HOME

Drohendes Chaos zur Hauptreisezeit: Fluglotsen stimmen für Streik

Bei einer Urabstimmung votierten 95,8 Prozent der teilnehmenden Mitglieder der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) für einen Arbeitskampf.

Mitten in der Ferienzeit haben sich die Fluglotsen in Deutschland für einen unbefristeten Streik ausgesprochen: Bei einer Urabstimmung am Montag votierten 95,8 Prozent der teilnehmenden Mitglieder der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) für einen Arbeitskampf.

Ob es tatsächlich zum Ausstand kommt, ist jedoch noch unklar: Nach Angaben der Gewerkschaft hat die bundeseigene Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) am Wochenende ein neues Tarifangebot vorgelegt über dessen Inhalt erst am Dienstag beraten werden soll.

Die DFS hatte wiederholt die Gewerkschaft aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ein Streik hätte aus ihrer Sicht katastrophale Folgen. Auch der Flughafenverband ADV warnte vor Arbeitsniderlegungen: Wenn über mehrere Tage hinweg die Flugzeuge nicht starten und landen könnten, drohe ein ähnlicher wirtschaftlicher Schaden wie in der Folge der isländischen Aschewolke, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

Es geht ums Geld, Organisation und Arbeitszeiten

In dem Tarifkonflikt geht es neben dem Gehalt von 5500 DFS-Tarifbeschäftigten vor allem um Fragen der internen Organisation der mit Personalknappheit kämpfenden Flugsicherung. Die GdF will nach Aussage ihres Tarifsekretärs viele Tätigkeiten und Posten solchen Beschäftigten vorbehalten, die über lange praktische Erfahrung als Fluglotsen verfügen.

Auch um Arbeitszeiten und Eingruppierungen wird gestritten. Laut Gewerkschaft haben die DFS-Fluglotsen in den vier Kontrollzentren und in den Towern der 16 internationalen Flughäfen Deutschlands noch nie gestreikt. Eine Urabstimmung hatte es im Jahr 2004 gegeben, ohne dass es später zum Arbeitskampf kam.

Auch Schlichtung noch möglich

Zur vorübergehenden Abwendung eines Arbeitskampfes besteht für beide Tarifpartner auch noch die Möglichkeit, die Schlichtung anzurufen. In diesem Fall würde sofort eine neue Friedenspflicht einsetzen und der Streik müsste für die Dauer der Vermittlungsversuche um einige Wochen verschoben werden.

fw/AFP/DPA / DPA

Wissenscommunity