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Sportliches Südafrika: Adrenalinstoß am Kap

Die herrlichen Strände an Südafrikas Kap laden zum Faulenzen ein. stern.de-Autorin Antje Lückingsmeier hat sich nicht verführen lassen. Auf ihrer Reise ist Action angesagt - von Abseiling bis Powerboot.

Da ist er: Wie so oft mit einem "Tischtuch" aus Wolken überzogen, thront der Tafelberg über der Stadt und heißt die Neuankömmlinge willkommen. Wo tausende von Touristen jährlich einfach nur die Sonne und die geniale Aussicht genießen und gemächlich über das Plateau bummeln, wage ich gleich zu Beginn meiner Reise einen Höllentrip: Ich werde mich vom mehr als 1000 Meter hohen Tafelberg rückwärts den steilen Felshang abseilen.

Durch einen Gurt um die Hüften gesichert, wage ich den Rückwärtssprung ins Nichts. 112 Meter geht es unter mir bergab bis zum nächsten Felsvorsprung. Das Glück (sprich: Leben) scheint in meiner eigenen Hand zu liegen, die das Seil umklammert und stückchenweise freigibt. Die Retter von "Abseil Africa" sind schon nach einem Meter aus meinem Blickfeld verschwunden. Wie ein Mantra wiederhole ich immer die Anweisungen der Crew: "Füße immer unterhalb der Körpermitte halten." Spätestens, wenn nach dem schon schier endlos erscheinenden Fall die Wand in einem Vorsprung endet und die letzten 20, 30 Meter in komplett freiem "Flug" zu bewältigen sind, scheint das unmöglich.

Als hinge mein Leben davon ab, versuchen meine Füße den Kontakt zur Wand nicht abreißen zu lassen, während mein Hinterteil tiefer und tiefer sinkt. Irgendwann platzt der Knoten in meinem Kopf und ich schaffe es, mich einfach hängen zu lassen und mich in beschaulichem Tempo dem rettenden Erdboden zu nähern. So weiche Knie hatte ich selten in meinem Leben und wohl noch nie einen so hohen Adrenalinschub.

Die coolen Biker von Wayne's Wheels

Wie die reinste Erholung mutet dagegen mein Programm am nächsten Tag an: Ich werde eine Spritztour mit den coolen Bikern von "Wayne's Wheels" auf ihren Harleys machen. Mit dem satten Sound in den Ohren geht es von Hout Bay zu den Pinguinen in Boulders und weiter zum obligatorischen Fotostopp am Cape Point. Die "harten Jungs", von denen die meisten im eher gesetzten Alter sind, sprechen nicht viel. Gerast wird auch nicht, der Harleyfahrer cruist schließlich lieber. Der König der Welt kann sich nicht besser fühlen, als ich mich im Sattel einer dieser Legenden. Gemächlich geht es durch das Naturschutzgebiet am Kap, vorbei an zahlreichen Vertretern der über 240 Straußenarten durch die im Frühling mit riesigen Blumenteppichen überzogene Landschaft des Cape of Good Hope Nature Reserve. Mit der Beschaulichkeit ist es vorbei, als uns gierige Paviane auf Nahrungsmittel überprüfen wollen. Die Furcht einflößenden Tiere, die fauchend und mit Imponiergehabe auf uns zustürmen, kann man oft nur durch lautes Schreien und vielleicht gar einen Steinwurf einschüchtern.

Auf Tuchfühlung mit Pinguinen

Das Dröhnen der Harleys noch im Ohr, steht an Tag drei eine Drehzahlerhöhung an: Mit dem Powerboot geht es von der Waterfront aus durch den Hafen von Kapstadt, an zahlreichen Robben vorbei, bei klarem Wetter mit gutem Blick auf Nelson Mandelas berühmt-berüchtigte Gefängnisinsel Robben Island. Ich kann kaum die Augen aufhalten, wenn der Skipper richtig aufdreht, so peitscht der Wind ins Gesicht. Auf der Tour winken aber auch ruhige Momente, wenn sich das Boot mit abgestelltem Motor den Tieren für einzigartige Fotoerinnerungen nähert. Und als ob Abseilen, Harley-Fahren und Powerboot noch nicht genug wären, geht es zum Ende meiner Reise nochmal hoch hinaus: Ein Helikopter holt mich direkt an der beliebten Victoria & Albert Waterfront in Kapstadts Hafen ab, um hoch hinaus über den Tafelberg zu fliegen. Nachdem ich mich an den etwas blechernen Funkkontakt mit dem Piloten gewöhnt habe, verstummt jedes Gespräche. Ich kann mich gar nicht satt sehen. Wieder sind Wale im Wasser zu erkennen und das berüchtigte Kap der guten Hoffnung liegt einfach friedlich und wunderschön unter mir. Am letzten Tag kann ich endlich auch in Ruhe die Stadt genießen. Ich bummle durchs bunte Malayenviertel und an der Waterfront entlang, bis es abends zurück nach Deutschland geht. Und nach diesem atemlosen Trip ans Kap wirkt der Bürostress daheim dann fast wie Urlaub.

ReiseinformationenAnreiseAbends in Deutschland einchecken, eventuell sogar im komfortablen "Flatbed" der South African Airways (SAA) Platz nehmen, und am nächsten Morgen schon in südafrikanische Sonne blinzeln, willkommen geheißen von der "schönsten Stadt der Welt". (Infos unter www.flysaa.com). Und dank fehlender Zeitverschiebung können Südafrika-Reisende über Jetlag nur lachen.

Veranstalter und Adresse

Abseiling

: Infos zum "Abseiling" vom Tafelberg unter www.abseilafrica.co.za

Helikopter-Rundflüge

: Verschiedene Touren stehen zur Auswahl, vom Tafelberg über die Zwölf Apostel oder durchs Sun Valley. Sport Helicopters, Telefon 00 27-21-4 34 44 44.

Sämtliche Touren sind - kombiniert oder einzeln - auch über Felix Unite Tours and Incentives (www.felixunitetours.com) zu buchen.

Tipps


Wer sich für eine der zwölf offiziellen Aufstiegsrouten (von "leicht" bis "sehr schwer" und "nur für erfahrene Kletterer") auf den Tafelberg hinauf entscheidet, sollte außer über einer guten Ausrüstung über ausreichend Kondition (rund drei Stunden Aufstieg) und eine gute Karte verfügen. Außerdem sollte man sich vor dem Start unbedingt nach den Wetterbedingungen erkundigen, da das Wetter innerhalb von Minuten umschlagen kann (Mountain Club of South Africa, Telefon 00 27-21-4 65 34 12).
Die Powerboot-Tour kann auf mit einer Fährfahrt nach Robben Island kombiniert werden.

Weitere Action-Tipps: Quad Biken am südlichsten Punkt Afrikas (www.ecoquad.co.za), Fahrrad- oder Mountainbiketouren auf der Kaphalbinsel oder im Weinland (www.africanbikers.de), Trommeln im Drum Café (www.drumcafe.co.za) – nicht zu vergessen Sport und Spaß am, auf und unter dem Ozean, den größten Kick verspricht hier sicher das Tauchen mit den Weißen Haien, wahrlich nichts für Angsthasen.

Antje Lückingsmeier

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