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United Airlines: Gebrochene Nase: Polizei-Bericht gibt rausgeworfenem Passagier die Schuld

Die Videobilder gingen um die Welt und haben den Ruf von United Airlines nachhaltig beschädigt: Bei einem überbuchten Flug wurde ein Passagier aus dem Flugzeug gezerrt. Jetzt wurde ein Dokument veröffentlicht, das den Fall ganz anders darstellt.

United Express

Der gewaltsame Rausschmiss des Passagiers ereignete sich am O'Hare Airport in Chicago an Bord einer Maschine von United Express.

Es war ein PR-Supergau für die Fluglinie United Airlines, als der Passagier Dr. David Dao am 9. April in Chicago gegen seinen Willen brutal aus dem Flugzeug geschleift wurde. Bei dem Vorfall hatte er zwei Zähne verloren, eine Gehirnerschütterung erlitten und sich die Nase gebrochen. Andere Passagiere filmten die Szene und verbreiteten die Clips über die sozialen Netzwerke. Ein Shitstorm gegen die Airline brach los und Boykottaufrufe waren die Folge.

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Jetzt schildert die "Los Angeles Times" eine neue Sicht auf den Zwischenfall: aus der Perspektive eines Flughafenpolizisten. An das offizielle Polizeiprotokoll ist die kalifornische Tageszeitung aufgrund des Freedom of Information Act gekommen, das jedem das Recht einräumt, den Zugang zu Dokumenten von staatlichen Behörden zu erhalten.

Die Ereignisse vor dem Rauswurf

"Zwei der Flughafenpolizisten geben Dao die Schuld für seine Verletzungen", schreibt die "Times" und zitiert aus dem zwölfseitigen Bericht des Chicago Department of Aviation. Der Beamte "James Long konnte die Person packen und zog ihm vom Fensterplatz weg in Richtung Gang. Aber plötzlich begann die Person zu schlagen und zu kämpfen." Angeblich stieß Dao den Arm des Beamten zurück, wodurch "die Person auf die Armlehne auf der anderen Seite des Gangs fiel und sich am Mund verletzte."

Ausschnitt aus dem zwölfseitigen Polizeiprotokoll des Department of Aviation in Chicago zum United-Zwischenfall am 9. April 2017.

Ausschnitt aus dem zwölfseitigen Polizeiprotokoll des Department of Aviation in Chicago zum United-Zwischenfall am 9. April 2017.


Laut den Aufzeichnungen des Flughafenpolizisten Mauricio Rodriguez soll Dao zuvor gesagt haben: "Ich verlasse diesen Flug nicht, für den ich bezahlt habe. Mir ist es egal, wenn ich verhaftet werde." Nach seiner Weigerung eskalierte der Streit, bevor die Passagiere zu ihren Handys griffen und die Deportierung im Video festhielten. Der Rest ist hinreichend bekannt.

Am Ende des Polizei-Dokuments schreibt ein weiterer am Zwischenfall Beteiligter, der Officer Steven Smith: "Dieses Aussage mache ich nicht freiwillig, sondern unter Zwang..., weil ich weiß, dass ich meinen Job verlieren könnte."

Polizeireport sei "völliger Unsinn"

Tatsächlich hatte der Vorfall am O’Hare International Airport auch für die beteiligten Beamten Konsequenzen. Long und zwei seiner Kollegen wurden vom Dienst suspendiert.

Oscar Munoz, der Chef von United Airlines, hat sich offiziell für den Rauswurf des Passagiers entschuldigt. Seine Beförderung  im kommenden Jahr auch die Leitung des Verwaltungsrats zu übernehmen, wurde auf Eis gelegt.

Der 69-jährige Dao will die Fluggesellschaft wegen Körperverletzung verklagen. Sein Rechtsanwalt Thomas Demetrio, der den Fall übernommen hat, hat die Darstellung der Flughafenpolizei dagegen als "völligen Unsinn" bezeichnet.

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