Kreuzfahrt Auf dem Luxusdampfer zur Zarenresidenz


Die gut situierten amerikanischen Gäste auf dem Kreuzfahrtschiff "Century" erleben einen Kulturschock, wenn sie in St. Petersburg aussteigen: Der ehemalige Klassenfeind empfängt sie mit offenen Armen.

Die Passagiere eines amerikanischen Kreuzfahrtschiffs werden im Hafen von St. Petersburg von einer russischen Militärkapelle empfangen - wie die Welt sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten doch verändert hat. Während die Gäste des Fünf-Sterne-Schiffes "Century" der Reederei Celebrity Cruises an Land gehen, spielen die Musiker in Uniform "New York, New York". Nicht ganz uneigennützig zwar - die Männer freuen sich über jeden Dollarschein, der in ihre durchsichtige Kasse geworfen wird - aber sehr beeindruckend. Erleben kann der Tourist das, wenn er mit dem für mehr als 40 Millionen Euro überholten Luxusliner über die Ostsee schippert.

Von Oslo bis zum Mittelmeer

Gerade ist das Schiff zum letzten Mal in diesem Jahr zur Großen Ostseekreuzfahrt in Amsterdam gestartet und läuft unter anderem Oslo, Stockholm, Helsinki und Kopenhagen, sowie die einst sozialistischen Hafenstädte St. Petersburg und Tallin an, bevor es wieder nach Amsterdam zurückkehrt. Auch 2007 steht diese Tour wieder auf dem Programm. Danach fährt die "Century" eine Woche durch norwegische Fjorde, es folgen Reisen durch das Mittelmeer, bevor es im November über den Atlantik nach Miami geht.

Während ihrer Tour über die Ostsee legt die "Century" zwei Tage in der einstigen Zarenresident St. Petersburg mit ihren unzählbaren Sehenswürdigkeiten an. Isaak-Kathedrale und Kazan'er Kathedrale, der legendäre Panzerkreuzer "Aurora" (seine Kanonen gaben das Signal für die russische Revolution von 1917), Winterpalast und Newski-Prospekt, der Tourist braucht einen Überblick. Den verschafft er sich am besten bei einer Rundfahrt. Wer nicht im Bus sitzen will, bucht eine Tour über den Fluss Newa und seine zahlreichen Seitenarme und Kanäle. Mindestens einen Tag sollte der kunstinteressierte Kreuzfahrer für den Besuch des weltberühmten Kunstmuseums Eremitage einplanen.

Chancen ergreifen

In Tallinn begeistert vor allem der Gegensatz zwischen der in Jahrhunderten gewachsenen Architektur und der quirligen, anscheinend immer geschäftigen Jugend. Es ist zu spüren, dass die jungen Frauen und Männer hier die Chancen ergreifen wollen, die ihnen die neue Nähe zum Westen bietet. Ansehen sollte der Besucher unbedingt die Alexander-Newski-Kathedrale mit ihren typisch russischen Zwiebeltürmen, und das Ajaloomuseum, das die estnische Geschichte dokumentiert. Den schönsten Blick über die Stadt hat der Gast vom Kanonenturm (Kiek in de Kok) in der Altstadt.

Von der kleinen Meerjungfrau werden die Gäste in Kopenhagen begrüßt. Die Figur aus einem Märchen von Hans-Christian Andersen sitzt unweit des Platzes, an dem die "Century" festgemacht hat. Seit 1913 empfängt die Bronzestatue übers Meer kommende Besucher in der Nähe der Zitadelle - und sie ist tatsächlich ziemlich klein.

Schlösser, runde Türme und Erotik

Ebenfalls ein Muss: Schloss Amalienburg. Seit 1794 ist es Residenz der königlichen Familie. Bewacht wird es noch heute noch der Königsgarde in putzigen Uniformen, die sich auch vom hundertsten "Keep Smiling" der Touristen beim Wachwechsel nicht aus der Ruhe bringen lassen. Ebenfalls empfehlenswert ist ein Besuch des Runden Turms. Das 1642 errichtetet Gebäude hat keine Treppenstufen - stattdessen windet sich eine spiralförmige Rampe bis ganz nach oben - früher wurde der Turm von Reitern mit Pferden benutzt, heute beherbergt er ein Observatorium. Auf- und Abstieg ohne Stufen sind ein Spaß für die ganze Familie.

Wer sich hingegen erwachsen weiterbilden will, sollte das Museum Erotica in der Innenstadt besuchen. Es erzählt Banales und Außergewöhnliches rund um die körperliche Liebe. Zu sehen sind Abbildungen von Wandmalereien aus dem Pompej des ersten Jahrhunderts, pikante, lebensgroß nachgestellte Szenen aus dem Leben der Literaturgestalt Fanny Hill und freizügige Fotografien aus dem Europa der 20er und 30er Jahre.

Immer was zu tun

Auf Kreuzfahrt gehen viele Touristen nicht nur wegen der bequemen Art, im schwimmenden Luxushotel von Ziel zu Ziel zu reisen, sondern auch wegen der langen Zeit auf See. Auf der "Century" wird vieles getan, um den Gast an einem Seetag zu verwöhnen. Auf den zehn Passagierdecks, in den luxuriösen und lässigen Restaurants und Bars, den Innen- und Außenpools und im Schönheitssalon mit Zahnweiß-Station bietet das Bordpersonal fast alles für seine Gäste.

Langeweile muss also nicht sein. Ob Jogging rund um die Strecke am Fuß des riesigen Schornsteins, Puzzle, Golf-Putting, Kino, Treffen mit dem Kapitän, Line Dance, Bingo, Bridge, ein Termin mit dem Modeberater oder ein katholischer Gottesdienst - es gibt immer was zu tun. Den Tag ausklingen lässt der Seereisende am besten an einem selbst gewählten lauschigen Plätzchen auf einem der Passagierdecks oder bei einem Cocktail und dem beeindruckenden Blick auf den Sonnenuntergang aus der Hemisphere-Lounge auf dem obersten Deck.

Claudia Pietsch/DDP DDP

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