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Vietnam Airlines: Airbus landet auf unvollendeter Landebahn - und kommt jetzt nicht mehr weg

Dumm gelaufen: Die Piloten eines mit mehr als 200 Passagieren voll besetzten Airbus haben bei der Landung in Vietnam die Pisten verwechselt. Dabei gerieten Gegenstände in die Triebwerke. Jetzt hat nicht nur die Airline ein Problem.

Wegen seiner langen Sandstrände gehört Nha Trang zu den beliebtesten Ferienorten Vietnams. Als am Sonntag ein A321 von Vietnam Airlines auf dem Weg in die 350.000 Einwohner zählende Küstenstadt in Ho-Chi-Minh-Stadt gestartet war, verlief zunächst alles nach Plan.

Nach einer Flugzeit von ungefähr einer Stunde setzte der mit 203 Fluggästen - darunter mehrere US-Staatsbürger - und sieben Besatzungsmitgliedern vollbesetzte Jet zur Landung an. Doch der Cockpit-Besetzung des Fluges mit der Kürzel VN7344 unterlief ein folgenschwerer Fehler: Der Pilot verwechselte die beiden parallelen Pisten.

Das müsste eigentlich kein Drama sein. Nur verfügt der 25 Kilometer nördlich von Nha Trang  gelegene Airport, der zu Zeiten des Vietnamkrieges als Cam Ranh Air Base von den US-Truppen gebaut wurde, nur über eine für den Start- und Landeverkehr freigegebene Piste: Die zweite weiter östlich gelegene Bahn befindet sich noch in Bau.

Zwar verlief dort das Aufsetzen ohne Probleme, doch lag auf der Piste noch Baumaterial, das in die Triebwerke gesogen wurde und die Verdichterschaufeln der Turbinen beschädigte. Zum Glück kam keiner der Insassen zu Schaden, die später über Treppen das Flugzeug verlassen konnten.

Behörden sprechen von "schwerwiegendem Vorfall" 

Doch die neue Piste verfügt noch nicht über einen Rollweg zum Vorfeld des Nha Trang Cam Ranh International Airport und damit auch zum Terminal. "Es gibt noch keine Lösung, wie das Flugzeug zurück zum Flughafen kommt", berichtet die Website Airlive.net.

Außerdem muss die Maschine mit ihren defekten Turbinen einer genauen Inspektion unterzogen werden. Die zivile Luftfahrtbehörde hat das Ereignis als einen "schwerwiegenden Vorfall" eingestuft und eine Untersuchung eingeleitet.

Ungewöhnlich ist, dass im Landeanflug es die Bodenkontrollstelle unterließ, die Flugzeugbesatzung auf ihren vermeintlichen Fehler aufmerksam zu machen. Sie hätte die Crew zum Durchstarten auffordern müssen. Unklar bleibt auch, ob die im Bau befindliche Piste an Anfang und Ende mit großen Markierungen in Form weißer Kreuze abgesichert war, die nach internationalen Standards den Piloten signalisieren sollen, dass sie hier nicht landen dürfen.

Vietnam Airlines hat Konsequenzen gezogen und die beiden Piloten vom Dienst suspendiert. Es war übrigens nicht das erste Mal, dass Piloten die Pisten oder gar Flughäfen verwechseln. Erst im Sommer 2017 wäre es fast zu einem Crash am Flughafen von San Francisco gekommen. Eine Maschine von Air Canada wollte gegen Mitternacht auf dem Taxiway C landen, auf der mehrere Jets zu ihrem Start rollten. Doch den Fluglosten fiel der Fehler auf. Der Tower gab Anweisung zum Durchstarten. So wurde eine Beinah-Katastrophe in letzter Sekunde vermieden.

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tib
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