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Provinzposse: Russen-Quote bringt Kitzbühel in Aufruhr

Im Nobel-Skiort Kitzbühel machen reiche Russen einen immer größeren Anteil der Touristen aus. Da diese Gäste sich oft nicht unbedingt dezent verhalten, dachte man laut über eine Russen-Quote nach. Nur, um gleich wieder zurückzurudern.

Der Tiroler Nobel-Skiort Kitzbühel will Gerüchte um eine "Russen-Quote" möglichst schnell wieder vergessen machen. Ein Charmeoffensive soll helfen, den jüngsten Berichten über eine Begrenzung des russischen Touristenstroms zu begegnen. "Das war ein Kommunikations-Supergau", gestand Christian Harisch, Direktor des Tourismusverbandes Kitzbühel, am Freitag. An einen nachhaltigen Schaden für den heimischen Fremdenverkehr glaube er aber nicht. Dafür überraschte Harisch gleich wieder mit einer unerwarteten Ankündigung: Kitzbühel wolle in Zukunft den Anteil der russischen Touristen auf zehn Prozent "erhöhen" - auf genau jene Zahl also, die am Vortag noch für Aufregung und Empörung gesorgt hatte.

Zehn-Prozent-Grenze für Russen

Die Aussage der scheidenden Tourismusdirektorin Renate Dandler, Kitzbühel wolle die Zahl der Russen in der österreichischen Prominenten-Stadt auf maximal zehn Prozent begrenzen, hatte am Donnerstag selbst Politiker der Alpenrepublik auf den Plan gerufen. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein nannte sie "höchst unerfreulich" und "äußerst unglücklich". "Es darf gerade im Tourismus nicht der geringste Anschein von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit erregt werden", sagte Bartenstein.

Eine Sprecherin des russischen Tourismusverbandes sagte in einer am späten Abend eilig in der Botschaft Moskaus einberufenen Pressekonferenz, das Ganze sei "absurd" und "haltlos".

"Viel Lärm um Nichts" winkten Experten am Freitag, dem Tag danach, ab. Denn noch sind die Russen von der Erfüllung der Zehn-Prozent- Quote meilenweit entfernt. Nach einer Berechnung der Nachrichtenagentur APA hat sich die Zahl der kaufkräftigen Gäste aus dem Osten in den vergangenen sechs Jahren zwar nahezu verdoppelt, ihr Anteil an den Übernachtungen lag in der Wintersaison 2005/06 aber nur bei etwas mehr als einem Prozent. Da die Russen aber gern mit prall gefüllten Geldbeuteln in luxuriösen Herbergen absteigen und auch sonst am Urlaubsort viel Geld ausgeben, wird mit ihnen überdurchschnittlich viel Umsatz gemacht.

Russen geben doppelt so viel Geld aus

Nach Berechnungen des österreichischen Statistischen Amtes geben russische Gäste pro Tag rund 250 Euro aus - doppelt so viel wie Gäste anderer Herkunftsländer. Die meisten Russen beherbergt derzeit Sölden in Tirol mit sechs Prozent. Neben den Superreichen kommen zunehmend auch Russen der gehobenen, städtischen Mittelklasse nach Österreich. Vor allem Städte wie Wien und Salzburg profitieren von diesem Trend.

Dennoch provozierte die Ankündigung der Tourismusdirektorin Renate Dandler in Österreich zynische bis boshafte Reaktionen. Die "Russen- Quote" sei "fremdenfeindlich, diskriminierend und wohl die schlechteste Art, für Österreich Werbung zu machen", fasste die liberale Zeitung "Der Standard" am Freitag zusammen. Wenn schon Einwohner eines bestimmten Landes ausgesperrt werden sollen, könne man das künftig ja auch mit anderen tun: "Warum nicht auch Kontingente für Dicke, für Alte, für Familien und Akademiker?" warnte das Blatt.

DPA/DPA

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