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Schweizer Regeln für Manager-Gehälter: Warum Fußballer ihr Geld wert sind - und manche Manager nicht

Dass die Schweiz strengere Regeln für Managergehälter einführt, findet allerorten Beifall. Eine Begrenzung der Gehälter von Fußballern und Showstars fordert dagegen niemand. Und das ist gut so.

Ein Kommentar von Carsten Heidböhmer

Manager zu sein ist dieser Tage wirklich nicht leicht. Sie werden als "Nieten in Nadelstreifen" bezeichnet, als gierige "Abzocker" beschimpft - und nun soll es ihnen auch noch ans Geld gehen. Die Schweiz hat den Anfang gemacht: Mit überwältigender Mehrheit sprach sich die Bevölkerung in einer Volksabstimmung für strenge Regeln bei Managergehältern aus. Dafür gab's auch aus Deutschland viel Beifall, sogar die FDP findet's gut. Offenbar hat die Initiative damit einen Nerv getroffen und ein weit verbreitetes Unbehagen gegen die Bezahlung von Managern zum Thema gemacht. Auch Bankerboni sollen künftig nicht mehr in den Himmel wachsen - die EU beschließt derzeit Regeln zur Begrenzung der Vergütung.

Doch Banker und Manager sind nicht die einzigen Gruppen, die exorbitant verdienen. Jedes Wochenende jubeln Millionen Deutsche in den Stadien oder vor den TV-Bildschirmen Einkommensmillionären zu, die nicht viel älter als 20 sind. Wenn Jungstars wie Marco Reus, Mario Götze oder Thomas Müller ihrer Arbeit nachgehen und dafür mehrere Millionen Euro im Jahr verdienen, stört sich fast niemand daran. Dass der in Gelsenkirchen geborene Deutsch-Türke Mesut Özil bei Real Madrid ein Salär von fünf Millionen Euro - netto wohlgemerkt - einstreicht, macht viele eher stolz als neidisch: Toll, dass ein Deutscher im Ausland so viel Geld verdient. Doch müsste man nicht auch die Gehälter von Fußballern begrenzen?

Keine Neiddebatte

Nein. Ein solches Ansinnen verkennt den Kern des Problems. Es ist keine Neiddebatte. Niemand misgönnt erfolgreichen Managern ihr Topgehalt. Das Problem ist nur: Kaum jemand kennt die Kriterien für erfolgreiches Management. Mehr noch: Bei vielen macht sich das Gefühl breit, dass sich die großzügige Entlohnung von Managern von Erfolgsparametern längst abgekoppelt hat. Man hat den Eindruck, es gebe eine hermetische Managerkaste bestehend aus Vorständen und Aufsichtsräten, die sich fernab jeder wirtschaftlichen Realität die Millionen zuschieben.

Die Wirtschaftsdaten belegen diese diffuse Grummeln: Während die Tariflöhne der normalen Beschäftigen zwischen 2003 und 2011 nur um rund 18 Prozent gestiegen sind, konnten die Vorstandschefs der 24 Konzerne, die seit 2003 dem Dax angehören, ihre Gehälter in dem Zeitraum verdoppeln. Die Gerechtigkeitslücke, die sich hier auftut, ist offenkundig. Und niemand kann sagen, was die Topmanager wirklich leisten, um ihr durchschnittliches Gehalt von 6,6 Millionen Euro (2011, Quelle: Tower Watson) zu rechtfertigen.

Fans haben feine Antennen

Ganz anders die Einkünfte der Fußballprofis: Jeder kann sich Woche für Woche ein Bild davon machen, was die jungen Millionäre für ihr Geld leisten. Für die meisten Zuschauer scheinen Leistung und Bezahlung in einem angemessenen Verhältnis zu stehen. Selbst in den von hoher Arbeitslosigkeit geprägten Ruhrgebietsstädten Dortmund und Gelsenkirchen akzeptieren die Fans die hohen Gehälter ihrer Stars. Gleichzeitig haben sie aber feine Antennen für deren Leistungsbereitschaft.

Ein Mario Götze verdient 4,5 Millionen Euro im Jahr - dafür wollen wir ihn auch kämpfen sehen. Verweigert der Profi jedoch über einen längeren Zeitraum die Leistung, bekommt er den Zorn des Publikums zu spüren. Als der mit Topverdienern bestückte BVB 2000 in den Abstiegskampf geriet, machte schnell das Wort von den "Scheiß-Millionären" die Runde.

Auch bei Musikern und Filmstars gibt es nachvollziehbare Erfolgsparameter: Wer massenhaft CDs verkauft oder es schafft, die Massen zum Kinogang zu bewegen, hat ein Anrecht auf Millionenvergütung. Sänger wie Marius Müller-Westernhagen oder Herbert Grönemeyer dürfen ihren Wohlstand genießen, ohne dafür angefeindet zu werden. Und selbst wenn man seine Musik nicht mag, stellt niemand den Reichtum von Produzent Ralph Siegel infrage.

Lahm und Schweini wären in Spanien

Doch wie soll man dagegen einen Manager beurteilen? Valide Kriterien sind oft schwer nachzuvollziehen. Auch die immer wieder erwähnte "Verantwortung" überzeugt kaum - zu selten hat man in der Vergangenheit erlebt, dass Manager für Fehler geradegestanden und den Hut genommen haben.

Vor allem aber akzeptieren viele Fußballfans die Millionengehälter ihrer Stars, weil sie ohne angemessene Bezahlung längst im Ausland kicken würden. Bastian Schweinsteiger wäre bei Real Madrid, Philipp Lahm bei Barcelona, und Mario Götze könnte für Arsenal London die Schuhe schnüren. Die deutschen Fans würden Woche für Woche in die Röhre gucken.

Ob deutsche Topmanager bei strengeren Bezahlungsregeln sofort ins Ausland abwandern würden?