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Beach-Clubs: Stadtstrände mit Verkehrsrauschen

Bondi Beach, Copacabana, Ipanema. Warum in die Ferne schweifen, wenn die schönsten Strände direkt vor der Haustür liegen? Zum Start der Strandbar-Saison steckte stern.de schon mal die Füße in den Sand.

Von Friederike Nagel

Mini-Urlaub für jeden Tag. So könnte das Motto der Beachbars lauten, die dieser Tage wieder in allen größeren Städten ihre Stühle aufklappen. Denn wenn Ebbe herrscht im Geldbeutel oder der nächste Urlaub noch in weiter Ferne ist, sind Strandbars die perfekte Alternative. Oder auch einfach so. Denn für eine Pause vom Alltag bieten sie alles was das Urlauberherz begehrt: Sand, Strand und mehr!

Obwohl die Temperaturen am ersten Mai-Wochenende an der Costa Hamburgo noch verhalten sind, lässt Strandgast Simon Buchner sich nicht beirren: "Super, hier mitten im Häuserdschungel schon mal dem Sommer huldigen, das ist klasse." Urlaub vom Großstadtleben - und das mitten in der Stadt. Und im Moment, zu Beginn der Saison, strahlt der weiße Sand noch jungfräulich in der Frühjahrssonne.

Im Frühjahr wärmen Fleecedecken

Um es sich ein bisschen gemütlicher zu machen, hat der 25-jährige Buchner im "Hamburger City Beach Club" eine Fleecedecke um seine Beine geschlungen. "Gegen 10 Euro Pfand verleihen wir die hier", sagt die Bedienung an der Theke. Doch sobald die Sommersonne vom Himmel brutzelt schwingen die Besucher in Hängematten, entspannen auf Sonnenliegen, schlürfen Cocktails, gemixt aus frischen Früchten, und lassen sich dabei Sand durch die Zehen rieseln.

"Wir haben für diese Saison noch mal richtig umgebaut", sagt Patrick Rüther, einer der beiden Betreiber des "Hamburg City Beach Clubs". Zwar gibt er zu, dass es früher vielleicht alles ein bisschen romantischer war, aber "so mit dem neuen Wasserlauf und den marokkanischen Steinsofas, das ist schon toll."

Traumstrand am ehemaligen Schrottplatz

Er und sein Kompagnon Jan-Philipp Höck griffen in Hamburg als erste die Idee einer riesigen Sandkiste mit Theke auf. "Früher sind wir immer hier her zum Grillen und Bierchen trinken gekommen", sagt Rüther. Als der 33-jährige Anwalt Rüther und der Musikmanager Höck 2003 einen Platz für ihre Strandbar suchten, kam ihnen wieder dieser Platz direkt am Elbufer in den Sinn. Wo früher alte Kühlschränke und Autoreifen lagerten, ist heute ihre Traumstrand "Hamburg City Beach Club" aufgeschüttet. "Das war einfach schon immer ein toller Platz hier", findet Rüther.

Inzwischen in der vierten Saison, lassen die beiden jedes Jahr tonnenweise Sand herankarren, um das harte Parkplatzpflaster am Elbufer in weichen Strand zu verwandeln. Die diesjährige Fuhre könnte allerdings die Letzte sein - zumindest an diesem Ort, denn die Zukunft des Platzes an der Großen Elbstraße sieht düster aus. Die Immobilienfirma "Kieler Deutsche Grundvermögen" will hier im nächsten Frühjahr ein Bürohaus mit 17 Stockwerken hochziehen. Einige Strandbars haben sich schon an anderen Orten in der Stadt niedergelassen. In "Schumachers Biergarten", nicht am Strand sondern im Hamburger Stadtpark gelegen, gibt es seit vergangenem Jahr eine 750 Quadratmeter große Sandfläche.

Industrieromantik dank Aussicht auf den Containerhafen

Während die Besucher an der Großen Elbstraße die Nasen Richtung Sonne recken, rauscht im Hintergrund nicht das Meer, sondern schneller Großstadtverkehr. Nach vorne raus haben sie jedoch einen weiten Blick auf Containerschiffe und Hafen. "Diese Aussicht ist unbezahlbar", schwärmt ein Ehepaar aus Düsseldorf.

Um alle Gäste angemessen zu versorgen, beschäftigen die Strandbars ein Heer an Sommerjobbern. Der 24-jährige Holzwirtschaftsstudent Eddie ist einer von ihnen: "Das ist schon mein zweiter Sommer hier auf 'StrandPauli'", sagt er und rückt einen Palmenkübel in die richtige Ecke. Weiter vorne, steht eine esstischgroße Feuerschale. "Abends zeichnet sich das Feuer den gegen den Horizont über der Elbe ab", erzählt er, "das sieht ganz besonders toll aus."

Statt "Happy Hour" vierstündige "Sundowner Time"

Tatsächlich liegt die überwiegende Anzahl der deutschen Sandclubs an größeren Gewässern: in Hamburg an der Elbe, in Berlin an der Spree. Der einzige Beach-Club Münchens, der "Strand Club München" liegt allerdings nicht an der Isar. Mit seinen vier Beachvolleyball-Plätzen versucht er den Biergärten die Gäste streitig zu machen. Mit einer Happy Hour, die hier Sundowner Time heißt, und gleich vier Stunden dauert (von 17 bis 21 Uhr) stehen die Chancen wahrscheinlich gar nicht mal so schlecht.

Obwohl in anderen Europäischen Städten, wie an der Seine in Paris, Strandbars schon länger das Straßenbild prägen, ist der Trend hier zu Lande noch eher jung. Christian Schulz eröffnete im Juni 2002 im Berliner Monbijoupark die "Strandbar Mitte", die erste ihrer Art in Deutschland. Heute entstehen die Beach-Clubs auf Zeit jeden Sommer neben Berlin auch in Hamburg, Düsseldorf, Köln, Stuttgart, Frankfurt und München. Besucher und Betreiber hegen gemeinsam einen Wunsch: viel Sonne für einen heißen Sommer.

Für den Mini-Urlaub zwischendurch sollte also ab dieser Woche immer die Strandtasche mit Badeklamotten, Eimer und Schaufel bereit stehen. Neben Liegeflächen bieten viele Clubs nämlich wie zum Beispiel das "Lago Bay" auch eigene Pools an. Gebuddelt werden kann zwar nicht tiefer als einen Meter, aber wer hoch türmt, gewinnt vielleicht: Burgen-Bau-Wettbewerbe liegen voll im Retro-Trend. Also, auf die Plätze, schaufeln, los!

Strandbars in ganz Deutschland

Urlaub in der Stadt. An diesen Orten kann man unter anderem die Füße in den Sand stecken. Über den Winter wurden viele Strandbars verschönert, so dass es vieler Orts etwas Neues zu entdecken gibt. Zum Saison-Start listet stern.de eine Auswahl an Beach-Clubs in deutschen Städten auf:
Berlin
"Sommerwelt am Potsdamer Platz" am Piano See. Hier heißt das Motto "Live Musik statt Fußball". Öffnungszeiten: von 10 Uhr bis der letzte Gast gegangen ist
"Bundespressestrand": hier gibt es den Blick auf die Politik gratis: z. B. Reichstag und Bundeskanzleramt. Zwei kleine Pools,3000 Quadratmeter Fläche mit 600 Tonnen Sand, Öffnungszeiten: täglich ab 10 Uhr
"Strandbar Mitte": Klassisch schön, das Urgestein unter den Strandbars. Öffnungszeiten: täglich ab 10 Uhr
München
"Strand Club München": auf 2000 Quadratmeter Quarzsand sich unter bayerischer Sonne grillen lassen. Beach-Volleyball-Plätze und eigene "Flaucherinsel". Öffnungszeiten: 11 bis 0 Uhr
Hamburg
"Hamburg del mar": Wanderdüne, Katamaran-Trampolin-Netz und Kinderspielecke. Öffnungszeiten: täglich 12 bis 24 Uhr
"Hamburg City Beach Club": Erfrischendes Fußbecken, Saftbar "La Fruita" und "Fillet of Soul"-Bude mit feinem Essen. Öffnungszeiten: täglich ab 11.30 Uhr
"Strand Pauli": Sonntagabend ist Tango-Abend. Ansonsten flackern hunderte von Kerzen gegen den Sonnenuntergang an. Öffnungszeiten: 12 bis 24 Uhr
"Lago Bay": Der größte Beach Club an der Elbe und der einzige mit Pool. Die Fußball-WM wird auf 15 Flachbildschirmen übertragen. Öffnungszeiten: So-Do 12-23 Uhr; Fr/Sa 12-24 Uhr
"Central Park": Die Bar befindet sich in grünen Schiffscontainern. Sonnensegel bieten ausreichend Schatten. Öffnungszeiten: So-Do 10-23 Uhr; Fr/Sa 10-24 Uhr
"Beach Club am Strandkai": Sportfans kommen voll auf ihre Kosten: 13.000 Quadratmeter mit Beachvolleyballfeldern warten auf die Gäste. Öffnungszeiten: täglich 12-22 Uhr
"Veritas Beach Club": Eine mediterrane Strandkneipe lässt Urlaubsgefühle aufkommen. Dank der Lage im Industriegebiet kann bis in die Morgenstunden an Lagerfeuern gefeiert werden. Öffnungszeiten: täglich ab 11.30 Uhr
Frankfurt
"Galerie Beach Club" am Osthafen mit Strandkörben, Kaltwasserwhirlpool, Boccia-Flächen. Öffnungszeiten: wochentags ab 15 Uhr und am Wochenende ab 12 Uhr
"King Kamehameha": an der Offenbacher Hafeninsel den Sonnenuntergang mit Blick auf die Frankfurter Skyline genießen. Öffnungszeiten:15 bis 1 Uhr
Köln
"km 689 Beach Club": Kölsch, Palmen und Blick auf den Dom. Öffnungszeiten: 12 bis 1 Uhr nachts ein kühles Kölsch zischen
Düsseldorf
"Monkey's-Island": im Medienhafen der Kunst von Jörg Immendorf ganz nah sein. Öffnungszeiten: 12 und 24 Uhr
Stuttgart

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