HOME

Luang Prabang: Spirituelles Laos: Zu Besuch bei Living Buddha

Männer in orangefarbenen Roben ziehen durch die Straßen, vorbei an vergoldeten Gotteshäusern und geduckten Kolonialbauten. Willkommen in der einstigen Hauptstadt von Laos: Luang Prabang, wo der Buddhismus noch heute den Takt vorgibt.

Von Petra Sadowsky

Die 67.000 Einwohner Luang Prabangs leben zwischen Tempeln, Kolonialarchitektur und reichlich Grün. Der Tempel Ho Phra Bang ist Teil des Palastmuseums.

Die 67.000 Einwohner Luang Prabangs leben zwischen Tempeln, Kolonialarchitektur und reichlich Grün. Der Tempel Ho Phra Bang ist Teil des Palastmuseums.

Picture Alliance

Unruhig wälzt sich der Mekong zwischen Wänden aus Dschungelgrün in seinem Bett, ausgerissene Bäume schwimmen vorbei. Das bedenklich schwankende Ausflugsboot ist flach wie eine Gondel, strecken die Passagiere den Arm aus, berühren sie die Zweige. Sie sind auf dem Rückweg von Ban Pak Ou, den zwei Höhlentempeln mit ihren Tausenden von Buddhafiguren, liegenden und sitzenden, großen und kleinen, hölzernen und vergoldeten. Die lässt sich keiner entgehen, gläubige Buddhisten so wenig wie Touristen – nicht einmal in der Regenzeit, wenn sie von Luang Prabang zwei Stunden auf dem schlammbraunen Fluss tuckern müssen.

Nirgendwo in Laos gibt es mehr buddhistische Heiligtümer als im kleinen Luang Prabang, einst Königsresidenz und heute Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Norden. Rund 80 sollen es sein, allein im historischen Zentrum drängeln sich, in schönster Harmonie mit den alten Kolonialbauten der Franzosen,  34 Tempel. Wo immer man hinschaut: rote, grüne und golden schimmernde Pagoden und Schreine, Buddha­statuen und Reliefs. Überall wehen Räucherstäbchenaromen auf die Gehsteige und der kehlige Gebetssingsang der Mönche. Seit 1995 ist das Ensemble Unesco-Weltkulturerbe.

Zwischen Gebet, Arbeit und Meditation treffen sich Mönche im Hof des Wat Si Bun Heuang zu einem Plausch.

Zwischen Gebet, Arbeit und Meditation treffen sich Mönche im Hof des Wat Si Bun Heuang zu einem Plausch.

Getty Images

Als das Boot sich der Stadt nähert, kommt das höchste ihrer Heiligtümer in Sicht: die golden schimmernde Stupa des Wat Chomsi (wat bedeutet Tempel) auf dem Berg Phousi. Das Ufer ist jetzt nicht mehr nur grün: Hütten aus geflochtenem, ausgebleichtem Schilfgras balancieren auf Holzstegen, das hohe Wasser droht sie jeden Moment fortzuspülen. Wer am Mekong lebt, braucht außer göttlichem Beistand auch jede Menge Glück. 

Kein Sex an Bord

Wie man dem nachhilft, erklärt Lei Lou, Kapitän des Bootes: »Man muss die guten Wassergeister gnädig stimmen.« Vor der Abfahrt hat er ihnen ein paar Nashi-Birnen zugeworfen, damit er ohne Schaden durch das brodelnde Wasser kommt. Die bösen unter den Flussgeistern hält er mit einem kniehohen Bug-Gesteck aus Dornen fern. Dazu gilt es, Verhaltensregeln einzuhalten: »Kein Sex an Bord. Das verzeihen einem die Geister nicht, danach kann man sein Boot direkt stilllegen.«

Lei Lou ist zwar Buddhist, wie ungefähr zwei Drittel der Laoten. Das hindert aber weder ihn noch seine Landleute, gleichzeitig an Geister zu glauben. Schamanismus und Animismus bilden die zweitgrößte Religionsgruppe. Alle Lehren vertragen sich gut. Der Weg Buddhas, der über gute Taten und viele Lebenszyklen zur Erlösung führt, gibt die gnerelle Richtung vor. Und auf diesem Weg begegnen einem eben immer wieder Geister und Götter, die es zu grüßen, zu ehren, zu besänftigen, zu fürchten oder zu meiden gilt.

Es fällt nicht schwer, sich hier in eine Geisterwelt einzufühlen, alles wirkt irgendwie belebt. Haushohes Gestrüpp überwuchert den steilen Uferhang mit der Stiege zur Mekongpromenade. Über ihr stecken Baumriesen die Köpfe zusammen. Der Strom gurgelt, Zikaden singen, ein Bootsmotor tuckert. Zweigeschossige Villen lehnen aneinander, als wollten sie sich in den Schlaf wiegen. Balkone aus Gusseisen und Holz rekeln sich vor weißen und pastellfarbenen Fassaden, Fenster gähnen, ihre Lamellenläden stehen halb offen wie ausgebreitete Arme, die einen willkommen heißen: Bleib hier, entspann dich! 

Buddha ist allgegenwärtig

Biegt man in eine Gasse, wirkt die Stille so dicht, dass die Atemzüge in den Ohren rauschen. Dann weht ein tiefer Gongton vom nahen Wat Paphaisisaiyaram (Wat Paphai): Außer den Geistern ist eben auch Buddha allgegenwärtig. Der Gong gibt im Klosterleben seiner Mönche den Takt an, markiert Anfang und Ende von Arbeit, Speise und Gebet. Paphaisisaiyaram ist ein besonders schöner kleiner Tempel, der wie hinter einer Dornröschenhecke zu träumen scheint. Ein schmales Portal öffnet sich zum Hof, das tiefgezogene Dach erinnert an ausgebreitete Schwingen eines prächtigen Riesenvogels. Magisch schön ist das Reich, in dem Abt Sang Dao das Sagen hat. Er freut sich über Besuch. 

Tagtägliche buddhistische Praxis: der frühmorgendliche Bettelgang Tak Bat. In den  Henkeltöpfen sammeln Mönche Spenden von Gläubigen.

Tagtägliche buddhistische Praxis: der frühmorgendliche Bettelgang Tak Bat. In den  Henkeltöpfen sammeln Mönche Spenden von Gläubigen.

Getty Images

Wie in den meisten Klöstern, können Fremde hier nicht nur buddhistische Bau­kunst studieren, sondern auch mit den Bewohnern ins Gespräch kommen. Der junge Abt – er ist erst 31 – ermutigt stets seine sechs Mönche und 16 Novizen, auf ausländische Besucher zuzugehen: eine gute Gelegenheit, um ihr  Englisch anzuwenden. Hat er Zeit, wie jetzt, übt er auch selbst.

Der kleine kompakte Mann sitzt auf einer der Steinbänke zwischen Blumenbeeten, verschattet von ausladenden Kronen. Sein Kopf ist geschoren, die orangefarbene Robe lässt eine Schulter nackt, was ihn zugleich verletzlich und verwegen erscheinen lässt. Lächelnd erzählt er seine Geschichte – die eine Variante der Geschichte fast aller Mönche und Novizen in Laos ist.

Geboren wird Abt Sang Dao in einem Dorf, in dem es bis heute nur eine winzige Grundschule gibt. Die Eltern sind arme Bauern, Animisten. Als Sang Dao elf Jahre alt ist, bringen sie ihn, den Klügsten ihrer sechs Kinder, nach Luang Prabang ins buddhistische Kloster. Denn das ist bis heute die einzige Möglichkeit in Laos, ohne Gebühren und ohne Kosten für Bücher, Stifte, Hefte oder Uniformen, eine weiterführende Schule zu besuchen. Die Klöster und mit ihnen die Klosterschulen finanzieren sich aus Spenden. Neben Dharma, den Lehren Buddhas, lernen die Kinder dort Mathematik, Naturwissenschaften, Englisch, sogar den Umgang mit Computern: »Alles, außer Sport. Das ist uns verboten, leider, wie viele Kinder finden.« Sang Dao kichert und deutet auf zwei vorpubertäre Novizen neben dem Tempel. Mit gerafften Roben und viel Enthusiasmus fegen sie das Pflaster. Man könnte sie in Verdacht haben, eine Art Besenhockey zu spielen.

1000 Novizen in Luang Prabang

Die meisten der geschätzt 1000 Novizen, die in den Tempeln Luang Prabangs leben, ziehen jeden Morgen nach Osten, über den Fluss Khan in die Neustadt, dort liegt die größte Mönchsschule der Stadt. Ihr Unterricht dauert bis in den Nachmittag – und wer es nicht schafft, bis 16 Uhr zurück zu sein, hat Pech. Denn dann gibt’s im Kloster die letzte Mahlzeit des Tages. Trödler bleiben hungrig bis zum nächsten Morgen um sechs Uhr, wenn sie aufbrechen, wie alle Mönche im Theravada-Buddhismus, zu ihrem vermutlich bekanntesten, weil sichtbarsten Ritual: Tak Bat, dem täglichen Bettelgang. 

Mönche und goldene Reliefs am Eingang zum Carriage House, des Tempels Wat Xiengtong 

Mönche und goldene Reliefs am Eingang zum Carriage House, des Tempels Wat Xiengtong 

Picture Alliance

Da Mönche nicht arbeiten dürfen, betteln sie um ihr Essen. Den Einheimischen ist es eine Ehre, ihnen etwas zu geben, die Gegengabe ist spiritueller Art. Im Morgengrauen stehen sie auf dem Trottoir oder warten auf Hockern, in der Hand Henkelmann-Gefäße aus Blättergeflecht, darin sind Klebreis, Früchte, selbst gekochte Gerichte. Mit ernsten Mienen schreiten die Klosterbewohner vorbei, Kinder und Greise in orangefarbenen Gewändern. Über ihren Schultern baumeln Metalltöpfe, die die Menschen am Straßenrand nun füllen.Flink formensie den Klebreis zu Kugeln, einem pro Mönch. Niemand spricht, auch kein Danke: Das Ritual erfordert Schweigen und aufseiten der Mönche meditative Ruhe.

Leider ist dieser religiöse Brauch bedroht, wie Abt Sang Dao später erklärt. Viele Touristen sehen ihn eher als kulturelle Showeinlage. In der Tat, eine Gruppe westlicher Jugendlicher kichert bei jeder Gabe und knipst aus nächster Nähe mit dem Smartphone, stört die Versenkung der Mönche und irritiert die Spender. Hundertfach entweiht, gerät der heilige Akt zum Spektakel, und wer unter den Zuschauern eine Spur Pietät empfindet, schämt sich. »Ja, so ist das inzwischen in Luang Prabang«, sagte Sang Dao und krault Toni, den weißen Klosterhund. Um dann verschmitzt hinzufügen, dass man über Scham ganz ausgezeichnet meditieren könne. Weisheit lässt sich überall finden. Und so tritt sein Kloster die Flucht nach vorn an: Ein Plakat neben dem Tempeleingang kündigt die tägliche 18-Uhr-Meditation an, auf Englisch. »Gäste willkommen«, steht da.  

Lesen Sie auch:

Lässiger Grenzgang: Elefant setzt sich nach Laos ab und sorgt für Aufregung

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(