HOME

Geplante Fluglotsen-Streiks: Lufthansa spricht von Schikane

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) will den für Donnerstag angekündigten Streik der Fluglotsen auf juristischem Wege verhindern. Kritik wird außerdem von Seiten der Lufthansa und des Deutschen Reiseverbandes (DRV) laut.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) hat vor einem Streik der Fluglotsen gewarnt und die Tarifparteien aufgefordert, am Verhandlungstisch eine Lösung zu erzielen. "Es kann nicht im Interesse der Beschäftigten sein, die Kunden von Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften durch Flugausfälle direkt zu schädigen und vielen Bürgern ihren Urlaub gerade jetzt in der Hochsaison zu verderben", sagte DRV-Präsident Jürgen Büchy in Berlin. Der Verband vertritt die Interessen von Reisebüros und Reiseveranstaltern.

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) ruft die Fluglotsen für Donnerstag (4.8.) zu einer sechsstündigen Arbeitsniederlegung zwischen 06.00 und 12.00 Uhr auf. Der Arbeitgeber, die bundeseigene Deutsche Flugsicherung (DFS), will allerdings per einstweiliger Verfügung den Arbeitskampf verbieten lassen und dazu am (heutigen) Mittwoch ein Arbeitsgericht anrufen.

Tausende Flugverbindungen stehen auf dem Spiel

Außerdem hat die DFS noch die Möglichkeit, eine Schlichtung in dem Tarifkonflikt einzuleiten und damit einen möglichen Streik um Wochen hinauszuzögern. Sollte es tatsächlich zum Arbeitskampf kommen, müssten voraussichtlich tausende Flugverbindungen gestrichen oder geändert werden.

Lufthansa-Vorstandsmitglied Stefan Lauer sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch), "ein solcher Streik inmitten der Hauptreisezeit wäre nicht nur völlig überzogen, sondern würde die Grenze zum Schikanösen überschreiten". Die Lufthansa halte die Forderung der Gewerkschaft deutscher Fluglotsen (GdF) "auch angesichts der neuen, im Interesse der Verbraucher liegenden Europäischen Regulierung, nicht für erfüllbar". Hunderttausende deutsche Urlauber starten in diesen Tagen und Wochen in die Ferien, mahnte DRV-Chef Büchy. Sie seien die Leidtragenden eines möglichen Streiks. Es sei Sache der beiden Parteien, gemeinsam oder unter Mitwirkung eines neutralen Dritten eine Lösung herbeizuführen.

Urlauber sind die Leidtragenden

Laut Gewerkschaft haben die DFS-Fluglotsen in den vier Kontrollzentren und in den Towern der 16 internationalen Flughäfen Deutschlands noch nie gestreikt. Eine Urabstimmung hatte es im Jahr 2004 gegeben, ohne dass es später zum Arbeitskampf kam.

In dem Tarifstreit geht es einerseits um unterschiedliche Vorstellungen über Gehaltszuwächse. Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Geld, die Arbeitgeber bieten in einer ersten Stufe 1,1 Prozent. Ab dem 1. November sollten die Gehälter dann noch einmal um 2,1 Prozent steigen. Andererseits will die GdF ihre Zuständigkeit auf weitere Berufsgruppen in der DFS ausdehnen. Es wird auch über Arbeitszeiten, freie Tage, Überstunden, Pausen und Personalpläne gestritten. Der Großteil der etwa 1900 DFS-Fluglotsen verdient nach Arbeitgeberangaben mehr als 100 000 Euro pro Jahr.

hw/DPA/AFP / DPA

Wissenscommunity