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Patagonien: Am wildesten Ende der Welt

Auf der Suche nach einer Passage zu den Gewürzinseln Hinterindiens entdeckte vor fast 500 Jahren der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan ein Land, dessen Klang noch heute die Sehnsucht von Reisenden entfacht: Patagonien. Die Südspitze Lateinamerikas ist wie eine Diva, die alles verspricht, aber kaum etwas hält.

Von Ralf Gantzhorn

Was Patagonien angeht, bin ich ein sehender Blinder. Deshalb erlaube ich mir, ein auf persönlicher Anschauung basierendes und daher völlig unausgewogenes Bild vom schönsten Ende der Welt zu präsentieren. Das Bild handelt von einer überirdisch schönen Landschaft, von Einsamkeit und Weite, von unberührten Gipfeln und Bergen jenseits menschlicher Zerstörungswut.

Dass die patagonische Realität deutliche Risse zeigt, ist mir klar. Überdeutlich sind auch an der Südspitze Amerikas die Spuren menschlicher Zerstörungswut zu sehen. Ob die Plastiktüten am Eingang jeden Ortes, der von Ölbohrtürmen zerhackte Horizont an der Küste, die von Brandrodung gekennzeichneten Wälder oder die sich immer weiter in die Wildnis hereinfressenden Strassen - die Zivilisation mit all ihren Begleiterscheinungen schreitet voran. Nur, ich weigere mich hier dieses zur Kenntnis zu nehmen, ich möchte mich selbst belügen. Denn sonst gäbe es das auf den nachfolgenden Bildern skizzierte Patagonien nicht mehr.

Die aufregendsten Gebirgsarchitektur der Welt

Aber - auch dieses Patagonien macht es seinen Liebhabern nicht leicht: Die Tage, an denen man sich wirklich wohlfühlt, sind wenige. Oftmals trügt der schöne Schein. Was auf Bildern lieblich und traumhaft romantisch aussieht, ist in Wirklichkeit stachlig, dornig, kalt, windig oder feucht. Öffnet man die Tür seines Autos, reißt sie einem der Wind aus der Hand. Wandert man durch eine Wiese, sind Socken und Schuhe mit Kletten übersät. Sanft und genussvoll geht es am südlichsten Ende der Welt selten zu. Eher im Gegenteil: Geradezu übermächtig erscheinende Naturgewalten prägen das Land und die Gefühle seiner Besucher.

Als Bergsteiger harrt man häufig tagelang in einem knatternden Zelt aus, schlägt die Zeit in stinkenden, tropfenden Eishöhlen tot oder rennt zum x-ten Mal, mit 30 Kilo Gepäck beladen, irgendeinen Hügel hinauf, nur um anschließend bereits am Einstieg der eigentlichen Route vom Sturm ins Tal getrieben zu werden. Alles umsonst - so scheint es. Geht dann am Morgen die Sonne auf, bietet sich ein Schauspiel, das so unwirklich schön ist, dass es sich für immer ins Gedächtnis brennt. Patagoniens Berge verheißen das alpine Mega-Erlebnis in der vielleicht aufregendsten Gebirgsarchitektur der Welt.

Süchtiger wider besseres Wissen

Und manchmal bekommt man es ja auch geschenkt. Allerdings zerplatzen 90 Prozent aller Besteigungsabsichten wie Seifenblasen im Wind, und man kehrt mit nichts als dem Bild eines surrealistisch mit Sahne überzuckerten Felskopfes in die Zivilisation zurück. Und doch ist dies allein Grund genug, zurückzukehren. Dass man sich dabei benimmt wie ein Süchtiger wider besseres Wissen, spielt keine Rolle. Denn man fällt zu gern auf die Diva Patagonien herein, die alles verspricht, aber kaum etwas hält.

Patagoniens Märchenwelt

Warum ist das so? Warum lässt man sich auf ein Spiel ein, bei dem doch von vornherein klar ist, dass die Wahrscheinlichkeit, mit einem "Fracaso" - also einem Fehlschlag - nach Hause zu fahren, so groß ist wie sonst nirgendwo auf der Welt? Weil, und jetzt spreche ich nur für mich: weil ich es mag! Weil ich den Wind liebe, die hier stets allmächtige Natur und ja, selbst das Warten auf besseres Wetter möchte ich nicht missen. Vielleicht nicht auf den ersten Blick. Aber: So viele Bücher kann ich guten Gewissens zu Hause nie lesen, so viel Zeit für Gedanken um unwichtige bis wichtige Dinge gibt einem in der westlichen Berufswelt niemand.

Bergsteigen in Patagonien ist das Gegenteil von Effektivität, Kosten-Nutzen-Denken, dem schnellen Erfolg. Allein deshalb ist es für mich ein unverzichtbarer Bestandteil meines Lebens geworden, ein imaginärer und gleichzeitig real existierender Fluchtpunkt. Die vielen Träume, die ein Blick in die patagonische Bergwelt liefert, sind ein weiterer Grund, zurückzukehren. Denn bei schönem Wetter ist die Gebirgswelt Feuerlands und Patagoniens eine Offenbarung: Tausende unbekannter, unbestiegender Gipfel glitzern dann in nah und fern, ein alpines Wunderland, das keine Wünsche offenlässt und den Entdecker aus Kindertagen in uns weckt. Etwas von dieser Märchenwelt möchte ich mit diesen Bildern präsentieren. Und damit den Mythos Patagonien als schönstes und wildestes Ende der Welt festigen.

Patagonien im Internet

Fremdenverkehrsbüros:


www.turismo.gov.ar (Argentinien, spanisch/englisch)
www.sernatur.cl (Chile, spanisch)
www.visit-chile.org (spanisch/englisch/französisch)

Tourismusportale:


www.welcomeargentina.com (guter Reiseführer, spanisch/englisch)
www.argentinaturistica.com (englisch/spanisch)
www.argentina-online.de (deutsche Privatseite mit vielen Infos)
www.chile-web.de
www.turistel.cl (der chilenische Michelin-Führer, sehr informativ, spanisch)

Nationalparks:


www.parquesnacionales.gov.ar (Argentinien)
www.conaf.cl (Chile, gut gemacht)
www.parquepumalin.cl

Umweltschutz:


www.patagonialandtrust.com

Klettern:


www.climbinginpatagonia.freeservers.com

Wetter:


www.wxmaps.org (Vorhersage für ganz Südamerika, englisch, sehr gut)
www.accu-wether.com (Vorhersage für Lago Viedma)
www.meteochile.cl (chilenischer Wetterbericht)

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