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1,4 Kilogramm Müll pro Passagier : Wie Airlines dem Einweg-Plastik an Bord den Kampf ansagen

Jeder Flugpassagier produziert kiloweise Plastikabfälle für die Tonne. Doch es geht auch anders. Inzwischen gibt es mehrere Airlines, die plastikfreie Testflüge absolviert haben.

Alles andere als Nachhaltigkeit über den Wolken:  Vier Milliarden Flugpassagiere weltweit produzierten im vergangenen Jahr tonnenweise Plastikmüll.

Alles andere als Nachhaltigkeit über den Wolken:  Vier Milliarden Flugpassagiere weltweit produzierten im vergangenen Jahr tonnenweise Plastikmüll.

Haben Sie sich auch schon einmal an Bord eines Langstreckenfluges gefragt, wie viel Plastik Sie zurücklassen, wenn Sie von Bord gehen? Das Beginnt mit dem in Folie eingeschweißten Decke auf dem Sitzplatz und den Kopfhörern. Wenn erst die Getränke serviert werden, kommt viel Plastik zum Einsatz: Wasser oder Cola werden aus Plastikfalschen in Plastikbecher ausgeschenkt. Dann folgt das Menü auf dem Tablett: Das Besteck – meist aus Plastik – ist in Folie eingeschweißt, ebenso der Nachtisch wie zum Beispiel ein Stück Kuchen oder die Kaffeesahne, die eventuell gar nicht benötigt wird. In den wenigsten Fällen wird das Kunststoffgeschirr nach dem Flug gereinigt und der Wiederverwendung zugefügt, sondern alles landet im Abfall.

In der Summe produziert jeder Passagier pro Flug 1,4 Kilogramm Abfall – inklusive Plastik, Pappe und Papier. Zu diesem Ergebnis kommt die International Air Transport Association (IATA). Das jetzt in Verruf geratene Plastik hat in der Luftfahrt allerdings gleich mehrere Vorteile: Das Material ist leicht, billig und verfügt über einen weiteren Pluspunkt: Folien dienen gerade bei der Verpackung der Bordverpflegung besonders gut der Hygiene.

Nach Angaben der International Air Transport Association produziert ein Passagier pro Flug im Durchschnitt 1,4 Kilogramm Abfall

Nach Angaben der International Air Transport Association produziert ein Passagier pro Flug im Durchschnitt 1,4 Kilogramm Abfall

Beispiele machen Schule

Nach einer Zählung von Etihad Airways kommen 95 Einwegkunststoffprodukte beim Service in der Flugzeugkabine zum Einsatz. In der Summe aller Passagiere kommen so schnell 50 Kilogramm Plastikabfall zusammen. Am 22. April diesen Jahres zeigte die Fluglinie aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, dass es auch anders geht: Auf dem vierzehnstündigen Linienflug der Boeing 787 von Abu Dhabi nach Brisbane in Australien bestanden am Earth Day die Decken aus recycelten Plastikflaschen, Kaffeetassen aus essbarem Material, und die Kulturbeutel waren nachhaltig hergestellt.  In einem ersten Schritt reduziert die Airline seit Sommer diesen Jahres ihre Kunststoffprodukte und rechnet mit 100 Tonnen weniger Plastikmüll bis Jahresende.

Die portugiesische Fluglinie Highfly, die im Bedarfsluftverkehr und für andere Airlines fliegt, möchte sogar bis Jahresende sogar auf Becher, Besteck, Geschirr, Salz- und Pfefferstreuer, Spucktüten, Decken-Umhüllungen, Getränkeflaschen und Zahnbürsten aus Plastik ganz verzichten. Auf einem Testflug Ende Dezember 2018 von Lissabon nach Brasilien bekamen die Fluggäste Besteck aus Bambus und Essen in kompostierbaren Verpackungen serviert.

Kompostierbare Verpackungen statt Plastik

"Wir müssen die internationalen Catering-Regeln überarbeiten" sagt Chris Goater von der IATA. Denn durch die gesetzlichen Bestimmungen landen bei internationalen Flügen sogar nicht angebrochene Getränkedosen im Müll. Besser sieht es schon bei Inlandsflügen aus. Dort sind die gesetzlichen Vorgaben nicht so restriktiv.

Die australische Qantas hatte bei einem Flug im Mai 1000 verschiedene Einwegprodukte aus Plastik von Bord des Fluges QF739 von Sydney nach Adelaide verbannt. Allein auf dieser Strecke fallen pro Jahr 150 Tonnen Abfall an. In dem Test wurde am Ende des Fluges nicht Plastikbecher, sondern Papier-Trinkbecher aus Pflanzenfasern, Essenskartons aus Abfallprodukten der Zuckerproduktion sowie wiederverwendbare Behälter eingesammelt.

Die Airline hat zusammen mit ihrem Billigflieger Jetstar viel vorgenommen: Bis Ende 2020 sollen 100 Millionen Einwegprodukte ersetzt werden, darunter 30 Millionen Bestecks, 21 Millionen Kaffeetassen und 4 Millionen Bezüge werden durch nachhaltigere Alternativen ersetzt.

Auch am Boden könnte eine Menge passieren

An Flughäfen stehen vor allem auf Airports in Spanien neben den Check-in-Schaltern kleine Maschinen, die Koffer gegen einen Aufpreis vor der Aufgabe in zentimeterdicke Plastikfolie einwickeln - zum Schutz vor Kratzern.

Solche Geräte sollen für immer aus den Terminals verbannt werden.

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