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Miles & More: Vielflieger siegt vor Gericht gegen Lufthansa

Ein Hamburger Professor hat vor Gericht erstritten, dass die Lufthansa seine Vielflieger-Meilen nicht entwerten darf. Das Urteil könnte der Fluglinie sehr wehtun, denn die nächsten Kläger lauern schon.

Von Jasmin Lörchner

Tobias Eggendorfer ist erleichtert: Er hat die Klage gegen Lufthansa gewonnen. Der Hamburger Professor war vor Gericht gegangen, nachdem die Lufthansa die Regeln ihres Vielfliegerprogramms Miles&More kurzfristig geändert hatte: Seither verlangt sie für einen First-Class-Flug von Europa nach Asien 210.000 Meilen - 30.000 mehr als zuvor. Eggendorfer, der zum Zeitpunkt der Umstellung einen sechsstelligen Betrag an Bonusmeilen auf seinem Konto angehäuft hatte, sei durch die Abänderung des Prämienkatalogs benachteiligt worden, entschied das Kölner Landgericht am Freitag. (AZ: 32 O 317/11)

Das Konto des Hamburger Professors war durch die Änderung um Eggendorfers Konto um rund 40 Prozent entwertet worden - bei der Menge an Meilen bedeutete das mehrere Intercontinentalflüge. Das Gericht bemängelte zudem, dass die Änderung zu kurzfristig bekannt gegeben wurde. Nach Auffassung der Richter hätte die Lufthansa diese Änderungen mit einer angemessenen Übergangsfrist ankündigen müssen. Tatsächlich musste man den Hinweis auf die Änderung im Internet suchen. Das Kundenmagazin berichtete kleingedruckt erst im Januar, als die neuen Regeln schon galten.

Zwei Meilenkonten für Vielflieger

Eggendorfer zeigte sich beim Telefonat mit FTD.de nach dem Urteilsspruch zufrieden: "Mein Anwalt hat mich heute morgen informiert. Für die Lufthansa ist das Urteil natürlich sehr ärgerlich. Die hätten sich lieber entschuldigen und einem Vergleich zustimmen sollen." Das Gericht schreibt der Lufthansa nun vor, im Falle Eggendorfers zwei Kundenkonten zu führen: Eines, auf dem die Meilen bis zum 3. Januar 2011 geführt werden - dem Tag, an dem die Neuregelung für die Bonusmeilen in Kraft trat. Die Meilen auf diesem Konto muss er zu den alten Konditionen abfliegen können. Ein zweites Konto soll die Meilen ab dem 3. Januar 2011 führen, dort gelten die Neuregelungen.

Einen ähnlichen Vorschlag hatten Eggendorfer und sein Anwalt der gegnerischen Seite bereits unterbreitet - und auch das Gericht hatte im Januar angedeutet, dass es die Rechtslage so interpretiert wie der Kläger. Eggendorfer wandte sich daraufhin mit einem Vergleichsangebot an den Lufthansa-Vorstand Christoph Franz. Nach mehreren Wochen Funkstille fiel die Antwort ernüchternd aus: "Die Hoheit über die Gestaltung der Preise und der Prämienwelt obliegt allein dem Anbieter", zitiert Eggendorfer aus dem Briefwechsel mit Lufthansa-Vorstand Franz.

Weitere Kläger stehen in den Startlöchern

Das Urteil könnte eine wahre Klagenflut nach sich ziehen: Viele Vielflieger sind von der neuen Miles&More-Regelung stark verärgert. "Nachdem bekannt wurde, dass ich vor Gericht gehe, meldeten sich mehrere HON-Circle-Mitglieder bei mir. Das sind Kunden, die innerhalb von zwei Jahren mehr als 600.000 Meilen auf ihrem Konto haben. "Die sind auch extrem stinkig. Einer von ihnen steht schon in den Startlöchern für eine Klage. Mein Anwalt hat ebenfalls schon mehrere weitere Mandate übernommen." Zudem meldete sich eine Münchner Anwaltskanzlei zu Wort, die bereits mehrere Hundert Mandate vergrätzter Vielflieger haben will.

Gehen viele der vergrätzten Vielflieger vor Gericht, könnte das der Lufthansa ernsthaft wehtun: 198 Milliarden Meilen hatten sich die heute 20 Millionen Miles & More-Kunden Ende 2010 erflogen. Entsprach das früher 2,2 Millionen Business-Class-Tickets in die USA, sind es heute 1,88 Millionen. Legt man einen Ticketpreis von 3000 Euro zugrunde, ergibt das rein rechnerisch 960 Mio. Euro Gegenwert. Zehn Prozent mehr, als die Lufthansa 2010 operativ verdiente.

Sogar Kunden, die nur wenige Male im Jahr fliegen, meldeten sich bei Eggendorfer. "Die sind doppelt gelackmeiert: Sie sparen sich die Meilen für einen Kostenlosflug über Jahre mühsam zusammen. Der Wert auf ihrem Meilenkonto ist eigentlich nicht hoch genug, um eine Klage zu rechtfertigen." Aber auch die Normalflieger könnten sich am Ende freuen: Hat das Urteil Bestand, droht der Lufthansa die Anpassung aller Meilenkontos.

Die Fluglinie hat sich zu dem Urteilsspruch bisher nicht geäußert. "So kundenunfreundlich, wie sich die Lufthansa bisher verhalten hat, gehe ich aber davon aus, dass sie in die Revision gehen", sagt Eggendorfer.

FTD

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