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Geopark: In Mecklenburg-Vorpommern herrscht Eiszeit

Steinreich ist man in Carwitz/Thomsdorf in Mecklenburg-Vorpommern. Doch nicht wegen des Soli-Zuschlags, sondern wegen der Eiszeit: Tonnenschwere Überbleibsel - Stein-Findlinge - sollen Besuchermagnet für den Geopark sein.

Rund ein Fünftel der Fläche des Bundeslandes werden von dem fast 5.000 Quadratkilometern großen Geopark "Mecklenburgische Eiszeitlandschaft" bedeckt. Nun erhält der Park mit dem Findlingsgarten Carwitz/Thomsdorf ein weiteres Kleinod. Statt eines geplanten Kiesabbaus sind dort zahlreiche Findlinge zu bewundern, die in den Umrissen eines überdimensionalen Mammuts angeordnet sind und damit symbolträchtig an die Eiszeit erinnern.Der jüngste Findlingsgarten ist ein Verdienst der Bürgerinitiative "Aufbruch Carwitz/Thomsdorf", die mit Spendengeldern die 1,5 Hektar Land für das Projekt erwarb und wesentlich ausgestaltete. Mittlerweile gibt es im mecklenburgischen Geopark acht Findlingsgärten mit ihren imposanten Steinblöcken, die in der vor 12.000 Jahren zu Ende gegangenen Weichsel-Eiszeit als so genanntes Grobgeschiebe mit den 3.000 Meter starken Gletschern aus Skandinavien herantransportiert wurden.

Eiszeit schuf eine einzigartige Landschaft

Noch eindrucksvoller als die angelegten Findlingsgärten ist allerdings das von der Eiszeit in den letzten 25.000 Jahren geschaffene, großflächige Landschaftsdesign des Geoparkgebietes mit seinen kuppigen Hügeln, sanften Bodenwellen, natürlichen Gesteinsansammlungen, Flusstälern, Senken, Niederungen und Seenbecken verschiedenster Ausdehnung. "Mit dem Geopark-Projekt wollen wir dieses vielgestaltige geologische Naturerbe stärker als bisher der Öffentlichkeit zugänglich machen und für den regionalen Tourismus nutzen", erläutert Projektkoordinator Helmold Strübing vom Geowissenschaftlichen Verein in Neubrandenburg.Der Verein hat sich das Ziel gesetzt, den Menschen die Augen für die Besonderheiten des geologische Naturerbes in der Mecklenburger Schweiz und der Seenplatte zu öffnen. Dazu wurde ein "geotouristisches Netzwerk" von Sehenswürdigkeiten und Aktions- und Informationszentren geschaffen, die über eine "Eiszeit-Route" verbunden sind. Besucher sollen bei Wanderungen über Endmoränen oder beim Baden in Rinnenseen die Erdgeschichte hautnah erleben und begreifen.

"Steinreiche" Gegend in Geldnot

"Europäische Bedeutung" prophezeite der Schweriner Umweltminister Wolfgang Methling dem Geopark bereits bei seiner Eröffnung vor zwei Jahren. Auch Strübing sieht gute Voraussetzungen für den regionalen Tourismus. Allerdings befinde sich die "steinreiche Gegend" des Geoparks angesichts begrenzter Förderkassen in akuten Geldnöten. Wirksamere Werbung für die Eiszeitlandschaft sei so nicht zu machen, "denn Klingeln gehört nun einmal zum Geschäft", wie Strübing als einziges hauptamtliches Vereinsmitglied betont.

Besonderes Schmuckstück des Geoparks ist die Mecklenburger Seenplatte mit der Müritz. Mit einer Fläche von 117 Quadratkilometern ist sie größtes Binnengewässer Deutschlands, wenn einmal von dem mit Österreich und der Schweiz geteilten Bodensee abgesehen wird. Einen Rekord hält auch der Altentreptower "Bismarck-Stein", der bei 23 Metern Umfang, 133 Kubikmetern Volumen und 350 Tonnen Gewicht als größer Findling auf deutschem Festland gilt. Rekordverdächtig ist zudem ein von den Gletschern geformter Wallberg oder Oszug, der sich über 30 Kilometer durch die Mecklenburger Schweiz von Demmin bis Stavenhagen zieht. Als größte Erhebungen Mecklenburg-Vorpommerns beherbergt der Geopark die 179 Meter hohen Helpter Berge.

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