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Waterberg-Region: Safari hoch zu Ross

Südafrikas exotische Tierwelt lässt sich nicht nur vom Expeditionsfahrzeug aus erleben. Wer Nashörnern, Giraffen und Zebras auf natürlichere Art und Weise näher kommen möchte, sollte aus- und aufsteigen - um sich durch den Busch der Waterberg-Region von Pferden tragen zu lassen.

Von Helge Bendl

Man muss genau hinschauen, um die gut versteckte Lodge zu entdecken. Die Reetdächer von "Ant's Hill" sind nur ein paar dunkle Flecken in der grünbraunen Camouflage des Buschlands der Waterberge, und auch sonst scheint hier vieles der Natur nachempfunden. Der Swimming-Pool ist für die Gäste, ein paar Schritte weiter sprudelt in der Regenzeit ein echter Wasserfall, zur Freude des Stachelschweins, das Besucher stets neugierig beäugt. Wie "mitten in Afrika" solle man sich hier fühlen, sagt Besitzerin Tessa Baber, abseits der Zivilisation, die nahe ist und plötzlich doch weit weg: nur drei Stunden Fahrt von der Metropole Johannesburg. Einmal hier angekommen kann man das Auto aber getrost stehen lassen.

"Wir haben unser privates Wildreservat einst gegründet, um die Tiere und Pflanzen dieser Region schützen zu können. Auf vielen anderen Flächen in den Waterbergen weiden inzwischen Rinder und verdrängen die hier ursprünglich ansässigen Arten", erklärt Tessa Baber. Wenn Besucher zum ersten Mal bei ihr zu Gast sind, haben die meisten nur Augen für die großen Säugetiere: Breitmaulnashörner, Giraffen, Zebras und Gnus streifen durch den Busch. Erstaunlich viele Antilopenarten treffen sich in den kühleren Morgen- und Abendstunden an den Wasserstellen, zum Beispiel Nyala, Oryx, Säbelantilope und Livingstone-Eland. "Insgesamt lassen sich bei uns aber mehr als 40 Wild- und sogar mehr als 300 Vogelarten beobachten", sagt Tessa Baber.

Tierwelt naturnah erleben

Natürlich gibt es auch bei ihr die klassischen offenen Safarifahrzeuge, mit denen man über staubigen Pisten ruckelt. Doch viele Gäste kommen in die nach ihrem Mann (und nicht nach Ameisen) benannten Lodges "Ant's Nest" und "Ant's Hill", um die Tierwelt etwas naturnaher zu erleben - hoch zu Ross. Etwa 30 Pferde stehen bereit, so dass sowohl eher ängstliche Debütanten als auch erfahrene Reiter auf ihre Kosten kommen. Und weil hier Kinder jeden Alters willkommen sind, stehen auch Ponys für die ersten Gehversuche bereit.

Früher Start empfohlen

Ryan Phelan, ein sympathischer 26-Jähriger, hält in der Lodge "Ant's Hill" die Fäden in der Hand. Niemals käme er auf die Idee, seinen Gästen ein fixes Programm zu verordnen, so wie das in manch anderer Safari-Lodge praktiziert wird, wo Game-Drives und Tea-Times auf die Viertelstunde genau terminiert sind. Einen frühen Start hat er trotzdem empfohlen, der Kühle des Morgens wegen, und so klopft es schon um sechs Uhr leise an der Tür. "Kein Rennpferd, lieber ein gemütliches Tier" war am Vorabend der vorsichtige Wunsch des Neulings, und so schauen einen nun treuherzig die braunen Augen einer etwas älteren Stute an. Einmal im Sattel sind wir uns einig: Heute muss niemand galoppieren.

"Bricht leicht ab

So geht es schaukelnd den Hügel hinauf und hinab ins nächste Tal, eine gute halbe Stunde auf und ab im entspannten Trott. Die Sonne glüht über dem Horizont. Pflanzen ziehen vorbei, die man eigentlich gar nicht beachten würde, hätten ihnen die Siedler in ihrem Afrikaans nicht so sprechende Namen gegeben: Wir passieren den "Weinenden Baum", später kommen "Bricht leicht ab" und "Früchte am Stamm". Dann, in der Nähe einer Wasserstelle, warten wie bestellt die tierischen Attraktionen. Links die kleine Herde Zebras, dort das Breitmaulnashorn mit seinem Jungen.

Kurzer Blick, heftiges Schnaufen

Ein Auto hätte Lärm gemacht und Staub aufgewirbelt. "Wir lassen die Pferde oft frei laufen - dadurch sind die wilden Tiere an ihre Anwesenheit gewöhnt", flüstert Ryan Phelan. Von der Nashornmutter gibt es deswegen nur einen kurzen Blick und ein heftiges Schnaufen - dann grast sie mit ihrem Nachwuchs gemütlich weiter. Auch das eigene Pferd beginnt, die Pause nutzend, nach grünen Halmen zu suchen. Und für einen Moment lang hat man hier, mitten im afrikanischen Busch, für einen Moment die Illusion, wirklich ein Teil der Natur zu sein.