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NEW YORK: »Aus« für die letzte Peepshow am Times Square

Was für Hamburg die Reeperbahn, war für New York die 42. Straße, Ecke »Times Square«: Auf der einstigen Amüsiermeile musste jetzt die letzte Peep-Show ihre Pforten schließen.

Die einstige Amüsiermeile New Yorks, die »42nd Street«, hat ihren letzten Erotikladen verloren. Am Mittwoch schloss »Peep-O-Rama« seine Pforten und beendete damit die angestrebte Umgestaltung einer ehemals als heruntergekommen geltenden Gegend. Am Nachmittag hängte der Hausherr der bislang rund um die Uhr geöffneten Peep-Show ein rotes Schild an die Tür, auf dem in weißen Buchstaben stand: »Geschlossen«.

25 Cent für ein kleines Glück

Den Schlüssel drückte er einem Bevollmächtigten einer Organisation in die Hand, die Büroflächen auf dem Gelände errichten will. Eine Passantin beobachtete die Übergabe-Zeremonie und rief: »Halleluja, lobet den Herrn.« Über der zerfallenen Fassade leuchteten nur noch zwei von rund 100 Glühbirnen, die den Hinweis »25 Cents« umrahmen. So viel musste ein Besucher einst für ein paar kurze Blicke in das Sex-Programm berappen. Die früher für Kriminalität, Prostitution und Porno-Läden bekannte Gegend hat sich nun in einen Ort mit Bürogebäuden und familienfreundlichen Souvenirläden gewandelt.

»Jetzt müssen alle nach L.A. gehen«

»Es ist gut für Familien, aber Dreck war schon immer Teil des Times Square«, gab ein vorbeigehender New Yorker zu Bedenken. »Jetzt müssen alle nach L.A. gehen«. Cristyne L. Nicholas von der New Yorker Tourismus-Marketing-Organisation dagegen atmet auf und bezeichnet das Ende des Geschäftes, in dem man auch Sex-Zubehör und -Videos erwerben konnte, als sehr gute Nachrichten für die Stadt. Nicholas hatte schon in der Verwaltung des früheren Bürgermeisters Rudolph Giuliani mitgearbeitet. Sie hat sich die kulturelle und wirtschaftliche Wiedergeburt des Times Square zur Aufgabe gemacht. »Die Stadt hat sich zu einem Ziel für Familien entwickelt«, sagte Nicholas. Diese Entwicklung wäre in den vergangenen fünf Jahren nicht möglich geworden, wenn Läden wie »Peep-O-Rama« weiter bestanden hätten.

Aber nicht alle New Yorker glauben, dass die Veränderung gut ist für die Stadt. »Es ist bedauernswert«, sagte eine Frau in einem eleganten, grauen Hosenanzug. »Es war ein Teil der alten New Yorker Struktur.«

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