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Wandern am Point Reyes: California to go

Der Natur so nah: Ja, San Francisco ist schön. Noch schöner ist nur das Umland der Golden City. In Marin County locken Wanderungen mit allem, was Nordkalifornien so betörend macht: Küste, Gipfel und Wälder.

Von Beate Wild

Brandung an der Küste

In Point Reyes spaziert man vorbei an meerumschlungenen Felsen, Sandstränden mit schäumenden Wellen und bekrönt von sattem Grün.

Der sandige Weg vor mir mäandert durch ein Meer aus grünen Büschen und Blumen, die blau, gelb und rosarot blühen und einen süßen Duft verströmen. Links braust der Pazifik, rechts schwappt das Was­ser durch die Tomales Bay, die sich wie ein Fjord ins Festland hineinschlängelt. Am Ende dieser Land­zunge liegt Tomales Point. Da will ich hin.

Die Halbinsel ist Teil des Point Reyes National Seashore Park, der 1962 von Präsident John F. Kennedy zum Schutzgebiet erklärt wurde und nur 50 Kilometer nordwestlich von San Francisco liegt. Schon Tage vor meinem Ausflug hatten mir Freunde von meinem Ziel vorgeschwärmt: „Mach unbedingt ein Picknick an einem der Strände.“ Und: „In der Gegend gibt es Austernfarmen, dort kannst du die besten Austern in ganz Kalifornien essen.“

Ein Grauwal taucht auf

Mit diesen Ratschlägen im Gepäck bin ich heute mit dem Auto bis zur Pierce Point Ranch gefahren, einem verlassenen Bauernhof inmitten grüner, sanfter Hügel, dem Startpunkt des Tomales Point Trail.

Etwa eine Stunde von dort entfernt lege ich die erste Verschnaufpause ein und starre auf den tief­blauen Pazifik – wo sich plötzlich Großes bewegt: ein Grauwal. Sein glänzender Rücken erhebt sich aus dem Meer, dann die Schwanzflosse, und als sie wieder eintaucht, spritzt das Wasser in die Höhe.

Leuchtturm im Gegenlicht

55 Kilometer nördlich von San Francisco: Der bekannte Leuchtturm am Point Reyes.


Point Reyes ist Whalespottern wohlbekannt. Sie kommen zwischen Januar und April hierher und beobachten die großen Tiere, die hier vorbei­schwimmen auf dem Weg von Alaska in die warmen Gewässer Mexikos – den Kreißsaal der Wale. Ist der Nachwuchs geboren, treten sie den Rückweg an in die nährstoffreichen kalten Gewässer im Norden. Dann sieht man von meinem Aussichtspunkt am Wanderweg die Kleinfamilien vorbeiziehen. 

Zum Tomales Point

Nach einer Sandwichpause mache ich mich wie­der auf, laufe Kilometer um Kilometer Richtung Tomales Point. Kurz vor dem Ziel wird der Pfad so steil und sandig, dass ich das Gefühl habe, eine Sanddüne hinaufzuklettern. Die Sonne brennt, ein­zig die Brise, die vom Ozean hereinweht, sorgt für Abkühlung. 

Und dann – wie aus dem Nichts – sehe ich plötzlich ein Dutzend Tule-Wapitis, nicht ein­mal 100 Meter entfernt. Sie schauen mich Gras kauend an, eher neugierig als nervös. Klar, das hier ist ihr Terrain.  Fast 300 leben in diesem Paradies. Noch vor ein paar Jahren allerdings waren es fast doppelt so viele. Die große Dürre beutelt vermutlich auch die Wapitis von Point Reyes.

Noch ein paar Minuten, dann bin ich am Ziel: am äußersten Zipfel der Landzunge. Tief unter mir don­nern Wellen an die Felsen und Strände. Die Blumen rieche ich nicht mehr, aber den Duft des Meeres.

Infos:

Hinkommen: Über U. S. Highway 101, den Sir Francis Drake Boulevard und den Shoreline Highway bis Point Reyes Station. Von dort nach Inverness zur Pierce Point Road, der Sie weitere 18 Kilometer bis zur Pierce Point Ranch folgen. Kostenloser Parkplatz, 1 Bear Valley Rd, Point Reyes Station.

Route: Der Wanderweg zum Tomales Point startet hinter dem verlassenen Gehöft. Verlaufen kann man sich nicht: Es führt nur ein Weg zur Spitze. Einfach den Hinweisschildern folgen.

Schwierigkeitsgrad: Leicht, da kaum Höhenmeter zu bewältigen sind. Gegen Ende ist der Weg sehr sandig und daher beschwerlicher. Am besten Sportschuhe tragen.

Länge: 16 Kilometer, Gehzeit ohne Pausen 4,5 bis 5 Stunden.

Einkehrmöglichkeiten: Unterwegs keine. Unbedingt genug Wasser einpacken, am besten auch ein Picknick.

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