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Südafrika 2010: Das müssen Sie über die Fußball-WM wissen

Die WM 2010 rückt näher. Sie können es kaum erwarten und wollen mitfiebern? stern.de klärt für Sie die wichtigsten Fragen rund um das größte Fußball-Spektakel der Welt.

Von Marc Goergen, Kapstadt

Sie wollen zur WM 2010 nach Südafrika fliegen, aber wissen nicht, wie man an Tickets kommt? Sie waren noch nie in Südafrika und suchen eine geeignete Unterkunft? Was bedeutet der Fußball eigentlich für das Land Südafrika? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Fußball-Spektakel in Südafrika.

Wie komme ich an Tickets?

Die verschiedenen Verkaufsphasen, in denen man Karten via Internet bestellen konnte, sind abgeschlossen. Seit dem 15. April startet die Last-Minute-Verkaufsphase. Noch verfügbare Karten werden in der Reihenfolge des Bestelleingangs bearbeitet. Auch diese Karten kann man auf der Fifa-Seite bestellen. Die Übergabe der Eintrittskarten erfolgt allerdings direkt an der Verkaufsstelle in Südafrika. Bei mehr Anträgen als Karten wird gelost. Die billigste Karte für ein Gruppenspiel kostet 80 Dollar, die teuerste fürs Finale 900 Dollar. Südafrikaner bekommen die Karten übrigens günstiger.

Kann ich Flug, Hotel und Tickets in einem Paket buchen?

In Deutschland bieten etwa Dertour und Vietentours solche WM-Pakete an. Man ist dann zum Beispiel in einem Hotel in der Nähe von Johannesburg unterbracht und fährt mit Bus oder auch Flugzeug zu den Spielen. Fast immer sind in den Arrangements auch Ausflüge wie etwa in den Krügerpark mit drin. Eine Zwölf-Tages-Tour von Vietentours mit Flug, Hotel, Transfers, Ausflügen und Karten für zwei deutsche Gruppenspiele kostet zum Beispiel 4790 Euro.

In Südafrika ist während der WM Winter – was heißt das?

Die WM ist zwar in Afrika - es kann aber ziemlich kalt werden! Auf der Hochebene von Johannesburg sind die Wintertage normalerweise wolkenlos und können 20 Grad erreichen. Sobald die Sonne aber verschwunden ist, gegen sechs Uhr abends, wird’s rasch sehr kühl. Manchmal bis unter Null Grad. Und alle paar Jahre fallen sogar ein paar Schneeflocken. Eine richtige Heizung hat hier übrigens kaum jemand, man behilft sich mit Elektroheizern. Auch in Kapstadt kann es tagsüber bis zu 20 Grad warm werden. Die Nächte sind nicht so kalt wie im Norden, dafür regnet es häufiger. Nur rund um Durban spielen die Jahreszeiten keine so große Rolle. Hier kann man das ganze Jahr im Meer baden.

Wie gefährlich ist Südafrika?

Die Zahlen klingen erst mal abschreckend. Pro Tag werden hier etwa 50 Menschen ermordet - in Deutschland sind es bei der doppelten Einwohnerzahl sechs. Viele Häuser sehen aus wie kleine Festungen: eine hohe Mauer, darauf Elektrozaun und Stacheldraht, dazu das Schild eines privaten Sicherheitsdienstes. Und als neulich die alljährlichen Verbrechenszahlen veröffentlicht wurden, stöhnte wieder das ganze Land: Fast alle Kurven zeigen nach oben, Einbrüche etwa sind um 27 Prozent angestiegen. Dennoch sollten Besucher nicht in Panik ausbrechen. Südafrika ist ein sicheres und gern besuchtes Reiseland – immerhin acht Millionen Touristen kommen pro Jahr. Die Verbrechen spielen sich fernab der Touristenrouten ab. Und für die WM stellt Südafrika noch mal zusätzlich 41.000 Polizisten ein - für jedes Spiel werden davon 700 Mann abgestellt. Beherzigen sollte man: Nachts immer ein Taxi nehmen, nicht mehr Geld als notwendig bei sich tragen, die Innenstadt von Johannesburg abends meiden.

Wie finde ich ein Hotel?

Entweder über die Fifa. Die hat den Sportrechtevermarkter "Match" mit der zentralen Zimmervermittlung beauftragt. Oder eben auf eigene Faust übers Internet oder Reisebüro. Für beides aber gilt: Eine WM ist leider kein Schnäppchen-Urlaub. "Match" etwa schlägt auf den normalen Zimmerpreis dreißig Prozent Kommission drauf. Auch auf dem freien Markt werden die Preise in den WM-Wochen deutlich nach oben gehen: Im Skukuza-Camp im Krügerpark zum Beispiel kostet ein einfaches Zelt für vier Personen normalerweise 50 Euro. Während der WM werden es 500 Euro sein. Neulich erzählte mir eine Hotelbesitzerin aus Kapstadt: "Ich werde meine Preise verdoppeln. Und damit bin ich noch immer die günstigste in der Straße." Manche rechnen auch damit, dass Hotelbetten knapp werden. "Match" hat deswegen sogar Zimmer auf der Ferieninsel Mauritius geblockt. Ein Spiel kann da mit Hin- und Rückflug schon mal 17 Stunden dauern. Mein Tipp: Bed & Breakfast-Häuser. Die sind fast immer günstiger als Hotels und oft auch charmanter. Eine gute Zusammenstellung bietet: www.portfoliocollection.com. Und mit der Buchung nicht mehr lange warten!

Wie sind die Preise generell in Südafrika?

Die gute Nachricht: sehr günstig. Typische Ausgaben von Touristen, also Restaurants, Mietwagen oder auch Benzin sind viel billiger als in Deutschland. Den Cappuccino im Café gibt’s für einen Euro, ein Steak für unter 10 Euro und der Liter Benzin kostet 70 Cent.

Brauche ich ein Visum oder Impfungen?

Nein. Das Visum bekommt man kostenlos bei der Einreise am Flughafen. Es gilt für drei Monate. Man braucht auch keine besonderen Impfungen. Nur in der Tiefebene im Norden des Landes, also auch im Krügerpark, gibt es in manchen Gebieten Malaria. Hier empfehlen Gesundheitsämter, Prophylaxemittel einzunehmen, wie etwa Lariam oder Malerone. Während der WM ist allerdings dort Trockenzeit. Es gibt viel weniger Mücken als in der Regenzeit - und damit auch ein geringeres Malaria-Risiko.

Kann ich mich mit Englisch überall verständigen?

Südafrika hat zwar elf offizielle Amtssprachen wie Xhosa, Zulu oder Setho - Englisch aber spricht hier jeder - mit ein paar Eigenheiten. Ein "Robot" ist zum Beispiel kein Android - sondern schlicht eine Ampel. Das Afrikaans der Buren ist dem Holländischen sehr ähnlich und hat deswegen auch manche Verwandtschaft mit dem Deutschen. Das oft gebrauchte "lekker" zum Beispiel heißt so viel wie gut, hervorragend, gut schmeckend. Frei übersetzt eben: lecker.

Werden alle Stadien fertig?

Bittere Zeiten für Schwarzmaler - sie sind es sogar schon! Die Highlights: Soccer City in Johannesburg ähnelt einem afrikanischen Tontopf. Die Arena in Kapstadt liegt malerisch zwischen Ozean und Tafelberg. Und in Durban spannt sich ein über hundert Meter hoher Metallbogen über das Moses-Mabhida-Stadion. Alles perfekt also - wäre da nicht die übliche Kostenexplosion. Das Stadion in Kapstadt kostet 366 Millionen Euro. Kalkuliert war die Hälfte.

Welche Rolle spielt Fußball in Südafrika überhaupt?

Sportlich ist das Land noch immer gespalten. Weiße gehen lieber ins Stadion, wenn der Ball sehr klein ist - wie bei Cricket. Oder wenn der Ball ein Ei ist - wie beim Rugby. Unter Schwarzen aber ist Fußball die Sportart Nummer eins. In den Townships kicken Jungs an allen Ecken, und die Stars der hiesigen Liga von den "Kaizer Chiefs" und den "Orlando Pirates" oder auch die der englischen Premier League kennt jeder - Ballack inklusive.

Was macht ein Fußballspiel in Südafrika aus?

Erst mal viel Krach. Verantwortlich dafür ist die "Vuvuzela", eine Plastiktröte, die zwar nicht mehr zustande bringt als einen einzigen Ton - den aber ziemlich laut. Und das eben tausendfach. Ansonsten ist die Stimmung locker und friedlich, man tanzt und singt. Und mit der Pünktlichkeit nimmt man’s nicht so ernst. Manchmal spielen die Teams die erste Hälfte vor fast leeren Rängen, bis sich dann zur zweiten das Stadion doch noch komplett füllt.

Und wie macht sich die Mannschaft des Gastgebers?

Schwieriges Thema. Und eines, über das sich ganz Südafrika den Kopf zerbricht. Denn "Bafana Bafana", wörtlich übersetzt: die Jungs, sind in desolater Form. Von neun Spielen hat das Team acht verloren. Daraufhin hat der Verband den brasilianischen Trainer Joel Santana vor die Tür gesetzt und seinen Landsmann und Vorgänger Carlos Alberto Perreira zurückgeholt. Ob der allerdings dem Team das Selbstvertrauen zurück geben kann, bezweifeln viele. Selbst der stellvertretende Verbandspräsident Mwelo Nonkonya vertraut lieber auf überirdisches: "Was Bafana jetzt braucht, ist ein Messias".

Wie komme ich am besten von einem Spielort zum anderen?

Südafrika scheint zwar nur ein kleiner Zipfel am Südende Afrikas, es ist aber tatsächlich mehr als drei Mal so groß wie Deutschland. Von Johannesburg nach Kapstadt sind es 1400 Kilometer. Deswegen ist Flugzeug das wichtigste Transportmittel. Pro Tag gibt es zum Beispiel zwischen Kapstadt und Johannesburg mehr als dreißig Flüge und für die WM will "South African Airways" das Angebot noch mal aufstocken. Wer auf eigene Faust bucht, sollte nicht mehr lange warten. Da Reiseanbieter viele Plätze geblockt haben, werden die Flüge zur WM-Zeit recht dicht sein. Für kürzere Strecken, also etwa zwischen Johannesburg und Nelspruit oder Rustenberg, nimmt man am besten einen Mietwagen. Die lassen sich überall problemlos ausleihen und einen Kleinwagen gibt’s schon ab 30 Euro pro Tag.

Und wie zum Stadion?

Der öffentliche Nahverkehr ist das große Problem Südafrikas. Oder besser: es gibt fast keinen. Jeder, der es sich leisten kann, fährt mit dem eigenen Auto. Das führt in Johannesburg zu endlosen Staus - trotz manchmal zehnspuriger Straßen. Der Rest zwängt sich in Minibusse, deren Routen für Nicht-eingeweihte kaum verständlich sind. Man verständigt sich oft mit Handzeichen: Hält ein Fahrgast zum Beispiel in Johannesburg die Hände wie gefesselt in die Luft, will er nach Leeuwkop. Die Handschellengeste bezieht sich auf das dortige Gefängnis. Für die WM hat das Land 1000 neue Busse bestellt. Sie sollen die Fans von den Hotels oder Fan-Meilen zu den Stadien bringen. Außerdem wurde in Johannesburg vor einigen Wochen ein neues Schnellbusnetz eingeweiht, das die Innenstadt mit den beiden Stadien in Ellis Park und Soccer City verbindet.

Kann ich die WM mit Urlaub verbinden?

Man muss! Kaum ein Land ist so vielfältig wie Südafrika: Tierparks im Norden, Strände im Süden, dazu Weinberge, Wüsten, endlose Ebenen. Von Johannesburg oder Pretoria sind es nur ein paar Stunden Fahrt in mehrere Reservate. In Kapstadt beginnen die Rebhänge gleich hinter dem Tafelberg. Und wer nach einem Spiel in Durban noch ein wenig Zeit hat, sollte einen Abstecher in die Drakensberge machen - die Alpen Südafrikas: bis zu 3500 Meter hoch, durchzogen von kristallklaren Flüsse, mächtigen Bergkämmen und Hunderten Kilometer Wanderwegen.

Wo ist die deutsche Mannschaft untergebracht?

Im Velmoré-Hotel, einem Konferenz- und Hochzeitshotel zwischen Johannesburg und Pretoria. Zwei Pools, große Rasenflächen, gerade wird für unsere Jungs noch ein neuer Trakt mit Suiten gebaut. Und falls spiritueller Beistand notwendig wird: eine Kapelle ist auch vorhanden - gleich über dem Weinkeller.

Wird es auch wieder Public Viewing und Fan Feste geben, wie in Deutschland 2006?

Ist geplant. In Johannesburg zum Beispiel auf einem Platz am Rand des Zentrums in Newtown, in Durban an der Strandpromenade, in Kapstadt vor dem alten Rathaus. Dort soll auch eine Fußgängerzone vom Fan Fest zum Stadion angelegt werden - das ist nur ein paar Kilometer entfernt. Das Prinzip gleicht dem in Deutschland 2006: Leinwand, Souvenirs, Trink- und Ess-Buden. Die Probleme ähneln sich im übrigen auch: Schon jetzt murren etwa in Kapstadt die Händler, die sonst den Platz belegen, dass sie gerade während der WM nicht dort verkaufen können. Das dürfen nur die offiziellen Fifa-Partner.

Was kann ich lesen, wenn ich noch mehr wissen will?

Der Ratgeber Südafrika von stern.de funktioniert wie ein Reiseführer. Alle Fragen, die Sie bei der Vorbereitung auf Ihre Südafrika-Reise haben, werden darin beantwortet. Reiseführer zum Mitnehmen gibt’s zum Beispiel von Lonely Planet (auch auf Deutsch), Merian oder Reise Know-How. Ich empfehle den von Reise Know-How. Lesenswert ist noch immer die Autobiographie von Nelson Mandela ("Der lange Weg zur Freiheit"). Ein tolles Buch über die Geschichte und die Probleme Südafrikas seit Ende der Apartheid hat im letzten Jahr der Journalist und Historiker RW Johnson herausgebracht: "South Africa’s Brave New World." Leider ist es bislang nur auf Englisch zu haben.

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