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Tag 18 - Entdeckungen in Luang Prabang: Elefant im Ruhestand

In Laos, dem "Land der eine Million Elefanten", sind die Dickhäuter noch Arbeitstiere und nicht nur eine Attraktion für Touristen. Ein Deutscher baut ihnen nun ein Altersheim.

Von Helge Bendl

Behäbig stapfen die Kolosse durchs braune Wasser. Ihre neugierigen Rüsssel schlenkern hin und her, pflücken sich hier einen Zweig, wühlen dort im Schlamm. Der Fluss ist ihr Ziel, wo sie mächtig prustend in die Knie gehen und bis zu den Augen im Wasser versinken. Den Rest des täglichen Bads erledigen die Mahouts für sie, jene professionellen Treiber, die ihre Tiere seit Jahren kennen und mit ihnen ein Leben lang arbeiten. Sie sitzen wie immer auf dem Kopf der grauen Riesen und bespritzen sie mit Wasser, bis es zur Futtersuche in den Wald geht. Die allabendliche Wäsche gehört zum Ritual eines Arbeitselefanten in Laos. Nur dass diese Tiere hier heute keine Baumstämme mehr verladen müssen: Die Handvoll Elefanten im "Elephant Park" von Luang Prabang tragen nur noch leichtgewichtige Touristen. Der Deutsche Markus Neuer hat ihnen quasi ein Altersheim gebaut: "Wir wollen den Elefanten ein besseres Leben ermöglichen und erreichen, dass sie nicht mehr so hart arbeiten müssen."Manche sind blind, andere lahmen und alle haben eine Haut, auf der sich Narben abzeichnen und schlecht verheilte Verletzungen von einem harten Einsatz erzählen. Die Arbeitselefanten haben kein leichtes Leben in Laos, wo die Tiere immer noch im Wald eingesetzt werden, um Baumstämme an steilen Hängen hinauf zu ziehen oder auf Frachter zu verladen, die auf dem Mekong verkehren. Um sie zur Arbeit überhaupt nutzen zu können muss erst einmal ihr Wille gebrochen werden - Tierschützer haben in Filmen dokumentiert, dass die Elefanten dabei mit Schlägen, Stromstößen und Verbrennungen regelrecht gefoltert werden. Je nach Einsatz sind die Tiere nach 30, manchmal schon nach 15 Jahren Arbeit ausgelaugt und nicht mehr für den harten Einsatz im Wald zu gebrauchen. Sie werden arbeitslos und mit ihnen auch ihre Treiber, die nicht wissen, wo sie die 300 Kilo Grünzeug herbekommen sollen, die ein Elefant am Tag herunter schlingt. Als Reisbauer findet man es sicher gar nicht witzig, wenn solche Tiere auf der Suche nach Nahrung die Felder umgraben.

Land der eine Million Elefanten

In Thailand sind Elefantencamps, bei denen Touristen auf den Tieren reiten können, zu einem einträglichen Geschäft geworden. Hier kann man sogar von Elefantenrüsseln gemalte Bilder kaufen, mit Elefanten leben, sie füttern, waschen und sich in einem Schnellkurs zum Mahout ausbilden lassen. Ein wenig denkt der in Laos lebende Deutsche Markus Neuer sicher nicht nur als Tiere liebender Mensch, sondern auch als Unternehmer, wenn er in Luang Prabang das "Elephant Park Project" betreibt: Hier sollen Arbeitselefanten einen angenehmen Ruhestand genießen und keine Baumstämme mehr rücken müssen, sondern Touristen zu Wasserfällen tragen. Nicht ganz zufällig liegt das Camp gegenüber einer Bungalow-Anlage von "Tiger Trail Adventure": So heißt der von Markus Neuer, einem anderen Deutschen und einem Laoten geführte Veranstalter von Outdoor- und Adventure-Touren. "Die Tiere stibitzen manchmal sogar die Bananen von den Balkonen der Touristen", erzählt Markus Neuer. "Sie sind eine Attraktion, weil man sie in ihrer natürlichen Umgebung erleben kann. Wir haben extra einige Hektar Land gekauft und geregelt, dass die Tiere sich im Wald ihre Nahrung selbst suchen können." Wie viele Elefanten, ob wild oder als Arbeitstiere, heute in Laos leben, ist nicht bekannt. Früher aber nannte ein laotischer König sein Reich stolz das "Land der eine Million Elefanten".

Juwel am Mekong

Dessen Thron stand in der Stadt Luang Prabang, und hierher kehren wir nach dem Ausflug zu den Elefanten zurück. Schon der erste westliche Besucher war von der idyllischen Lage des Ortes begeistert. "Ein lieblicher Anblick, der mich an die Seenlandschaften von Como und Genf erinnert. Der Ort wäre ein kleines Paradies, wäre da nicht die tropische Sonne", schrieb der Naturforscher Henri Mouhot im Jahr 1861. Daran hat sich bis heute wenig verändert, nur dass es mehr Besucher aus dem Ausland gibt. Vor zehn Jahren hat die Unesco das "Juwel am Mekong" auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt. Mit Geldern der Europäischen Union vor dem Verfall bewahrt werden nicht nur die mehr als 200 Tempel der Stadt, die Wohnhäuser aus Holz und die Kolonialarchitektur der Franzosen, die hier ihre Spuren hinterlassen haben.Geschützt werden soll auch die Kulturlandschaft - dazu zählen die Gemüsebeete am Mekong, die jedes Jahr nach der Regenzeit neu entstehen. Die Kultur selbst können Gesetze und Verordnungen nicht schützen. Doch seit Touristen in die Stadt kommen floriert plötzlich das Kunsthandwerk, das unter den Kommunisten brach lag - Silberschmiede, Weber, Schneider, Holzschnitzer sind plötzlich wieder gesucht. Und an den Tempeln sieht man vielerorts Baugerüste - die Mönche und Novizen restaurieren hier oft selbst.Sie geben Luang Prabang seine charakteristische Farbe, wenn sie mit ihrem orangefarbenen Gewand durch die Straßen gehen. Morgen früh, vor der Abfahrt unseres Schlauchboots, werden wir sie kurz nach Sonnenaufgang auf ihrem Almosengang begleiten.

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