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Probleme am Riesen-Airbus: Neue Nieten für A380-Nasen

Die Flugsicherheitsbehörde hat eine neue Schwachstelle beim Riesenflugzeug entdeckt: Die Nieten in der Flugzeugspitze könnten bei Extrembelastung zum Problem werden.

Von Gerhard Hegmann

Nach den Flügeln rückt jetzt die Flugzeugspitze des Riesen-Airbus A380 ins Visier der europäischen Luftsicherheitsbehörde Easa. Nach FTD-Recherchen bereitet sie einen Vorschlag für eine Sicherheitsanweisung zum Tausch von sechs Aluminiumnieten in hochfeste Titannieten an einem Holm an den Flugzeugspitzen vor. Im ungünstigsten Fall - unter Extrembelastung, wie bei einem Druckabfall - könnte sich sonst die Rumpfspitze des Flugzeugs, das Radom, lösen. Die Reparatur sollte binnen acht Monaten erfolgen, heißt es im Vorschlag für die Anweisung. Der Austausch der Nieten sei binnen dreieinhalb Stunden zu bewerkstelligen, erklärte am Donnerstag ein Airbus-Sprecher auf Anfrage.

Die Flugsicherheitsbehörde Easa veröffentlicht jährlich Hunderte von Sicherheitsanweisungen für nahezu alle Flugzeuge, Hubschrauber, Antriebe oder andere Luftfahrttechnik. Selbst wenn Flugzeuge schon Jahrzehnte fliegen, wie der Jumbojet, oder relativ neu sind, wie der Riesen-Airbus, finden sich Schwachpunkte.

Die zwingend vorgeschriebenen Anweisungen sieht die Branche zwar als Grundlage ihrer Sicherheitskultur. Sie sorgen bei der Industrie und den Fluggesellschaften aber für viel Aufregung, weil sie um das Image ihrer Modelle besorgt sind. So betonen die Airbus-Verantwortlichen derzeit gebetsmühlenartig, dass ihr A380-Modell weiter sicher sei, auch wenn Haarrisse in einigen der 2000 Halteklammern je Flügel entdeckt wurden, die repariert werden müssen. Das jetzt von der Easa untersuchte Problem mit der Flugzeugspitze sei überhaupt nicht mit dem Flügelthema vergleichbar und ebenfalls kein unmittelbares Sicherheitsproblem, heißt es bei Airbus.

Geschäft für die Wartungsbetriebe

Für die Wartungsbetriebe, wie Lufthansa Technik, sind die Sicherheitsanweisungen hingegen ein Geschäft. Experten schätzen, dass die Branche jährlich dreistellige Millionenumsätze damit erzielt. Was die Behebung der A380-Flügelhaarrisse kostet, ist noch offen. Schätzungen gehen von etwa 100 Millionen Euro aus.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA muss hingegen nach US-Vorschriften bei jeder Anweisung veröffentlichen, was die Reparatur kosten wird. So gibt es aktuell eine Anweisung zum Austausch von Dämmmaterial in der Klimaanlage bei allein 292 Boeing-737-Modellen in den USA. Kostenpunkt: 7,2 Millionen Dollar.

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  • Gerhard Hegmann