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Corona-Krise: Odyssee der Kreuzfahrtschiffe: Australien will die "MS Artania" loswerden

Nachdem die "Artania"-Passagiere ausgeflogen wurden, soll das Schiff gegen den Wunsch der Reederei so schnell wie möglich den Hafen Fremantle in Westaustralien verlassen. Für die "Rotterdam" und "Zaandam" zeichnet sich dagegen in Florida eine baldige Lösung ab.

Zeichen der Dankbarkeit der Besatzung und Passagiere der "MS Artania" im Hafen von Freemantle

Zeichen der Dankbarkeit der Besatzung und Passagiere der "MS Artania" im Hafen von Freemantle

DPA

Nach Coronavirus-Fällen auf einem Kreuzfahrtschiff mit überwiegend deutschen Passagieren vor Australien fordern die dortigen Behörden eine rasche Abreise des Luxusliners. Der Regierungschef des Bundesstaates Westaustralien, Mark McGowan, sagte, er wolle nicht, dass die "Artania" andere Schiffe anziehe, nur weil sie im Hafen von Fremantle habe anlegen dürfen.

Sie müsse schnellstmöglich nach Deutschland zurückfahren. "Ich habe den australischen Grenzschutz angewiesen, das Schiff auf den Weg zu bringen."

Laut der Hafenbehörde soll das Schiff am Freitag ablegen. Die Crew der "Artania" habe den australischen Behörden zufolge um einen Aufschub um zwei weitere Wochen gebeten, unter anderem für eine gründliche Reinigung des Schiffes.

Die "MS Artania" liegt im Hafen von Freemantle, westlich von Perth in Westaustralien

Die "MS Artania" liegt im Hafen von Freemantle, westlich von Perth in Westaustralien

Nach Angaben des deutschen Reiseveranstalters ist die Zukunft weiterhin unklar. Es liege noch kein Zeitplan für eine Abreise aus den westaustralischen Gewässern vor, sagte eine Sprecherin des Bonner Unternehmens Phoenix Reisen am Donnerstag. "Die nächsten Tage sehen so aus, dass weiter zwischen Reederei und Behörden gesprochen wird." Das bedeute: Man müsse warten.

Fast alle "Artania"-Passagiere zurück in Deutschland

Das Schiff der in Bonn ansässigen Reederei Phoenix hatte vergangene Woche mit Dutzenden Coronavirus-Infizierten an Bord in Fremantle südlich von Perth angelegt. Nach Angaben des Reiseveranstalters vom Mittwoch befinden sich 23 am Coronavirus erkrankte Passagiere und 13 Crewmitglieder in australischen Krankenhäusern. Außerdem würden zwei weitere Passagiere wegen anderer akuter Erkrankungen dort behandelt.

Eine der vier Großraumjets von Condor am Flughafen in Perth: Am Montag landeten die 800 in Fremantle gestrandeten Kreuzfahrtgäste wieder in Frankfurt.

Eine der vier Großraumjets von Condor am Flughafen in Perth: Am Montag landeten die 800 in Fremantle gestrandeten Kreuzfahrtgäste wieder in Frankfurt.

Der Großteil der mehr als 800 Passagiere war am Sonntag mit vier gecharterten Boeing 767 der Condor nach Deutschland mit einem Zwischenstopp zum Auftanken auf der thailändischen Ferieninsel Phuket ausgeflogen worden. Auf dem Kreuzfahrtschiff "Artania", bekannt aus der ARD-Dokuserie "Verrückt nach Meer", befänden sich derzeit neben der Besatzung noch 16 Passagiere, die nicht fliegen wollten, sagte die Phoenix-Sprecherin. 

"MSC Magnifica" im Pazifik

Auch die "MSC Magnifica" mit etwa 360 Deutschen an Bord musste ihre Weltreise abbrechen und durfte keinen Hafen in Australien anlaufen. Das 2010 in Hamburg getaufte Kreuzfahrtschiff sollte seine Reise vorzeitig in Dubai beenden, nur lassen die Vereinigten Arabischen Emirate keine ausländischen Schiffe mehr anlegen. Auf Marine Traffic lässt sich die "Magnifica" derzeit nicht orten. Ende März lag das Schiff noch vor Perth. Eine Anfrage an die Reederei wurde nicht mit einer genauen Ortsangabe beantwortet.

"Das Schiff soll neuen Proviant und Treibstoff aufnehmen und dann (mit technischen Stopps zur Versorgung) direkt nach Europa fahren, Zielhafen noch unklar", heißt es auf der Website cruisetricks.de. "Seit 29. März ist das Schiff wieder unterwegs, nächster technischer Stopp geplant am 6. April in Colombo, Sri Lanka."

Das Schicksal der "Rotterdam" und "Zaandam"

Das Drama um zwei Flottenmitglieder der Holland America Line scheint bald zu Ende zu gehen. Nach den neusten Angaben der US-Reederei haben am Donnerstag die "Rotterdam" mit 808 Gästen und 583 Besatzungsmitgliedern und die "Zaandam" mit 442 Gästen und 603 Besatzungsmitgliedern die US-Küstengewässer vor Südflorida erreicht.

Dort warten die Passagiere auf eine Freigabe, um in Fort Lauderdale aus humanitären Gründen von Bord gehen zu können, mit sofortiger Weiterreise in Bussen und mit Charterflugzeugen.

Die Gäste haben die Schiffe seit dem 14. März nicht mehr verlassen und sind seit dem 22. März in ihren Kabinen isoliert. 45 Personen von ihnen sind mit Grippesymptomen erkrankt und noch nicht reisefähig. Bis zur Genesung werden sie weiterhin an Bord isoliert bleiben.

Ein Kreuzfahrtschiff von MSC liegt vor Ocean Cay, Bahamas.

Eine Gruppe von weniger als zehn Personen benötigt sofortige intensivmedzinische Hilfe in Kliniken an Land. "Für die Behandlung haben wir die Genehmigung der örtlichen Gesundheitsbehörden erhalten", heißt es von Seiten der Reederei.

Die "Zaandam" war am 7. März in Buenos Aires gestartet und hatte das Kap Horn umfahren. Seit Mitte März sucht sie nach einem Hafen, der ihre Passagiere an Land lässt. Mehrere Häfen in Südamerika verweigerten ihr wegen der Infektionsfälle an Bord die Einfahrt.

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