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Reiseland Türkei: Was Türkei-Reisende jetzt wissen müssen

Krise der deutsch-türkischen Beziehungen: Außenminister Gabriel hat die Reisehinweise für die Türkei verschärft. Kann man in dieser angespannten Lage seinen geplanten Türkei-Urlaub noch antreten? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Als Reaktion auf die Verhaftung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner hat das Auswärtigen Amts seine Reisehinweise für das einst beliebte Urlaubsland erneut verschärft. Zu den Opfern zahlreicher Terroranschläge in Istanbul vor allem im Jahre 2016 gehören auch deutsche Touristen. Wir geben Antworten auf die aktuellen Fragen für -Reisende.

Gibt es jetzt eine Reisewarnung für die Türkei?

Nein, es gibt für die Türkei keine Reisewarnung. Das hat im Internet nur die "Reise- und Sicherheitshinweise" aktualisiert: Diese schärfere Stufe wird nur bei einer konkreten Gefahr für Leib und Leben ausgesprochen. In einem solchen Fall werden im Land lebende Deutsche sowie Urlauber aus dem betroffenen Land zur Ausreise aufgefordert.

Was rät das Auswärtige Amt deutschen Urlaubern?

Das Auswärtige Amts hat sowohl privat als auch geschäftlich Reisende in der Türkei "zu erhöhter Vorsicht geraten und empfohlen, sich auch bei kurzzeitigen Aufenthalten in die Listen für Deutsche im Ausland bei Konsulaten und der Botschaft einzutragen". Als Grund heißt es bei den "aktuellen Hinweisen" auf der Website, dass in einigen Fällen "Deutsche von freiheitsentziehenden Maßnahmen betroffen" gewesen sind, "deren Grund oder Dauer nicht nachvollziehbar war". Teilweise sei der konsularische Zugang "entgegen völkerrechtlicher Verpflichtung" verweigert worden.

Wie reagieren die Reiseveranstalter?

"Die Reisen für die Urlauber finden wie gebucht statt", teilte der Deutsche Reisverband am Donnerstag nach dem Statement von Außenminister mit. Demnach halten die deutschen Reiseveranstalter trotz der Krise in den deutsch-türkischen Beziehungen an ihrem Türkei-Geschäft fest. Allerdings fordert die Verbraucherzentrale NRW Kulanz für Umbuchungen: "Wer angesichts dieser aktuellen Entwicklung von einer bereits gebuchten Reise zurücktreten will, sollte bei Veranstaltern auf Verständnis treffen."

Kann ich jetzt meine geplante Türkei-Reise stornieren?

Nein, nur im Fall einer ausgesprochenen Reisewarnung können potentielle Urlauber eine gebuchte Reise leichter stornieren. Da es keine förmliche Reisewarnung gibt, gelten die regulären "Allgemeinen Geschäftsbedingungen und damit die Storno- und Umbuchungsgebühren", betonte der Deutsche Reisverband.

Wie schätzt das Auswärtige Amt die Lage in der Türkei ein?

"Die innenpolitische Lage in der Türkei ist weiterhin angespannt", so der aktuelle Hinweis des Auswärtigen Amtes. "Reisende sollten besonders aufmerksam sein und Menschenansammlungen und Orte, an denen sich regelmäßig viele Ausländer aufhalten, möglichst meiden." Ferner wird empfohlen, sich über Medien "zur weiteren Lageentwicklung informiert zu halten" sowie engen Kontakt mit dem Reiseveranstalter oder der Fluglinie zu halten.

Gilt weiterhin der vor einem Jahr verhängte Notstand?

Ja, das nach dem Putschversuch am 15. Juli 2016 ausgerufene Notstandgesetz, das für alle 81 Provinzen in der Türkei verhängt wurde, ist gerade erst verlängert worden und gilt mindestens bis zum 19. Oktober 2018. Demnach können jederzeit Ausgangssperren verhängt, Durchsuchungen vorgenommen und allgemeine Personenkontrollen durchgeführt werden.

Kann ich noch entspannt an der türkischen Ägäis Uraub machen?

Vor einem Badeurlaub an den türkischen Mittelmeerküsten warnt die Berliner Behörde explizit nicht. Allerdings muss sich jeder Türkei-Reisende fragen, ob er in einem Land entspannte Ferien verbringen kann, in dem Notstandsgesetzgebung zur Dauereinrichtung, die Pressefreiheit abgeschafft, Zehntausende von Staatsbediensteten und Richter verhaftet wurden und Journalisten in türkischen Gefängnissen einsitzen.

"Die Türkei gehört zu den Ländern mit den meisten inhaftierten Journalisten weltweit", heißt es bei der Organisation "Reporter ohne Grenzen". Zu den Inhaftierten gehören auch deutsch-türkische "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel sowie die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu Corlu.

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