzwischen mit dem Flug AB3547 und knapp 50 Minuten Verspätung am frühen Freitagmorgen in Berlin ein. Von dort setzen sie ihre Weiterreise nach Düsseldorf und zu ihren endgültigen Bestimmungsorten fort.

Der ursprüngliche Airbus für den Düsseldorf-Flug steht noch immer in Island. "Wir sind mit dem Flughafen Keflavík in Kontakt, doch kommentieren inhaltlich nicht die Gespräche", so der Pressesprecher.

Ob die offenen Rechnungen für die Isländer jemals beglichen werden, bleibt offen. Denn der 18 Jahre alte Airbus A320-200 mit der Kennung D-ABDX nützt als Faustfand wenig. Er gehört schon längst nicht mehr Air Berlin, sondern ist Eigentum der Leasinggesellschaft Boc Aviation in Singapur.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker