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Air-France-Airbus: Glück im Unglück: So gefährlich war die Triebwerksexplosion beim A380

Es ist der Horror für jeden Piloten, wenn sich mitten im Reiseflug Teile vom Triebwerk lösen. Deshalb musste am Wochenende ein Airbus A380 von Air France in Kanada notlanden. Es ist nicht der erste Zwischenfall dieser Art.

"Es gab einen lauten Knall, und wegen der Vibrationen dachte ich sofort, dass das Triebwerk ausgefallen war", sagte ein Passagier an Bord des Air-France-Fluges von Paris nach nach dem Zwischenfall. "Einen Moment lang dachte ich, dass wir abstürzen", berichtete der ehemalige Flugzeugmechaniker David Rehmar der BBC.

Was war geschehen? Der Airbus A380 mit der Flugnummer AF66 war am 30. September um kurz nach 10 Uhr auf dem Flughafen Charles de Gaulle mit dem Ziel Los Angeles gestartet. An Bord befanden sich 497 Passagiere und 23 Besatzungsmitglieder. Als die Maschine die Insel Grönland überflog, passierte es: Nach einem lauten Knall "wackelte die Kabine. Jemand hat geschrien, und da wussten wir, dass etwas nicht stimmt", schilderte die Passagierin Sarah Eamigh die Situation.

Die Fluggäste, die im vorderen Teil des doppelstöckigen Flugzeuges auf der rechten Seite am Fenster saßen, trauten ihren Augen nicht: Beim vierten Triebwerk, das äußere auf der rechten Tragfläche, fehlten plötzlich der gesamte vordere Teil mit der Verdichterschaufel sowie die äußere Verschalung.

Panik an Bord soll nicht ausgebrochen sein. Das Personal habe sich sehr professionell verhalten, berichten übereinstimmend die Medien. Mit nur drei funktionstüchtigen Triebwerken flogen die Piloten weiter zum Flughafen von Goose Bay an der kanadischen Ostküste. Die Notlandung auf dem Militärflughafen verlief einwandfrei, wie ein Video auf Youtube belegt. Jedoch standen zunächst auf dem abgelegenen Airport keine geeigneten Treppen für das größte Passagierflugzeug der Welt zur Verfügung.

Explodierende A380-Triebwerke

Bereits 2010 war ein Triebwerk A380 der australischen Fluggesellschaft Qantas nur vier Minuten nach dem Start in Singapur explodiert. Dabei hatten umherfliegende Metallteile den Flügel durchbohrt und unter anderem Hydraulikleitungen beschädigt. Damals war der Defekt an einem Trent 900-Triebwerk des Herstellers Rolls-Royce aufgetreten und hatte zu einem vorübergehenden Grounding eines Teils der A380-Flotten weltweit geführt. Im aktuellen Zwischenfall von handelt es sich um eine Turbine der Engine Alliance, einem Joint Venture der Hersteller General Electric und Pratt & Whitney.

Dass in diesem Fall nichts schlimmeres passierte, war auch Glück: Umherfliegende Trümmerteile sind eine große Gefahr, denn in den Tragflächen befinden sich die Treibstofftanks. Durch mögliche Leckagen kann sich auslaufendes Kerosin leicht entzünden. Bei einer Explosion können auch Metallteile wie Geschosse die Außenwand durchbohren und Menschen in der Kabine verletzen.

Doch durch den hohen Wartungsstand der Triebwerke und die Datenfernübertragung noch im sind Zwischenfälle dieser Art sehr selten. Auch ein Flugzeug wie die Boeing 777 kann nach einem Triebwerksausfall mit nur eine Turbine weiterfliegen und sicher landen, wie das Beispiel eines Jets der Swiss Anfang 2017 zeigte.

Mitarbeiter des Canadian Safety Boards of Canada waren am Sonntag nach Goose Bay gereist, um den Havaristen zu untersuchen. Air France schickte nach Angaben der Website "Aviation Herald" eine Boeing 777-300, die zuvor in Montreal gelandet war, nach Goose Bay, um die gestrandeten Passagiere weiter nach Los Angeles zu fliegen und charterte zusätzlich eine Boeing 737.


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