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"MS Zaandam" vor Panama: Deutsches Paar sitzt auf Kreuzfahrtschiff im Pazifik fest: "Wir haben Angst"

Auf dem Kreuzfahrtschiff "MS Zaandam" sind vier Menschen offenbar an einer Corona-Infektion gestorben, seit Tagen dümpelt das Schiff vor Panama. Der stern sprach mit zwei deutschen Passagieren an Bord.

Seit dem 22. März sind mehr als 1200 Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff "MS Zaandam" vor Panama in Quarantäne und dürfen ihre Kabinen nicht mehr verlassen. Zuvor waren vier Menschen an Bord gestorben und zwei weitere wurden positiv auf das Coronavirus getestet.

Die Reederei gab Medienberichten zufolge an, dass sich mehr als 130 Menschen, Gäste und Besatzungsmitglieder, mit grippeähnlichen Symptomen gemeldet haben. Die Lage ist angespannt: Niemand darf das Schiff verlassen, einen Hafen darf die "MS Zaandam" nicht anlaufen, auch die Fahrt durch den Panamakanal wurde zunächst verweigert. Gemeinsam mit ihrem Schwesternschiff "MS Rotterdam" dümpelt das Schiff seit Tagen im Pazifik vor Panama.

Mit an Bord sind die 72-jährige Eva von Braunschweig und der 82-jährige Jürgen Wolf aus Wuppertal. Der stern erreichte das Paar am Sonntagnachmittag am Telefon und sprach mit ihnen …

MS Zaandam

Eva von Braunschweig und Jürgen Wolf hoffen, dass sie so schnell wie möglich von Bord der "MS Zaandam" und nach Hause können. Die Reederei hat offenbar damit begonnen, gesunde Passagiere auf ein Schwesterschiff zu transferieren.

DPA

… über die Versorgung an Bord. 

Sie dürfen die Kabinen nicht verlassen, erzählen sie. Das Essen werde ihnen vor die Tür gestellt. "Wir müssen dann Schutzmasken aufsetzen, erst dann dürfen wir die Tür öffnen und das Tablett reinholen", sagt Wolf. Auch in der Küche scheine Not zu herrschen. Die Abwechslung bei den Speisen nehme täglich ab. Der Mülleimer vor der Tür sei schon seit Tagen nicht geleert worden. Dies möchten sie aber ausdrücklich nicht als Beschwerde verstanden wissen. "Wir erwarten keinen Service", so von Braunschweig. "Wir hoffen nur, dass wir bald hier weg kommen." 

Es sei zudem ärztliches Personal von der "MS Rotterdam" hinübergekommen, die Versorgung mit Medikamenten werde ebenfalls gewährleistet. "Was sie tun können, tun sie", sagt Eva von Braunschweig.

… den Kontakt zu anderen Passagieren. 

"Wir haben Kontakt zu zwei weiteren deutschen Paaren. Da wir die Kabinennummern kennen, können wir anrufen", sagt von Braunschweig. Mit einem Paar unterhalte man sich "außen rum", durch das geöffnete Fenster. Das Internet sei nicht verlässlich, sodass WhatsApp und andere Dienste nicht immer funktionieren würden.

… ihr Befinden und die Stimmung an Bord 

"Wir haben eine irrsinnige Angst", sagen beide mehrmals ganz deutlich. Angst davor sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Der Stress und die nervliche Belastung zehren zusätzlich an ihnen. "Vor ein paar Tagen haben wir in der Kabine eine Frau schreien gehört“, sagt Eva von Braunschweig. Sie hätte geschrien, dass sie nicht sterben wolle. "Es war einfach furchtbar", schließt sie.

… die Information durch die Besatzung

"Zwei bis drei Mal am Tag wendet sich der Kapitän mit einem Statement an die Passagiere", erzählt Jürgen Wolf und fügt an: "Ich muss da deutlich sagen, das macht er schon hervorragend. Er gibt auch nur gesicherte Informationen weiter." Auch über die Toten und Erkrankten seien sie zeitnah informiert worden.  

… ihre Hoffnung darauf, wie es weitergeht

"So wie es jetzt aussieht, sollen alle über 70-Jährigen, die gesund sind, rüber auf die MS Rotterdam", sagt Wolf. "Aber ob man gesund ist, wird nur mit dem Fieberthermometer überprüft", ergänzt seine Frau, "das macht uns schon Sorgen". Der Transfer solle per Boot laufen, unter strengen Vorsichtsmaßnahmen.

"Wir haben schriftlich die Anweisung bekommen, dass wir nichts anfassen dürfen, wenn wir das Schiff verlassen, weil die Ansteckungsgefahr so immanent ist. Nicht den Lift, kein Geländer. Außerdem müssen wir den Mundschutz tragen", sagt Wolf. Ihre Hoffnung sei, dass es mit dem Schiff dann durch den Panamakanal und in Richtung Fort Lauderdale in Florida gehe. "Dort können wir dann hoffentlich in ein Flugzeug nach Deutschland steigen".

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"MS Zaandam" war seit dem 7. März unterwegs

Die Pressestelle der Reederei Holland America Line in Seattle war am Sonntag telefonisch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auf Facebook teilte das Unternehmen am Samstag mit, dass man hoffe, eine Genehmigung dafür zu bekommen, den Panamakanal zu durchqueren. Der Plan sei, die gesunden Passagiere zunächst per Boot auf die "MS Rotterdam" zu bringen. Die britische BBC berichtet, die Reederei habe zwischenzeitlich mit dem Transfer begonnen. Auch Fotos von Nachrichtenagenturen vermitteln diesen Eindruck.

Die "MS Zaandam" hat 1243 Passagiere und 586 Besatzungsmitglieder an Bord. Sie war am 7. März von Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires zu einer Kreuzfahrt aufgebrochen, die eigentlich am 21. März im chilenischen San Antonio enden sollte. Wegen der Corona-Pandemie hatte Chile allerdings inzwischen alle seine Häfen für Kreuzfahrtschiffe geschlossen.

Quellen: AFP,  "New York Times", "Reisereporter", BBC, Holland America Line (Facebook)

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