Pilotenstreik bei Germanwings Hier fliegt der Chef noch selbst

Die Lufthansa-Piloten verweigern die Arbeit. Der Konzern und seine Billigtochter Germanwings greifen deshalb auf sogenannte Management-Piloten wie Michael Knitter zurück. Ein Interview mit einem "Streikbrecher".

Sind Sie nervös?

Ja, denn ich hoffe, dass unsere Krisenvorbereitungen alle so greifen, wie wir uns das vorstellen. Wir haben in wenigen Tagen quasi eine zweite Airline aufbauen müssen und wollen trotz des Streiks in den kommenden vier Tagen über 400 von sonst 600 Flügen durchführen. Das macht mich durchaus nervös.

Und wegen des Flugs?

Ich bin seit 25 Jahren im Besitz eines Pilotenscheins und versuche auch in normalen Zeiten etwa einmal die Woche zu fliegen. Das letzte Mal saß ich vor drei, vier Wochen im Cockpit. Daher: Nein, wegen des Flugs bin ich nicht aufgeregt.

Und was ist mit einem schlechten Gewissen? Immerhin sind Sie ein Streikbrecher?

Ich sitze für die Arbeitgeberseite am Verhandlungstisch, daher sehe ich mich nicht als Streikbrecher. Aber wir können natürlich im Moment nicht absehen, ob wir unbehelligt aufs Rollfeld kommen, oder uns etwa Beschimpfungen anhören müssen. Das müssen wir abwarten.

Und was sagen Ihre Kollegen dazu, dass Sie einspringen?

Die Forderungen, die die Vereinigung Cockpit aufgestellt hat, betreffen uns Piloten bei Germanwings weitgehend nicht. Daher gibt es bei uns viele, die kein Verständnis für diese Aktion haben. Wie gehen davon aus, dass wir einen Großteil unserer Flugzeuge auch in dieser Woche selbst fliegen können.

Aber müssen Sie sich als Pilot nicht trotzdem solidarisch zeigen?

Ich habe keinerlei Verständnis für diesen Streik. Vier Tage sind absolut unverhältnismäßig. Uns entsteht ein riesiger Schaden, und zwar ein nachhaltiger. Die Forderungen der Piloten, auf Konzernebene mitbestimmen zu wollen, gehen zu weit. Und der Streik kommt für unseren Konzern wirklich zur Unzeit.

Jetzt mal ehrlich: Am Montag mal schnell nach Moskau fliegen, statt im Büro zu sitzen. Da freut man sich schon, oder?

Ich bin kraft meines Amtes in der sehr komfortablen Position, mir aussuchen zu können, wo ich einmal die Woche hinfliegen möchte. Darüber freue ich mich. Über den Flug heute? Nein, darüber freue ich mich nicht. Und hier im Büro würde auch genug Arbeit auf mich warten.

Interview: Jennifer Lachman FTD

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