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Sonnenbrillen und Spielzeug im Test: Tüv warnt vor giftigen Souvenirs

Fast 40 Prozent der getesteten Produkte fielen durch: Nach einer Untersuchung des Tüv Rheinland sind viele in Ferienorten gekaufte Spielsachen und Sonnenbrillen Schund - und manchmal sogar gefährlich.

Spielsachen für die Kleinen, preiswerte Sonnenbrillen und Fußball-T-Shirts werden gerne direkt am Strand, in Souvenirläden oder Ein-Euro-Shops gekauft. In den Feriengebieten Deutschlands, in Spanien, Italien und den Niederlanden ging der Tüv Rheinland auf Einkaufstour und erstand Freizeitartikel für 99 Cent bis circa 20 Euro. Das erschreckende Ergebnis bei den anschließenden Tests im Labor: Mehr als ein Drittel der 134 gekauften Produkte entsprach nicht den Mindestanforderungen der Europäischen Union.

Ein Schwerpunkt des Tests lag bei Spielwaren. Insgesamt kauften die Tester 45 Spielzeuge in den beliebten Urlaubsregionen, darunter elf Produkte aus Spanien, 13 aus Italien, elf aus den Niederlanden sowie weitere zehn Produkte aus Deutschland. In den Tests müssen diese die Vorgaben der EU-Spielzeugrichtlinie erfüllen. Doch bei über der Hälfte der Produkte war dies nicht der Fall: 28 Spielzeuge hielten den mechanischen und chemischen Anforderungen wegen scharfer Ecken und Kanten, verschluckbarer Kleinteile und möglicher Klemmstellen nicht stand.

Toxische Stoffe im Spielzeug

Bei acht Produkten fanden die Tester sogar hohe Belastungen mit Phthalat-Weichmachern, die über den für Spielzeug erlaubten Grenzwert lagen. Phtalate stehen im Verdacht, hormonell zu wirken und krebserregend zu sein. Zwei weitere Produkte enthielten erhöhte Werte an Polycyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Auch diese Stoffe gelten als Krebs-Verursacher. Technisch sind diese Stoffe vermeidbar.

Bei einer Seifenblasenpistole war die Flüssigkeit mikrobiologisch verkeimt. "Diese Spielwaren stellen eine Gefahr für Kinder dar und dürfen daher erst gar nicht in Kinderhände geraten", sagte Ralf Wilde vom Tüv Rheinland bei der Pressekonferenz am Donnerstag. "Wichtig ist hier an den europäischen Grenzen dafür zu sorgen, dass solche gefährlichen Produkte nicht auf den Markt gelangen, denn für den Verbraucher sind diese Sicherheitsrisiken auf den ersten Blick oft nicht zu erkennen."

Gefährliche Sonnenbrillen

Auch bei den 60 geprüften Sonnenbrillen ist das Ergebnis niederschmetternd: Bei fast jeder zweiten Brille fanden sich zum Teil gravierende Mängel. Überprüft wurden der UV-Schutz, die Straßenverkehrstauglichkeit der Brillen, die qualitative Verarbeitung und die Stoßfestigkeit der Brillengläser.

Bei sechs Brillen waren die Verarbeitung oder das Design der Gläser so schlecht, dass es zu optischen Verzerrungen beim Sehen durch die Brille kommt, was zu erheblichen Beeinträchtigungen im Straßenverkehr führen kann. Vier der gekauften Brillen boten auch keinen hundertprozentigen UV-Schutz. Patrick Niklaus vom Tüv Rheinland kommt zu dem Fazit: "Viele der gekauften Brillen verschlechtern das Sehvermögen."

Wenig Einwände bei Textilien

Zu einem besseren Ergebnis kamen die Tester bei der Überprüfung der eingekauften Fußball-Shirts. In keinem der 29 Kinder-Shirts wurde besondere Belastungen von Schadstoffen oder Allergie erzeugenden Stoffen nachgewiesen. Allerdings lassen bei 21 Produkten die Verarbeitung und die Farben sehr zu wünschen übrig. Die Tester beanstanden unsymmetrische Passformen und mangelhafte Qualität, besonders bei den Nähten.

Der Tüv Rheinland hat nicht zum ersten Mal Freizeitprodukte aus beliebten europäischen Urlaubsregionen getestet. Bereits 2009 fielen über 60 Prozent der gekauften Artikel durch und 2010 über 35 Prozent. Mit dem Test in diesem Jahr schreibt sich der negative Trend fort: Es gibt weiterhin gravierende Mängel bei der Qualität und Sicherheit der Produkte: "Die mangelhafte Sicherheit von billigen Freizeitartikeln ist ein europäisches Problem, kein nationales", so Wilde. Eigentlich dürften diese Produkte gar nicht in den Verkauf gelangen. "Die jetzigen Kontroll- und Sanktionsmechanismen scheinen nicht zu greifen. Hier muss sich etwas ändern."

tib

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