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Centers for Disease Control: Längere Zwangspause: US-Behörden verbieten Kreuzfahrten für weitere 100 Tage

Eine Abteilung der Gesundheitsbehörde der USA hat die "No sail order" verschärft: Die neue Anordnung besagt, dass Kreuzfahrtschiffe bis zum 23. Juli keine US-Häfen anlaufen dürfen. Es ist nicht das einzige Problem, mit dem die Reedereien zu kämpfen haben.

Vor den US-Küsten befinden sich nach Angaben des Centers for Disease Control and Prevention  ungefähr  100 Kreuzfahrtschiffe auf See mit fast 80.000 Besatzungsmitgliedern an Bord.

Vor den US-Küsten befinden sich nach Angaben des Centers for Disease Control and Prevention  ungefähr  100 Kreuzfahrtschiffe auf See mit fast 80.000 Besatzungsmitgliedern an Bord.

DPA

Ein schwerer Schlag für die Kreuzfahrt-Branche: Am kommenden Mittwoch tritt eine Verordnung des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Kraft. Die Veröffentlichung der Bundesbehörde, die dem Gesundheitsministerium der Vereinigten Staaten unterstellt ist, verändert die Rahmenbedingungen für alle Reedereien, die US-Häfen anlaufen möchten: "Die Betreiber von Kreuzfahrtschiffen dürfen Passagiere und Besatzungsmitglieder in Häfen nicht von Bord lassen", heißt es beim CDC. Ausnahmen gibt es nur im Falle medizinischer Notfälle und bei sehr kleinen Schiffen mit weniger als 250 Personen an Bord.

Eine "no sail order" wurde von der Behörde bereits am 14. März für 30 Tage ausgesprochen. Doch mit der Verlängerung um "100 Tage ab dem Datum der Veröffentlichung im Bundesregister", die am 15. April erfolgen wird, kommt es praktisch zu einem Kreuzfahrtverbot - weit in die Sommersaison hinein.

Bisher hatten die meisten Redereien ihre Kreuzfahrten bis spätestens Ende Mai abgesagt und gingen davon aus, ab Juni wieder Gäste an Bord nehmen zu dürften. Doch die neue Anweisung des CDC dürfte alle Zeitpläne über den Haufen geworfen haben.

Keine Passagier, aber Tausende von Besatzungmitgleider an Bord: Vor Miami in Florida liegen mehrere Kreuzfahrtschiffe auf Reede.

Keine Passagier, aber Tausende von Besatzungmitgleider an Bord: Vor Miami in Florida liegen mehrere Kreuzfahrtschiffe auf Reede.

Betroffen von der jüngsten Anweisung sind alle Häfen an der Ost- und Westküste, sowie Hawaii und Alaska. Damit kommt das Hauptgeschäft mit Kreuzfahrten ab Florida in die Karibik und zu den Bahamas über mehr als ein Vierteljahr zum Erliegen. Von dem Anlaufverbot sind nicht nur die großen US-Reedereien wie Carnival, Royal Caribbean und Norwegian Cruise Line betroffen, sondern auch die Schiffe von europäischen Unternehmen wie zum Beispiel MSC Cruises, die auch Törns ab Miami anbieten.

80.000 Besatzungsmitglieder an Bord von Kreuzfahrtschiffen

Entfallen dürften auch für Kreuzfahrtgäste die Überführungsfahrten der Oceanliner, die für die Sommersaison aus der Karibik nach Europa verlegt werden, da die Schiffe meistens einen logistischen Stopp in Miami oder Port Everglades bei Fort Lauderdale einlegen, um dort auch weitere Passagiere aufzunehmen.

Nach Angaben des CDC waren in den letzten Wochen viele Menschen an Bord von insgesamt zehn Kreuzfahrtschiffen positiv auf das Coronavirus getestet worden. "Derzeit befinden sich noch rund 100 Kreuzfahrtschiffe auf See vor der Ost-, West- und Golfküste mit fast 80.000 Besatzungsmitgliedern an Bord", teilt die Behörde mit. "Darüber sind der CDC 20 in Häfen liegende oder in US-Gewässern ankernde Kreuzfahrtschiffe bekannt, die Besatzungen nachgewiesener oder vermuteter Covid-19-Infektion an Bord haben."

Die meisten Schiffe liegen in Gewässern bei den Bahamas auf Reede, wie ein Drohnenfoto von Liam Davison zeigt, dass er von den Great Issac Cays auf seinem Instagram-Account hochgeladen hat.

Für die Reedereien ist dieses sogenannte "Aufliegen der Schiffe", das vorübergende Parken, ein großes Problem. Sie müssen zum einen geeignete Liegeplätze finden, nachdem die Passagiere von Bord sind, zum anderen müssen die Crews versorgt werden – auch medizinisch.

Zwar können derweil Weiterbildungsmaßnahmen und Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden, doch dürfte sich die Unsicherheit, wie lange die Zwangspause dauern wird, auch auf die Stimmung unter Deck nicht besonders positiv auswirken.

Irrfahrten ohne Ende

Wegen der restriktiven Einreisebestimmungen in fast allen Ländern ist auch eine Reduzierung des Personals an Bord der auf Reede liegenden Schiffe schwer zu planen. Und noch immer irren Kreuzfahrtschiffe auch mit Passagieren an Bord durch die Weltmeere, weil sie keinen Hafen zum Ausschiffen finden.

Ein Kreuzfahrtschiff von MSC liegt vor Ocean Cay, Bahamas.

So musste die "MSC Magnifica" ihre Weltreise in Australien im März abbrechen, durfte auch nicht Dubai anlaufen, sondern ist jetzt nach einem kurzen Aufenthalt zum Auftanken und Verproviantieren in Colombo auf Sri Lanka am 8. April zum Suezkanal aufgebrochen, um in Italien die Reise beenden zu können.

"Es sind 1771 Passagiere an Bord, die sich alle bei guter Gesundheit befinden, ebenso wie die Besatzung", teilte MSC Cruises dem stern auf Anfrage mit. "Es liegen keine Berichte vor, dass jemand an Bord an Atemwegserkrankungen leidet oder grippeähnliche Symptome aufweist."

Wann die in Deutschland beheimatete Reedereien ihren Betrieb wieder aufnehmen ist derzeit noch ungewiss. Der Markführer Aida Cruises mit 14 Schiffen geht davon aus, dass "alle Reisen bis einschließlich 31. Mai 2020 nicht wie geplant stattfinden." Bei Tui Cruises sind zunächst alle Kreuzfahrten mit Abreisetermin bis einschließlich 11. Mai abgesagt. Die Schiffe von Hapag-Lloyd Cruises pausieren teilweise bis Ende Mai.

Doch nach der jüngsten Anordnung der US-Behörde ist anzunehmen, dass auch die Zwangspause für Kreuzfahrtschiffe in Europa noch länger dauern wird. "Es kann bis auf Weiteres immer wieder – auch kurzfristig – zu Reiseabsagen kommen", heißt es bei Hapag-Lloyd Cruises.

Quelle: www.cdc.gov

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