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Deutscher Unternehmer: Hans Rudolf Wöhrl kaufte eine Airline für einen Euro - aber den musste er sich erstmal leihen

Hans Rudolf Wöhrl wollte die insolvente Air Berlin kaufen. Ihm gelang schon einmal das Kunststück, eine Pleite-Airline für nur einen Euro zu kaufen - und der war auch noch geliehen. Später machte er damit viele Millionen Gewinn.

Hans Rudolf Wöhrl wollte die insolvente Air Berlin kaufen

Hans Rudolf Wöhrl wollte die insolvente Air Berlin kaufen

Den Nürnberger Unternehmer und Großinvestor Hans Rudolf Wöhrl dürften die meisten Menschen aus der Bieterschlacht um die pleite gegangene Fluglinie Air Berlin kennen. Er bot nach eigenen Angaben bis zu einer halben Milliarde Euro und wollte die Airline von Grund auf sanieren. Am Ende erhielt die Lufthansa den Zuschlag - für Wöhrl "ein abgekartetes Spiel". Am Mittwochabend saß er bei Markus Lanz, diskutierte die Air-Berlin-Pleite - und gab eine kuriose Anekdote zum Besten.

Eine Airline für nur einen Euro

Dass Wöhrl das Zeug dazu gehabt hätte, die Pleite-Airline womöglich wieder auf Kurs zu bringen, zeigt ein Blick in die Geschichte. Im Sommer 2003 kaufte Wöhrl die hoch defizitäre DBA, die Deutsche British Airways. Die britische Mutterfirma wollte die Airline eigentlich einstellen, weil sie keinen Weg sah, aus den roten Zahlen zu kommen. Doch Wöhrl hatte einen Plan - und übernahm die Airline für einen symbolischen Euro. Doch wie läuft so ein Deal eigentlich ab, wollte Moderator Markus Lanz wissen.

Der Verkauf fand in der Schweiz statt, so Wöhrl. Es gab einen ungefähr 180-seitigen Vertrag, den der Notar vorlas. "Wir saßen alle da, kannten den Vertrag, wir waren alle am Dahindämmern. Plötzlich guckte er uns an und sagte: 'Wurde der Kaufpreis von einem Euro denn bezahlt? Hier steht, dass der Kaufpreis von einem Euro in bar zu bezahlen ist."

Wöhrl war perplex, hatte keinen Euro dabei, lediglich einen Zehn-Euro-Schein. "Und ich wollte ja nicht das Zehnfache dessen zahlen, was ausgemacht war. Das wäre ja ein schlechtes Omen gewesen." Pech für Wöhrl: Die Schweizer hatten nur Franken, die Briten lediglich Pfund. Die letzte Hoffnung war die anwesende Dolmetscherin. Sie hielt Wöhrl einen Euro entgegen und sagte: "Den kann ich ihnen leihen."

Die Dolmetscherin bekam ein Vielfaches zurück

Mit dem geliehenen Euro der Dolmetscherin kaufte der Geschäftsmann eine ganze Airline. Ein paar Jahre später wurde die DBA, die wieder profitabel war, an Air Berlin verkauft. Insgesamt legte Air Berlin knapp 100 Millionen Euro auf den Tisch. Wöhrl habe zwar viel investiert, "aber es war ein sehr gutes Geschäft". Am Ende blieb ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag als Gewinn übrig.

Und was bekam die Dolmetscherin, wollte Lanz wissen? "Wir haben ihr 40.000 Euro überwiesen. Man muss nicht immer alles haben von der Wurst, es genügt auch wenn man eine Scheibe hat, den Rest kann man auch verteilen. Deswegen hat auch das Finanzamt den Löwenanteil davon bekommen", sagte der heute 69-Jährige.

So lernte er Dagmar Wöhrl kennen

Apropros Löwen: Seine Frau Dagmar Wöhrl, die ehemalige Miss Germany und CSU-Politikerin, sitzt derzeit jede Woche in der VOX-Sendung "Die Höhle der Löwen". Er habe sie auf einem Flug kennengelernt, plauderte er aus. Er war Kapitän, ließ es sich aber nicht nehmen, auf jenem Flug das Essen persönlich auszuteilen - um auf diese Weise mit der "Dame, die wirklich außergewöhnlich aussah" ins Gespräch zu kommen.

Die letzte Air-Berlin-Maschine aus Miami bei ihrem Flugmanöver über dem Flughafen von Düsseldorf


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