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Boeing 777 der Swiss: Happy End für den Pannenjet in der Eiswüste

Nach der einwöchigen Reparatur unter extremsten Bedingungen konnte die in Nordkanada gestrandete Boeing 777 mit einem neuen Triebwerk wieder abheben. Doch das Flaggschiff der Swiss flog nicht zu ihrem ursprünglichen Ziel in den USA.


Große Erleichterung bei allen Beteiligten: Das Bangen um die Boeing 777-300 der Schweizer Fluggesellschaft, die am 1. Februar aufgrund von Triebwerksproblemen eine außerplanmäßige Landung in kanadischen Iqaluit einlegen musste, ist am Donnerstagmorgen in Zürich gelandet - mit neuem Triebwerk und nur der Cockpit-Crew an Bord.

flightradar24 LX 5177

In der Nacht zu Donnerstag flog die Boeing 777-300 mit dem neuem Triebwerk in 5 Stunden und 48 Minuten zurück nach Zürich

Der Sonderflug mit der Nummer LX5177 startete am Mittwoch um kurz vor Mitternacht Ortszeit und legte die gut 4800 Kilometer lange Strecke in 5 Stunden und 48 Minuten zurück.  Kuthula Matshazi, einer der 6000 Einwohner, hat auf Twitter einen Clip hochgeladen, der von seinem Fenster aus zeigt, wie die reparierte Boeing zum Start rollt.

Vorausgegangen war ein Triebwerkswechsel, der unter den arktischen Bedingungen bei Temperaturen von minus 30 Grad eine große Herausforderung für alle beteiligten Techniker und Logistiker war. Denn die Arbeiten konnten nicht in einem Hangar durchgeführt werden. 

Um das beschädigte Triebwerk musste zunächst ein beheizbares Zelt errichtet werden, das von einen Antonow AN-124 - eine der größten Frachtmaschinen der Welt - zusammen mit der acht Tonnen schweren Ersatz-Engine vom Typ GE90 und Spezialisten eigens aus Zürich eingeflogen wurde.


Den Ingenieuren gelang am 6. Februar die Demontage des defekten linken Triebwerks mit Kränen. Einen Tag später konnte das neue an der Tragfläche fixiert werden. "Nach einigen Tests und den anschließenden Formalitäten konnte die Maschine dann in Richtung Schweiz starten", berichtete der Pressesprecher Stefan Vasic dem stern.

Nach Angaben des "Aviation Herald" schaltete sich das Triebwerk in der erst acht Monate alten Boeing auf dem Swiss-Flug von Zürich nach Los Angeles in der letzten Woche automatisch ab, weil es im Getriebe zum N2-Rotor mechanische Probleme gab. Zwar können zweistrahlige Jets mit nur einer Turbine weiterfliegen, aber aufgrund von Sicherheitsbestimmungen für zweimotorige Flugzeuge muss der nächstgelegene Airport angeflogen werden.

Nachdem die Boeing vergangenen Mittwoch in Iqaluit gelandet war, blieben die 217 Menschen aufgrund der eisigen Temperaturen an Bord, ehe sie von einer Ersatzmaschine der Swiss in der Nacht abgeholt und nach New York gebracht wurden.

Unter den Passagieren befand sich auch der Sänger Leroy Sanchez, der sich während des Aufenthaltes am Boden per Twitter meldete. 

Doch die Stimmung an Bord sei durch die Betreuung der Flugbegleiter gut gewesen. Für ihn dauerte die Reise nach Los Angeles 37 Stunden.

Am Donnerstagmorgen landete die Boeing mit der Kennung HB-JND um 8.14 Uhr ohne Probleme auf der Piste 14 des Flughafens Zürich. "Die Maschine wird nun kleineren Wartungs- und Reinigungsarbeiten unterzogen und wird aller Voraussicht nach morgen in den Linienbetrieb von Swiss zurückkehren", sagte der Sprecher dem stern.

HB-JND

Im Landeanflug auf den Heimatflughafen Zürich: Die Boeing mit der Kennung HB-JND der Swiss am Donnerstagmorgen.

Auch die Antonow AN-124 hat inzwischen die Eiswüste wieder verlassen und das defekte Triebwerk zum Hersteller GE Aircraft Engine Services nach Cardiff in England gebracht, wo die Ursache des Schadens untersucht wird.

Glimpflicher verlief ein weiterer Triebwerksausfall einer Boeing 777-200 von Austrian Airlines auf dem Flug von Bangkok nach Wien vor wenigen Tagen. Die Maschine musste in Istanbul außerplanmäßig landen.

Ein Ersatzflugzeug holte die Passagiere am Montagnachmittag ab. Es handelt sich dabei um den zweiten Triebwerksausfall einer Boeing 777 im Lufthansa-Konzern innerhalb einer Woche.


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