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Hochwasser in Thailand: Fluten erreichen Bangkoks nördliche Vororte

Banges Warten in Thailands Hauptstadt: Nach der Öffnung von mehr als 200 Schleusentoren schoss das Überschwemmungswasser aus dem Norden des Landes in die zahlreichen Kanäle der Stadt. Am Samstag erreichten die Wassermassen das Gebiet um den alten Flughafens Don Mueang.

Die Hochwassersituation in der thailändischen Hauptstadt Bangkok bleibt angespannt. Am Samstag erreichten die Wassermassen das Thupatamee-Stadion der thailändischen Luftwaffe nördlich des alten Flughafens Don Mueang. Die Armee rief Autofahrer auf, die Wagen, die sie dort in Sicherheit gebracht hatten, fortzufahren, berichteten Lokalsender.

Der Flughafen liegt rund 25 Kilometer nördlich des Stadtzentrums. Die Wassermassen, die nach der ungewöhnlich langen und heftigen Monsunregensaison Zentralthailand überflutet haben, müssen Richtung Süden abfließen. Bangkok liegt genau zwischen den Überschwemmungsgebieten und dem Golf von Thailand. Unter dem Druck der Wassermassen musste die Stadtverwaltung mehr als 200 Schleusentore öffnen und Wasser in die Stadtkanäle lassen. Viele führten deutlich Hochwasser.

Regierungschefin Yingluck Shinawatra rief die Einwohner in den nördlichen Vororten auf, ihre Habseligkeiten hochzustellen und möglichst in den zweiten Stock der Häuser zu gehen. "Es gibt keinen Grund zur Panik", sagte sie aber. Die Innenstadt mit Firmensitzen, Geschäften und Hotels ist durch Notdämme aus Sandsäcken geschützt und soll nach allen Vorhersagen trocken bleiben. Einige Außenbezirke der Zwölf-Millionen-Metropole könnten aber ein bis zwei Meter unter Wasser geraten, sagte Wissenschaftsminister Plodprasop Suraswadi der "Bangkok Post". Es dauere mindestens 20 Tage, bis die Wassermassen in den Golf von Thailand abgeflossen seien.

Schwerste Flut seit 50 Jahren

Thailand kämpft mit den schwersten Überschwemmungen seit fünf Jahrzehnten. Ein Drittel der Provinzen im Norden und Osten stehen teilweise unter Wasser. Die Wassermengen müssen in den Golf von Thailand südlich von Bangkok abfließen. Durch die dicht besiedelte Hauptstadt laufen Kanäle mit einer Gesamtlänge von mehr als 1100 Kilometern. Die 158 regulären Pumpstationen arbeiteten auf Hochtouren. Weitere 1150 mobile Einheiten waren im Einsatz.

In den besonders gefährdeten Außenbezirken leben rund eine Million Menschen. Die Behörden haben sie aufgerufen, ihr Hab und Gut in höhere Etagen zu bringen und bei besonderer Tieflage ihrer Wohnungen in Notunterkünfte umzuziehen. Die Bank von Thailand schätzt den Schaden auf bereits 100 Milliarden Baht, rund 2,4 Milliarden Euro. Touristen waren kaum betroffen. Die Feriengebiete auf den Inseln im Süden des Landes sind nicht betroffen.

Die Europäische Union stellte am Freitag 60 Millionen Baht (1,4 Millionen Euro) für Hilfe zur Verfügung. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, dass Deutschland 500 000 Euro für Überschwemmungsopfer in Südostasien bereitstellt. Ein Teil der Mittel sei für das thailändische Rote Kreuz und ein Evakuierungszentrum in Thailand, teilte Außenminister Guido Westerwelle mit.

jwi/DPA / DPA

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