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Körperscanner-Test in Hamburg: Fehlalarm am laufenden Band?

Zehn Monate lang hat die Bundespolizei Körperscanner am Hamburger Flughafen im Praxisbetrieb getestet - angeblich produzieren die Geräte noch immer zu viele Fehlalarme.

Auch nach einer zehnmonatigen Testphase bereitet der umstrittene Körperscanner angeblich massive Probleme. Nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" (WamS) haben die beiden Scanner auf dem Hamburger Flughafen bei der Erprobung ständig Fehlalarme produziert. "Die derzeitige Alarmquote beträgt 70 Prozent und ist zu reduzieren", zitiert die Zeitung aus einem internen Bericht. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums wies die Darstellung zurück, wonach der Scanner "durchgefallen" sei. Der im Herbst 2010 begonnene Test gehe erst an diesem Wochenende zu Ende. Danach würden die Ergebnisse ausgewertet.

Nach dem Bericht der "WamS" sind für die hohe Zahl von Fehlalarmen unter anderem mehrschichtige Kleidung, Reißverschlüsse und Nieten verantwortlich. Vor allem die Empfindlichkeit der Geräte gegenüber Bewegungen und Bekleidung müsste deutlich reduziert werden. Die Bundespolizei plädiert demnach dafür, den Test erst dann fortzuführen, wenn verbesserte Geräte zur Verfügung stehen.

800.000 Scanvorgänge

Knapp 800.000 Passagiere haben seit dem 27. September 2010 auf dem Hamburger Flughafen die beiden Test-Geräte freiwillig genutzt. Wie das Innenministerium bereits am Donnerstag mitgeteilt hatte, sollen die Ergebnisse in den kommenden Wochen analysiert und bewertet werden. Anschließend würden Resultate und Entscheidungen veröffentlicht. Neben technischen Details müssten vor einer möglichen breiteren Einführung des Körperscanners auch rechtliche, politische und finanzielle Fragen geklärt werden.

Der Bund ist an den deutschen Flughäfen für 310 Torsonden, 620 Gepäckprüfanlagen, 1500 Handscanner und 70 Sprengstoffspürgeräte verantwortlich. Jährlich kauft die Bundespolizei für rund 30 Millionen Euro neue Geräte; weitere sieben bis zehn Millionen Euro werden für Wartung und Reparaturen ausgegeben. Eine flächendeckende Einführung der Körperscanner an deutschen Flughäfen würde vermutlich einige Jahre dauern. Ein Gerät kostet um die 100.000 Euro.

Die Flughäfen stehen dem Körperscanner grundsätzlich positiv gegenüber und halten ihn für eine zukunftsweisende Technik, doch noch nicht für ausgereift. Als problematisch gilt, dass der Scanvorgang länger dauert als die bisher üblichen Kontrollen. Angesichts steigender Passagierzahlen dürfe der Einsatz des neuen Scanners die Wartezeiten auf den Airports verlängern und die Sicherheitskontrollen zu einem Flaschenhals machen.

joe/DPA / DPA

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