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Horrorflug nach Hawaii: Boeing verliert Triebwerksteile mitten über dem Pazifik

Es sollte eine Reise ins Ferienparadies werden. Doch der Flug wird ein Horrortrip: Mit einem lauten Knall löst sich plötzlich die Verschalung von einer der beiden Turbinen. Das ganze Flugzeug fängt zu vibrieren an. Ein Passagier filmt das Drama.

Der getwitterte Satz zeugt von Todesangst: "So könnte eine United 777 voller ruhiger Menschen aussehen, die sich auf den Tod vorbereiten", schrieb Jeff Carter, einer von 363 Passagieren an Bord des United-Fluges mit der Nummer UA1175 auf dem Weg von San Francisco nach Hawaii.

Zunächst lief nach dem Start auf dem Internationalen Flughafen von San Francisco am Dienstag gegen 9 Uhr noch alles nach Plan. Doch 45 Minuten vor der Landung auf dem Daniel K. Inouye International Airport in Honolulu gab es erst einen "heftigen metallischen Knall", wie ein anderer Fluggast auf Twitter schrieb. Dann wurde die Großraummaschine minutenlang durchgerüttelt.

Fluggäste mit einem Fensterplatz auf der rechten Seite trauten ihren Augen nicht: Von dem Triebwerk unter der rechten Tragfläche hatte sich die gesamte vordere Abdeckung gelöst und war ins Meer gestürzt. Mit ihren Handys filmen mehrere Insassen der Boeing 777-200 die gruselige Szene.

"Das war der unheimlichste Flug meines Lebens", postete Maria Falaschi unter dem #UA1175 auf Twitter. Denn zunächst war unklar, ob das Triebwerk für den Rest des Reisefluges bis Honolulu durchhält.

Mit Humor nahm es dagegen Erik Haddad. Er kombinierte ein Foto aus dem Flugzeugfenster mit der aufgeklappten Notfallanleitung, die in jeder Rückenlehne des Vordersitzes steckt: "Ich sehe nichts davon in dieser Gebrauchsanweisung", kommentierte er sein Bild.

Die zehnköpfige Besatzung des beschädigten Flugzeuges muss sich vorbildlich verhalten haben. "Die Flugbegleiter waren sehr professionell, aber sie hatten Angst. Das konnte man an ihrem Gesicht erkennen", sagte später eine Passagierin zu ABC-News.

Die Piloten flogen die Maschine sicher nach Hawaii und landeten 45 Minuten nach dem Vorfall auf der Bahn 08R in Honolulu, wo die Boeing von der Flughafenfeuerwehr erwartet wurde. "Ich dachte, die Vibration würde das Triebwerk zerstören, aber wir haben es geschafft", schrieb erleichtert Jeff Carter. Die Passagiere konnten den Jet wie gewohnt am Gate verlassen und kamen mit dem Schrecken davon.

United Airlines bestätigten inzwischen den Vorfall. Bei der vollbesetzten Boeing mit der Kennung UA773 handelte es sich um eine mehr als 23 Jahre alte Maschine, einer der ältesten dieser Baureihe. Jedoch werden die Triebwerke - in diesem Fall war es ein Pratt & Whitney's PW4000, eine der leistungsfähigsten Turbinen am Markt - regelmäßig gewartet und ausgetauscht.

Das National Transportation Safety Board der USA hat eine Untersuchung eingeleitet. Laut "Aviation Herald" spricht die amerikanische Verkehrsbehörde von einem "Verlust der Triebwerksabdeckung während des Fluges".

Es ist nicht das erste Mal, dass während des Reiseflugs ein Problem mit einem Triebwerk auftritt und sich die Verkleidung löst. Erst im September hatte ein Airbus A380 von Air France beim Flug von Paris nach Los Angeles über Grönland Teile einer Turbine verloren und musste in Kanada notlanden.

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Triebwerk Nummer 4 des Airbus A380 von Air France: Beim GP7000-Antrieb des Herstellers Engine Alliance fehlt komplett der vordere Teil.


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