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Umweltschutz: Ziegenkrieg am Tafelberg

In Südafrikas Touristenmetropole Kapstadt hat sich ein bizarrer Kleinkrieg zwischen Tier- und Umweltschützern an einer vom Aussterben bedrohten Ziegenart entzündet.

In Südafrikas Touristenmetropole Kapstadt hat sich ein bizarrer Kleinkrieg zwischen Tier- und Umweltschützern an einer vom Aussterben bedrohten Ziegenart entzündet. Die ursprünglich aus dem Himalaya stammende indische Tahr-Bergziege bevölkert zur Freude in- und ausländischer Touristen seit 74 Jahren Kapstadts Wahrzeichen, den Tafelberg. Seit einigen von ihnen 1930 die Flucht aus dem Groote Schuur-Zoo gelungen war, haben sich die Zotteltiere in ihrer neuen Umgebung explosionsartig vermehrt.

Der auf mehrere hundert Tahrs geschätzte Bestand bedroht nun jedoch das ökologische Gleichgewicht auf der wegen ihrer pflanzlichen Artenvielfalt gerühmten Kap-Halbinsel. Vor allem die dort vorkommende Fynbos (Feinbusch) Pflanzenwelt haben sie zum Fressen gern. Die Umweltschützer plädieren daher für eine Radikallösung: den gezielten massenhaften Abschuss der Tiere, die Biologen zwischen Ziege und Schaf einordnen.

Protest gegen das Ausmerzen der Zotteltiere

Bei den Tierschützern löste das einen Aufschrei der Empörung aus. Ein Arbeitskreis "Freunde des Tahrs" versucht bereits seit Jahren, das Massaker am Tafelberg zu verhindern. Sie plädieren dafür, die Tiere vom Helikopter aus zu betäuben, einzufangen und nach Indien zu exportieren, wo die Tahrs unter Naturschutz stehen. Das Problem: Die Finanzierung dieses kostspieligen Unterfangens. Bisher trafen nicht genügend Spenden ein. Dennoch haben die Tierfreunde bislang erfolgreich das geplante Ausmerzen der Zotteltiere verhindern können. Zuletzt zogen sie vor Gericht, um den im April 2000 begonnenen Vernichtungsfeldzug zu stoppen. Seitdem gibt es einen juristischen Kleinkrieg.

"Die Tahrs müssen verschwinden!"

Doch nun platzte den Naturschützern der Kragen. In einem offenen Brief hielten 23 prominente Umweltschützer den "Freunden des Tahrs" Hinhaltetaktik vor. Es sei an der Zeit, die zuständige nationale Naturpark-Behörde endlich ihre Arbeit tun zu lassen. Allein auf dem Tafelberg werden mehr als 100 Tahrs vermutet, ein Viertel davon Jungtiere. Sie förderten durch Überweidung nicht nur die Erosion, sondern zupften beim Fressen gleich die ganzen Pflanzen samt Wurzeln aus. Auf der umliegenden Kap-Halbinsel sei die Gefahr ebenfalls groß. "Die Tahrs müssen verschwinden!", lautete das Fazit der Autoren, die nachsetzten: "Und warum sollte man ausgerechnet zu Tahrs nett sein? Warum gibt es keine, Freunde der norwegischen Ratte’ oder einen, Freundeskreis für das Cholera-Virus?"

Gewalt sei keine Lösung

Cecily Blumberg von der Organisation "Freunde des Tahrs" hält den Abschuss-Befürwortern vor, mit dem Ruf nach der Waffe auf primitive Lösungen zu setzen. "Wenn alle Parteien ihre Köpfe in einer Atmosphäre des guten Willens zusammenstecken, würde auch die Finanzierung unweigerlich gelöst werden", meint sie. Doch davon will man bei der Parkbehörde nichts wissen. Die begrenzten Mittel reichten gerade für die übrigen Aufgaben, heißt es dort. Finanzieller Spielraum ist da nicht mehr drin. Außerdem, so meinen die Autoren, sei es fraglich, ob Indien an den Tieren wirklich seine Freude hätte, selbst wenn sie eingefangen werden könnten: Die Kap-Tahrs seien alle durch Inzucht entstanden.

Ralf E. Krüger/DPA