HOME

Post vom Insolvenzverwalter: Air-Berlin-Pleite: Womit Geschädigte jetzt rechnen können

Vor zehn Wochen landete die letzte Maschine von Air Berlin. Jetzt werden in einer Auktion Flugzeugsitze und Schokoherzen versteigert. Gleichzeitig haben die ersten Gläubiger Post vom Insolvenzverwalter erhalten. Für Hunderttausende ist das Kapitel Air Berlin noch lange nicht beendet.

Die Luft ist raus: Flugzeuge zum Aufblasen in einer Verkaufsvitrine am Hamburger Flughafen. Jetzt werden online vom Hamburger Auktionshaus Dechow die Air-Berlin-Reste versteigert.

Die Luft ist raus: Flugzeuge zum Aufblasen in einer Verkaufsvitrine am Hamburger Flughafen. Jetzt werden online vom Hamburger Auktionshaus Dechow die Air-Berlin-Reste versteigert.

Noch ist die Homepage der einst zweitgrößten deutschen Fluglinie online. Doch sie besteht nur aus einer Seite ohne große Möglichkeit zum Weiterklicken. "Wir möchten uns bei Ihnen für die langjährige Treue bedanken und verabschieden uns in gewohnter Weise mit den Worten "Tschüss, auf Wiedersehen und bye-bye".

Schluss, aus und vorbei? Mitnichten. Denn es gibt mehr als eine Million Gläubiger, die Tickets für Flüge mit Air Berlin erworben hatten und nicht mehr befördert wurden. Sie gehören zu der Gruppe Gläubiger, die nach dem Insolvenzrecht ihre Forderung geltend machen können. Soweit die Theorie.

In der Praxis sieht die Abwicklung inklusive der kurz vor Weihnachten erfolgten Insolvenz des Ferienfliegers Niki, der ebenfalls zur Air Berlin Gruppe gehört, dagegen konfus aus. Im Fall von Niki streiten selbst Rechtsanwälte, ob der korrekte Insolvenzantrag am Standort Wien oder Berlin gestellt werden muss. Air-Berlin-Geschädigte blicken als juristische Laien kaum noch durch.

Wichtige Frist bis zum 1. Februar

Mitte Januar haben die ersten Gläubiger Post vom Insolvenzverwalter erhalten. In dem dreiseitigen Schreiben vom "Fachanwalt für Insolvenzrecht", das dem stern vorliegt, geht es um die "Forderungsanmeldung", die sich aus drei Teilen zusammensetzt: der Forderung aus der Flugbuchung, den Zinsen und den möglichen Kosten, die den Kunden vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens entstanden sind.

Dem Brief ist ein spezielles Anmeldeformular beigefügt. Dies muss bis zum 1. Februar "unter Verwendung des diesem Schreiben beigefügten Rückumschlages, den Sie noch ausrechend frankieren müssen", eingereicht werden.

Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass am 24. Januar ein "Berichtstermin" im Estel Congress Center in Berlin-Neukölln stattfinden wird. Bei der Einladung zur "nicht öffentlichen Sitzung" handelt es sich um einen Termin nach Paragraph 156 der Insolvenzordnung. An jenem Tag wird der Insolvenzverwalter über die wirtschaftliche Lage des Schuldners berichten. Mit anderen Worten: Es geht darum, ob die Gläubiger überhaupt mit einer Teilsumme ihrer Forderung rechnen können. 

Ex-Air-Berlin-Kunden müssen viel Geduld haben

Weiter heißt es im Schreiben des Insolvenzverwalters: "Der Termin zur Prüfung der angemeldeten Forderungen findet im schriftlichen Verfahren am 1. August 2018 statt." Sollte bis dahin kein Bescheid vorliegen, sind die Papierberge eben noch nicht abgearbeitet. Über die Website www.airberlin-inso.de können Gläubiger eine Registrierung mit PIN-Code beantragen, um sich zum Stand des Verfahrens zu informieren.

Wie viel Geld zur Tilgung am Ende für die Gläubiger zur Verfügung stehen wird, ist noch vollkommen offen. Auch muss Air Berlin noch 150 Millionen Euro für die Tilgung des Kredits der Bundesregierung aufwenden, den die Fluggesellschaft im August 2017 erhalten hatte, nachdem der Hauptaktionär Etihad Airways plötzlich jegliche finanzielle Unterstützung aufgekündigt hatte.

Cash mit Air-Berlin-Devotionalien

Geld in die Kasse soll die Online-Versteigerung von Air-Berlin-Inventar des Hamburger Auktionshauses Dechow bringen. Auf der Dechow-Website werden noch bis zum 1. Februar Gegenstände wie Trolleys aus der Bordküche, Steppdecken, Vanity-Sets und Geschirr aus der Business Class sowie ganze Sitzreihen meistbietend unter die Leute gebracht. Mit dem Satz "Erfreuen Sie sich an einem Stück Luftfahrtgeschichte", werden die Bieter zum Kauf animiert.

Schon am zweiten Tag sind die Preise in die Höhe geschnellt. So liegt das Gebot für "eine Partie Air Berlin Schokoherzen Lindt & Sprüngli, bestehend aus 100 Schokoherzen (20 g pro Stück, gesamt 2 KG) aus Alpenvollmilch-Schokolade" bei 240 Euro. Das Startangebot lag bei 20 Euro.

Online-Auktion: Air Berlin - Alles muss raus
Air Berlin Auktion

Ein ganzer Hangar mit Inventar von Air Berlin: Mehr als 1000 Objekte werden bis zum 1. Februar online beim Auktionshaus Wilhelm Dechow versteigert.


Die meisten Flugzeugtrolleys der Marke Driessen, mit denen die Flugbegleiter durch die Kabinen gezogen sind, haben längst die Schwelle von 1000 Euro überschritten. Doch es gibt auch Pakete mit gleich zehn Trolleys, für die zurzeit 4300 Euro geboten werden.

Egal wie viel Geld die Versteigerung in die Insolvenzkasse gespült wird, schon jetzt steht fest, dass die Abwicklung von Air Berlin viel länger dauern wird. "Der Prüfungsprozess und auch die Abwicklung des Verfahrens werden vermutlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen", heißt es im fett gedruckt auf der letzten Seite der Post des Insolvenzverwalters an den Kreis der geschädigten Air-Berlin-Kunden.

+++ Lesen Sie auch: Nicht nur Air Berlin - Diese Fluglinien gingen 2017 pleite +++

Die letzte Air-Berlin-Maschine aus Miami bei ihrem Flugmanöver über dem Flughafen von Düsseldorf


Wissenscommunity