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Follow Me: Letzter Aufruf Air Berlin: Kam der Todesstoß aus Abu Dhabi?

Ein Kapitel deutscher Luftfahrt geht zu Ende: Am Freitagabend landet der letzte Flieger von Air Berlin. Doch der Tod kam nicht plötzlich und erwartet. Es gab auch einen politischen Grund, warum im August der Stecker gezogen wurde.

Verkauf an Lufthansa: Von Mallorca bis Abu Dhabi: Aufstieg und Niedergang der Air Berlin

Air Berlin ist das Phänomen gelungen, ein Schrecken ohne Ende und ein Ende mit Schrecken zu veranstalten. Am 27. Oktober ist endgültig Schluss, wenn der Flug mit dem Kürzel AB 6210 von München nach Berlin gegen 22.45 Uhr in Tegel landen wird.

Ein Schrecken ohne Ende, weil sich das Sterben der einst zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft über Jahre hingezogen hat und die Verluste immer größer wurden. Allein im Jahr 2016 betrug das Defizit 782 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2017 hat Air Berlin sogar einen Verlust von drei Millionen Euro eingeflogen - pro Tag.

Gleichzeitig erwies sich der Flugbetrieb als immer unzuverlässiger. Fliegen mit Air Berlin wurde zum Roulettespiel: Wird mein Flug stattfinden oder kurzfristig gestrichen, lautete die Gretchenfrage in den vergangenen Monaten für die Passagiere.

Gleichzeitig ein Schrecken mit Ende: Denn für viele Kunden kam die Mitte August verkündete "Insolvenz in Eigenverantwortung" wie aus heiterem Himmel. Mit einem Schlag wurden geschätzt 200.000 Tickets wertlos. Dabei hatte doch Etihad Airways versprochen, der Hauptaktionär und Geldgeber aus Abu Dhabi, die deutsche Fluglinie bis zum Ende 2018 finanziell zu unterstützen. Wieso wurde plötzlich die Reißleine gezogen und am 11. August der Geldhahn abgedreht?

Kein Geld mehr aus Abu Dhabi für Air Berlin

Der abrupte Rückzug der Araber lässt sich nicht nur mit den katastrophalen Bilanzen beider Fluglinien erklären, denn auch Etihad befindet sich in einer Krise. Ein bisher nicht in den Medien genannter Grund für die entzogene Unterstützung könnte ein politischer sein. Es handelt sich um die Auswirkungen eines innerarabischen Konflikts: um die neue Allianz der Golf-Staaten gegen Katar.

Anfang Juni hatten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAR) und weitere arabische Staaten die diplomatischen Beziehungen zu dem erdgasreichen Emirat abgebrochen und die Verbindungen auf den Luft-, Land- und Seewegen eingestellt, um das Land zu isolieren. Teil des Kartells gegen Katar: Die VAE mit Abu Dhabi als größtem und reichsten Emirat.

Nach Informationen eines hochrangigen Airline-Managers, der in der arabischen Luftfahrt- und Finanzwelt bestens vernetzt ist, sei es am Golf ein offenes Geheimnis, dass nicht nur wirtschaftliche Argumente eine Rolle gespielt haben, Air Berlin fallen zu lassen. "Merkel als Unterstützer von Katar wollte man wenige Wochen vor der Wahl Probleme bereiten", so der Insider zum stern.

Das wäre auch ein Indiz, warum die Causa Air Berlin in der Bundeshauptstadt gleich auf hoher politischer Ebene verhandelt wurde. Zügig stellte die Regierung einen mit Bundesbürgschaft abgesicherten Übergangskredit in Höhe von 150 Millionen Euro zur Verfügung. Dadurch wurde der Weiterbetrieb von Air Berlin ermöglicht und das sofortige Grounding der gesamten Flotte abgewendet.

Das alptraumartige Szenario für Reisende und die Politik in Berlin wäre gewesen: Mitten in der Hochsaison und vor der Bundestagswahl hätte eine Rückholaktion gestrandeter deutscher Urlauber organisiert werden müssen - übrigens auf Kosten der Steuerzahler, wie die Pleite der britischen Monarch am 2. Oktober zeigte.

Dazu kam es nicht, der Super-Gau wurde verhindert. Trotzdem ist die Einstellung des Flugbetriebs ein bitteres Ende für alle Beteiligten - für Passagiere mit wertlosen Tickets und für all jene Mitarbeiter, die nun auf der Straße stehen werden.

Wer füllt die Lücke?

Es bleibt die Erkenntnis, dass im Himmel über Deutschland nicht Platz genug ist für zwei traditionelle Airlines, die gegeneinander fliegen, innerdeutsch wie interkontinental. Schon bei dem zehnjährige Versuch von British Airways, Anfang der 90er Jahre mit der Deutschen BA eine Konkurrenz zur Lufthansa zu etablieren, verloren die Briten zur Freude der Lufthanseaten viel Geld. Die später in DBA umbenannte Airline ging 2003 für einen symbolischen Euro an den Unternehmer Rudolf Wöhrl, der die Fluglinie wiederum an Air Berlin verschacherte.

Selbst Ryanair-Chef Michael O'Leary, der in Interviews die Pleite von Air Berlin regelmäßig vorhergesagt hat, springt nicht in die Lücke, die Air Berlin ab November im deutschen Himmel hinterlässt. Beim irischen Billigflieger läuft der Flugbetrieb durch falsche Urlaubsplanung von Crews und durch die zu anderen Airlines abwandernden Piloten alles andere als reibungslos. Die einzige innerdeutsche Flugstrecke zwischen Köln und Berlin stellt Ryanair am Samstag ein - nur einen Tag nach Air Berlin.

Die letzte Air-Berlin-Maschine aus Miami bei ihrem Flugmanöver über dem Flughafen von Düsseldorf


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