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Vom Corona-Lockdown getroffen Ehepaar machte Urlaub in Berchtesgaden: "Auf einmal hieß es: Koffer packen"

Das Ortsschild "Berchtesgaden - Kreis Berchtesgadener Land" hängt am Eingang der Stadt
Im Landkreis Berchtesgaden ist das Verlassen der eigenen Wohnung von Dienstag 14 Uhr an nur noch mit triftigem Grund erlaubt
© Peter Kneffel / DPA
Ein Ehepaar aus Hessen wollte in Berchtesgaden eine schöne Woche verbringen. Doch dann kam die Ankündigung zum Lockdown. Jetzt müssen die Touristen unvermittelt wieder abreisen. So wie viele Hunderte andere auch.

Es sollte eine unbeschwerte Woche im Berchtesgadener Land werden. Anlässlich ihres 50. Geburtstages buchten Claudia Wienert (Name geändert) und ihr Ehemann eine Ferienwohnung in Schönau am Königsee. Zwar waren die Zahlen der Neuinfektionen schon wieder relativ hoch, "aber wir dachten, die gehen vielleicht auch wieder runter", erzählt Wienert, die ihren Namen nicht im Internet lesen möchte, dem Stern. "Wir wollten auch extra kein Hotel, damit wir uns weitestgehend selbst versorgen können. Außerdem hatten wir dieses Jahr noch gar keinen Urlaub gemacht und uns wahnsinnig darauf gefreut."

"Es ist wirklich schade, dass wir jetzt schon wieder abreisen müssen", sagt sie. "Wir haben uns hier sehr wohl und auch sicher gefühlt. Überall wurde darauf geachtet, dass man die Abstands- und Hygieneregeln einhält. Gestern haben wir einen Ausflug mit dem Schiff gemacht und auch da wurde immer wieder darauf hingewiesen, die Masken zu tragen – und auch richtig zu tragen – nicht nur über dem Mund."

Am Abend erfuhren sie vom Lockdown

Nachdem das Ehepaar am Montag noch einen tollen Tag am Königsee verbrachte, erfuhr es auf der Rückfahrt in die Ferienwohnung im Radio von dem bevorstehenden Lockdown. "Es hieß, es gäbe am Abend dazu eine Pressekonferenz, die haben wir uns dann angehört und erfahren, dass sämtlichen Touristen am nächsten Tag um 14 Uhr abreisen sollen und alles geschlossen wird."

Schweren Herzens begannen die beiden ihre Koffer zu packen. Am Dienstagmorgen unternahm das Paar noch eine letzte Wanderung zum Toten Mann, nahm noch ein Getränk im Bergrestaurant "Hirschkaser". "Eigentlich wollten wir mit dem Sessellift hochfahren, aber die Anlage war schon geschlossen. Auch auf der Almhütte wies ein Schild auf den bevorstehenden Lockdown hin. "Heute ab 13 Uhr geschlossen". 

"Heute ab 13 Uhr geschlossen", heißt es auf einer Tafel vor dem Bergrestaurant "Hirschkaser"
Die Ankündigung zum Lockdown: "Heute ab 13 Uhr geschlossen", heißt es auf einer Tafel vor dem Bergrestaurant "Hirschkaser"
© privat/hfr

Lockdown gilt vorerst für 14 Tage

Trotzdem tummelten sich am späten Dienstagmorgen noch viele Menschen auf Terrasse. "Es machte den Eindruck, als wollten viele das schöne Wetter noch bis 14 Uhr ausnutzen."

Von dem Lockdown sei auch die Wirtin ihrer angemieteten Ferienwohnung überrascht gewesen. "Sie hat uns dann das Geld für die nächsten drei Tage zurückgezahlt und uns eine gute Heimreise gewünscht. 

Diese steht dem Ehepaar aus Hessen jetzt allerdings noch bevor. Zwar seien viele auch schon in den frühen Morgenstunden abgereist, aber "es wird ja auch einige geben, die erst gegen 14 Uhr aufbrechen. Wir hoffen, dass wir jetzt nicht noch ewig im Stau stehen."  

Die Berchtesgadener Land Tourismus schätzte die Zahl der Gäste, die in der Bergidylle rund um Watzmann und Königssee teils die Herbstferien verbringen wollten, auf knapp 2500. Jetzt ist der Urlaub also vorbei. Und für die Anwohner gelten ab 14 Uhr strenge Regeln. Dann ist das Verlassen der eigenen Wohnung nur noch mit triftigem Grund erlaubt.

Es sind bayernweit die ersten Ausgangsbeschränkungen seit Monaten, sie gelten vorerst für 14 Tage. Am Montag lag die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis bei 272,8. Sie gibt an, wie viele Neuinfektionen mit dem Coronavirus pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gemeldet wurden.


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