Touristikbranche Reiselust im Keller


Die Angst vor Anschlägen und die Fußball-WM haben die Reiselust der Deutschen gebremst. Die Urlaubsbranche hatte weniger Wachstum zu verzeichnen als erwartet. Mit den Einnahmen ist man trotzdem zufrieden.

Anschläge in Ägypten und der Türkei, die Vogelgrippe, aber auch die Fußball-Weltmeisterschaft hätten die Reiselust der Deutschen gebremst, erklärte der Deutsche Reiseverband (DRV) während seiner Jahrestagung auf der spanischen Insel Teneriffa. Positiv sei allerdings, dass die meisten Reiseveranstalter ihre Gewinne durch eine bessere Einkaufsstrategie erheblich gesteigert hätten, sagte Verbandschef Laepple.

Deutsche Reisemarkt könnte stagnieren

Der Umsatz der Reiseveranstalter stieg nach DRV-Angaben im abgelaufenen Touristikjahr 2005/2006 lediglich um ein Prozent auf 19,6 Milliarden Euro. Vor einem Jahr war die Branche nach einem Wachstum von rund fünf Prozent zuversichtlich, den bisherigen Spitzenwert aus dem Jahr 2000/2001 von mehr als 20 Milliarden Euro zu erreichen.

"Das Reiseverhalten war insbesondere vom Sicherheitsgedanken geprägt", sagte Verbandspräsident Klaus Laepple. Außerdem habe das außerordentlich schöne Sommerwetter in Deutschland die Reiselust direkt nach der Fußball-Weltmeisterschaft und damit in der Hochsaison der Touristik gedämpft.

Mit dem Anstieg der Urlauberzahlen um zwei Prozent auf 37,5 Millionen könne die Branche durchaus zufrieden sein. "Die Reiseveranstalter gewinnen im dritten Jahr in Folge neue Kunden", sagte Laepple. Dieser Trend werde sich fortsetzen. Mit einer Prognose für das seit November laufende Touristikjahr 2006/2007 hielt er sich zurück. Der Verbandschef verwies auf mögliche negative Einflüsse wie die höhere Mehrwertsteuer und andere finanzielle Belastungen der Verbraucher.

Beim Reisekonzern Thomas Cook geht das Management davon aus, dass der deutsche Reisemarkt stagnieren könnte. Marktführer TUI hält eine solche Einschätzung noch für verfrüht. Im vergangenen Sommer machte Europas größter Reisekonzern in Deutschland weniger Umsatz als im Vorjahr.

Gesteigerte Erträge

Erfreulich sei, dass die Reiseveranstalter trotz des unverändert harten Preiskampfes ihre Erträge und damit auch ihre Gewinne deutlich gesteigert hätten, sagte der Verbandschef zum Auftakt der Jahrestagung. Im Schnitt seien die Gewinne nach Einschätzung des Verbandes um 20 Prozent gewachsen. Dass gelte sowohl für die großen Konzerne als auch für viele mittelständische Reiseveranstalter.

Die Touristik gehört ähnlich wie der Einzelhandel zu den Wirtschaftsbranchen mit den geringsten Umsatzrenditen von unter fünf Prozent. Die Reiseveranstalter hätten in diesem Jahr sehr zurückhaltend Hotels und Plätze in Flugzeugen geordert und zudem kaum noch Auslastungsgarantien gezahlt.

Zahl der Reisebüros stabil

Die deutschen Reisebüros büßten dagegen dem DRV zufolge im abgelaufenen Touristikjahr Umsatz ein und erzielten auch niedrigere Betriebsgewinne. Mit rund 12.500 blieb die Zahl der Reisebüros stabil, dies sei nach wie vor das weltweit dichteste Netz mit Reiseverkaufsstellen gemessen an der Einwohnerzahl, sagte Laepple. Die Reisebüros müssten sich dem wachsenden Geschäft mit Internetbuchungen öffnen und diesen Vertriebsweg auch selbst stärker nutzen. Mit einer groß angelegten Werbekampagne will der DRV im kommenden Frühjahr für Reisebüros und ihre Serviceleistungen werben.

Reuters Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker