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Technik: Tough wie ein Toughbook

Drei Wochen lang sind die Reporter von stern.de auf dem Mekong unterwegs und berichten täglich mit Texten, Fotos und Videos über die Expedition. Wie kann das funktionieren?

Von Helge Bendl

"Das unverwüstliche Notebook für die härtesten Jobs": Dieser Werbeslogan klingt genau nach dem, was wir dringend brauchen. Drei Wochen lang werden wir für stern.de berichten, wie es uns auf der Fahrt von Saigon bis nach China ergeht. Vorproduzieren kann man da nichts: Alle Texte für das Extra "Abenteuer Mekong" müssen tagsüber auf dem Fluss, abends oder nachts in der Unterkunft geschrieben werden. Alle Bilder, fotografiert mit der D2x, der im Moment besten Digitalkamera von Nikon, müssen vom Fotoapparat auf das Notebook überspielt und heruntergerechnet werden. Das gilt auch für alle Videobänder der HDV-Kamera - hier muss der Computer sogar schnell genug sein für den Videoschnitt. Wir brauchen also Notebooks. Doch was für welche? Die Laptops mitnehmen, mit denen man zu Hause im Büro arbeitet? Keine Chance, sie heil wieder nach Deutschland zu bringen. Die Temperaturunterschiede, das ständige Rütteln auf dem Boot, das Werfen der Gepäckstücke, Spritzwasser in den Stromschnellen: Wir hätten sie wahrscheinlich innerhalb von ein paar Tagen ruiniert. Gestorben wäre dann die Idee, jeden Tag online über die Expedition zu berichten. Bei einem Festplattenschaden wäre dann auch das ganze Fotoarchiv im Daten-Nirvana verschwunden. Wir suchen nach einer besseren Lösung.

Die Lösung für unsere Probleme

Ein Aufprall aus 90 Zentimetern Höhe? Laut Hersteller kein Problem. Schutz vor Vibration und Stößen: selbstverständlich. Ein inneres thermisches Leitsystem, das die Absorption von Hitze verhindert: noch besser angesichts der tropischen Temperaturen, die uns erwarten. Alle Fugen und Außenabdeckungen versiegelt, so dass das Gerät nicht nur wasserfest ist, sondern auch vor Staub geschützt: ideal für unseren Einsatz. Bis zu acht Stunden Akkulaufzeit: Genau dann wichtig, wenn die Idee für den Artikel etwas länger braucht, um sich zu formen, oder an einem Tag besonders viel Rechnerleistung gefragt ist. Die Lösung für unsere Probleme: Die äußerst robusten Notebooks, die der Marktführer Panasonic unter der Marke "Toughbook" vertreibt. Laut Eigenwerbung sind sie unverwüstlich und werden nicht nur von den "Gelben Engeln" des ADAC eingesetzt, sondern auch bei Rallyes in der Sahara, auf Baustellen und im Wald - eben überall, wo man als Rechner tough sein muss, um Hitze, Kälte, Schläge, Wasser und Dreck zu überstehen. Oder eben alles zusammen auf einer Mekong-Expedition.Zwei dieser Toughbooks haben wir im Gepäck, dazu ein Satellitentelefon mit aufklappbarer Antenne, so dass wir auch von entlegenen Gegenden ohne Telefonleitung Daten mit ISDN-Geschwindigkeit senden können. Ansonsten schicken wir die tägliche Lieferung an stern.de übers Handy. Die Bilder werden in der Redaktion der "Agentur Zeitenspiegel" bearbeitet - dazu braucht man einen kalibrierten Monitor, und den können wir nun wirklich nicht auch noch mitnehmen. Mit Film- und Fotokameras, Zubehör, Akkus und allen Kabeln kommen wir auf ein Gewicht von 100 Kilogramm. Wir sind es ja gewöhnt, mit Übergepäck zu reisen, aber diese Zahl ist dann doch Rekord. Glücklicherweise unterstützt Singapore Airlines als einer von Südostasiens besten Fluggesellschaften die Mekong-Expedition - beim Einchecken gibt es also keine Probleme. Aber später - weil wir alles ein paar Dutzend Mal das Mekong-Ufer hinauf und am nächsten Morgen wieder hinunter schleppen müssen.

Hart auf Hart

Tägliche Berichterstattung für stern.de - viele User haben uns gefragt, wann wir denn die Videos schneiden und die Texte schreiben würden, schließlich seien wir ja den ganzen Tag auf dem Fluss unterwegs. Wir hatten uns alles ein wenig entspannter vorgestellt. Fünf bis sechs Stunden auf dem Fluss hatte Andy Leemann geplant - das hätte uns tagsüber oder am Abend genügend Zeit zur Produktion gelassen. Doch weil wir tatsächlich häufig von kurz nach Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang oder noch länger den Mekong hinauffahren, gibt es keine Alternative zum Produzieren nach dem Abendessen. Texte lassen sich auch bei längeren Reparaturpausen schreiben, doch mehr als fünf Stunden geschlafen haben wir eigentlich nie. Alle paar Tage kam es dann hart auf hart - wir mussten die ganze Nacht durcharbeiten, weil immer wieder etwas nicht funktionierte. Einmal klappte das Einlesen der Bänder nicht, weil die Kamera Probleme machte, ein andermal war der Satellit plötzlich nicht mehr zu orten. Haarig wurde das Ganze, wenn es bei den spontanen Übernachtungen am Fluss oder in laotischen Dörfern keinen Strom gab und wir uns die verfügbare Energie gut einteilen mussten. In der Expeditions-Crew haben wir aber verständnisvolle Mitstreiter gefunden: Sie brachten uns das Essen sogar ins Guest House, als wir stundenlang versuchten, eine Verbindung zum Satelliten herzustellen. Wie viele Flusskilometer des Mekong wir dann am nächsten Tag verschlafen haben, auf dem Boden der Schlauchboote oder ein wenig besser gepolstert auf dem Gepäckberg? Nicht viele. Die Crew hat versprochen, uns immer zu wecken, wenn es etwas Interessantes zu sehen gibt. Und das Versprechen dann auch gehalten.

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