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Hotelbuchung per Smartphone: Justbook - immer ein Doppelzimmer frei

Das Start-up Justbook will den Onlinereisemarkt mit Last-Minute-Buchungen über Smartphones aufmischen. Davon profitieren auch die teilnehmenden Hotels - trotz deutlicher Preisnachlässe von bis zu 50 Prozent.

Von Ulf Brychcy

Stefan Menden hat es eilig. Ende September hat er Justbook gegründet, Mitte Januar ging das Unternehmen an den Start. Jetzt soll sein Angebot - ein Smartphone-Programm, mit dem sich in Großstädten Last-Minute-Hotels buchen lassen - rasch an möglichst vielen Orten verfügbar sein.

Die Eile passt also zum Geschäft. Mit der Deutschen Bahn hat Menden bereits eine Gutscheinkooperation vereinbart. Einen Gerichtsprozess gegen den Branchenführer HRS wegen der günstigen Preise hat er auch schon gewonnen. Zudem wird Justbook bald umziehen, von Köln nach Berlin. "Es muss schnell gehen", sagt Menden.

Justbook ist ein klassischer Herausforderer, mit dem der 35-jährige Menden auf einen lukrativen Markt zielt. Immer mehr Urlauber buchen im Internet. Allein die klassischen Onlinereiseportale wie Opodo, Expedia oder E-Bookers haben in Deutschland im vergangenen Jahr rund 2,3 Milliarden Euro umgesetzt.

Ein wachsendes Geschäft

Vor allem mobile Hotelbuchungen legen sprunghaft zu, Branchenexperten taxieren hier den Umsatz im Jahr 2015 europaweit auf bis zu 1,6 Milliarden Euro. Den einstigen Internetpionieren der Tourismusindustrie, zu denen auch das Hotelbuchungsportal HRS gehört, erwächst neue Konkurrenz. Die Jäger drohen zu Gejagten zu werden.

"Das hat sich abgezeichnet", sagt Michael Buller. Der IT-Experte steht dem Verband Internet Reisevertrieb vor. Allein die Anbieter von Pauschalreisen würden täglich 18 Milliarden Produkte ins Netz stellen, so Buller. Viele Urlauber benötigten diese vielfältigen und oft komplexen Angebote aber gar nicht - zumal sich das Reiseverhalten verändert.

Spontane und fokussierte Buchungen etwa nur von Hotelzimmern über iPhone oder Android-Smartphone werden immer populärer - vor allem, wenn die Kunden bei ihren kurzfristigen Buchung mit Preisnachlässen von 30 bis 50 Prozent gelockt werden. "Hier setzen wir an", sagt Menden.

Die ersten Nachahmer gibt es schon

So bietet Justbook über seine Smartphone-App etwa für Hamburg, Berlin, Köln und München täglich ab 12 Uhr mittags pro Stadt jeweils nur drei Hotels der mittleren und gehobenen Kategorie an. Dabei gelte laut Menden: Die Häuser liegen immer zentral, stets werden Doppelzimmer angeboten. Justbook kassiert für diese Dienstleistung vom Hotelbetreiber für jedes vermietete Zimmer eine Provision von 15 bis 20 Prozent.

Für die Hotelbetreiber lohnt sich dieses Geschäft ebenfalls, auch wenn sie den Last-Minute-Buchern einen deutlichen Preisnachlass gewähren. "So können wir Restkapazitäten vermieten", sagt Max Herbst, Manager des Berliner 700-Zimmer-Hauses "Hotel Berlin". Die Kunden, die spontan über ihre Smartphones buchten, seien "oft jung, flexibel und dynamisch und damit für uns eine sehr interessante Zielgruppe".

Ein neuer Markt ist entdeckt

Das ist auch das Kalkül von Menden. "Für die Hoteliers ist eine Buchung über Justbook zugleich Marketing für das eigene Haus", sagt er. Zumal die Last-Minute-Preise, so Hotelmanager Herbst, eben nur temporär und für eine vergleichsweise kleine Zielgruppe greifbar seien. Würde das Hotel diese Sonderangebote ins Internet stellen, "dann sind sie global bekannt und würden dauerhaft unsere Raten drücken".

Mehr als 35.000-mal wurde die Justbook-App bereits heruntergeladen, sagt Menden. Buchungszahlen nennt er nicht, sie dürften täglich aber erst zweistellig sein. Der deutsche Onlinemarktführer HRS vermietet mindestens das Hundertfache. Die Branche ist aufgewacht: HRS bietet auch eine App für mobile Buchungen, allerdings nicht zu Last-Minute-Konditionen. Und mit "Bookitnow" gibt es sogar schon eine Justbook-Kopie.

FTD

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